(Kiel) Eine Wer­bung mit Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ver­stößt gegen das wett­be­werbs­recht­li­che Irre­füh­rungs­ver­bot, wenn den ange­spro­che­nen Ver­brau­chern dadurch der Ein­druck ver­mit­telt wird, das bewor­be­ne Pro­dukt sei gegen­über den Ange­bo­ten von Mit­be­wer­bern höher­wer­tig.

Hier­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Mathi­as Zim­mer-Goertz von der Kanz­lei Bei­ten Burk­hardt und Mit­glied der Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. (DASV) unter Hin­weis auf ein jetzt ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Ober­lan­des­ge­rich­tes Olden­burg vom 03.06.2010 (Az. 1 U 6/10)


In dem ent­schie­de­nen Fall hat­te die Beklag­te, eine Erzeu­ge­rin von Eiern, auf ihren Ver­pa­ckun­gen mit dem Sie­gel “tier­ge­rech­te Hal­tung” und dem Hin­weis auf eine “tier­ge­rech­te Klein­grup­pen­hal­tung” gewor­ben. Vor­aus­set­zung für die Ver­wen­dung des Sie­gels war hier­bei ein Kri­te­ri­en­ka­ta­log, des­sen Vor­ga­ben für die Hal­tung von Tie­ren im Wesent­li­chen jedoch nur die gesetz­li­chen Min­dest­stan­dards kon­kre­ti­sie­ren. Ein Wett­be­werbs­ver­band klag­te hier­ge­gen auf Unter­las­sung mit dem Argu­ment, dass die Her­aus­stel­lung der blo­ßen Ein­hal­tung gesetz­li­cher Min­dest­stan­dards irre­füh­rend sei.


Die­ser Ansicht folg­ten auch die Rich­ter und ent­schie­den, dass Wer­bung, die Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten her­aus­stellt, auch dann gegen das Irre­füh­rungs­ver­bot des § 5 UWG ver­sto­ßen kann, wenn die Anga­ben zutref­fend sind. Das ange­spro­che­ne Publi­kum kön­ne näm­lich anneh­men, dass mit der Wer­bung ein Vor­zug gegen­über ande­ren Erzeug­nis­sen der glei­chen Gat­tung her­vor­ge­ho­ben wird. Dies gel­te umso mehr, wenn dem durch die Wer­bung ange­spro­che­nen Per­so­nen­kreis nicht bekannt sei, dass es sich bei der beton­ten Eigen­schaft um einen gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen oder zum Wesen der Ware gehö­ren­den Umstand han­delt. Es kom­me ent­schei­dend dar­auf an, dass das Publi­kum in der ange­prie­se­nen Eigen­schaft einen Vor­teil des bewor­be­nen Pro­duk­tes sehe, den es bei ver­gleich­ba­ren Kon­kur­renz­pro­duk­ten nicht erwar­te.


Rechts­an­walt Zim­mer-Goertz weist dar­auf hin, dass durch die Ver­wen­dung des Sie­gels “tier­ge­rech­te Hal­tungs­form” in Ver­bin­dung mit dem deut­li­chen Hin­weis auf die Hal­tung der Tie­re in “tier­ge­rech­ter Klein­grup­pen­hal­tung” nach Ansicht der Rich­ter der Ein­druck erweckt wur­de, die Beklag­te tue mehr für den Tier­schutz als vom Gesetz­ge­ber vor­ge­schrie­ben: “Da dies nicht der Wahr­heit ent­sprach, war von  einer Irre­füh­rung der Ver­brau­cher aus­zu­ge­hen.”


Die Ent­schei­dung zeigt, dass ein Wer­be­trei­ben­der auch bei Wer­bung mit objek­tiv rich­ti­gen Anga­ben  wett­be­werbs­recht­lich nicht auf der siche­ren Sei­te ist. “Immer dann wenn eine Eigen­schaft eines Pro­duk­tes in der Wer­bung beson­ders her­aus­ge­stellt wird, die gesetz­lich vor­ge­schrie­ben oder aus ande­rem Grund selbst­ver­ständ­lich ist, besteht ein recht­li­ches Risi­ko”, betont Rechts­an­walt Zim­mer-Goertz.


Vor die­sem Hin­ter­grund emp­fiehlt es sich, in Zwei­fels­fra­gen stets mit einem fach­lich spe­zia­li­sier­ten Rechts­an­walt zusam­men zu arbei­ten, um kos­ten­in­ten­si­ve Abmah­nun­gen oder Gerichts­ver­fah­ren zu ver­mei­den. In die­sem Zusam­men­hang wird u.a. auch auf die in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. (www.mittelstands-anwaelte.de) orga­ni­sier­ten Anwälte/ ‑innen mit Tätig­keits­schwer­punkt „Wett­be­werbs­recht“ ver­wie­sen.

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