(Kiel) Schü­ler ste­hen wäh­rend ihrer Betreu­ung in Hort­ein­rich­tun­gen auch beim Essen unter dem erwei­ter­ten Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Dies hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt (LSG) Nie­der­sach­sen-Bre­men im Fal­le eines Jun­gen ent­schie­den, der seit einem tra­gi­schen Unfall im Rah­men einer Hort­be­treu­ung schwerst­be­hin­dert ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 11.06.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men vom 24.02.2009 — Az. L 9 U 41/06.


Die Hort­ein­rich­tung, die als pri­va­ter ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein orga­ni­siert ist, hat­te im Dezem­ber 2003 ein gemein­sa­mes Schwim­men mit den von ihr betreu­ten Schü­lern in einem Hal­len­bad in Han­no­ver orga­ni­siert. Nach dem Schwim­men sam­mel­ten sich die Kin­der, soweit sie mit dem Umzie­hen und Föh­nen fer­tig waren, nach und nach im Vor­raum des Schwimm­ba­des. Eine anwe­sen­de Erzie­he­rin ver­teil­te dort an die schon war­ten­den Kin­der mit­ge­brach­te Lebens­mit­tel, u. a. Pfann­ku­chen. Nach einer Wei­le ent­deck­te sie den damals 7‑jährigen Klä­ger leb­los am Boden. Trotz ein­ge­lei­te­ter Wie­der­be­le­bung und Not­arzt­ein­satz lei­det der Jun­ge seit­dem unter einer schwe­ren Mehr­fach­be­hin­de­rung (u. a. voll­stän­di­ge Immo­bi­li­tät, schwe­re kogni­ti­ve Defi­zi­te sowie Blind­heit).


Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat mit Urteil vom 24. Febru­ar 2009 die Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Han­no­ver bestä­tigt, dass das Kind damals einen Arbeits­un­fall erlit­ten und damit unter dem Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung gestan­den hat, betont Klar­mann.


Ange­grif­fen wor­den war dies von der Lan­des­un­fall­kas­se Nie­der­sach­sen, dem zustän­di­gen Trä­ger der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung. Die Lan­des­un­fall­kas­se hat­te auch im Beru­fungs­ver­fah­ren bezwei­felt, dass der Herz­still­stand des Jun­gen über­haupt durch ein­ge­at­me­te Pfann­ku­chen­res­te aus­ge­löst wor­den ist, und sich dar­über hin­aus gegen einen so weit­rei­chen­den Unfall­ver­si­che­rungs­schutz von Kin­dern in Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen gewandt, wenn die Kin­der bereits das Schul­al­ter erreicht haben.


Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat in der Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung ins­be­son­de­re dar­auf ver­wie­sen, dass auch das gemein­sa­me Essen wäh­rend der Betreu­ung des Schü­lers durch die Hort­ein­rich­tung unter dem Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung gestan­den hat. Dem­ge­gen­über ist das Essen und Trin­ken bei Erwach­se­nen regel­mä­ßig dem per­sön­li­chen Lebens­be­reich zuzu­ord­nen, so dass hier­bei kein gesetz­li­cher Unfall­ver­si­che­rungs­schutz besteht.


Das Gericht hat fer­ner fest­ge­stellt, dass der Unfall mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit durch das Ein­at­men von Pfann­ku­chen­tei­len her­bei­ge­führt wor­den ist. Dies sei u. a. dar­aus zu schlie­ßen, dass man Krü­mel im Mund des Jun­gen gefun­den habe, als die­ser reg­los am Boden lag, und dass Ver­än­de­run­gen im Rönt­gen­bild der Lun­ge erkenn­bar gewor­den sei­en, die typisch für die Ein­at­mung von Fremd­kör­pern sei­en.


Die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt nicht zuge­las­sen. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.
Klar­mann emp­fahl, die­ses Urteil zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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