(Kiel)  Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH)hat am 28.10.2009 erneut einer Kla­ge von Kun­den eines Gas­ver­sor­gers gegen Preis­er­hö­hun­gen statt­ge­ge­ben, weil die Preis­an­pas­sungs­klau­seln, die der Gas­ver­sor­ger in den Erd­gas-Son­der­ver­trä­gen mit den kla­gen­den Kun­den ver­wen­det hat, wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung der Kun­den unwirk­sam sind.

Dar­auf ver­weist der Stutt­gar­ter Rechts­an­walt und Fach­an­walt für Arbeits- und Erbrecht Micha­el Henn, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­ho­fes vom 28.10.2009, Az. VIII ZR 320/07.


Die Par­tei­en strit­ten um die Wirk­sam­keit von Gas­preis­er­hö­hun­gen, die von der Beklag­ten, einem regio­na­len Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men in Nord­deutsch­land, ein­sei­tig vor­ge­nom­men wur­den. Die Klä­ger sind Son­der­ver­trags­kun­den, die zu einem gegen­über dem Grund­ver­sor­gungs­ta­rif des Unter­neh­mens güns­ti­ge­ren Tarif für die Voll­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den (“s. Erd­gas basis plus”) belie­fert wer­den. Grund­la­ge der ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen den Par­tei­en waren vor­for­mu­lier­te Ver­trä­ge in zwei ver­schie­de­nen Fas­sun­gen.


Das beklag­te Unter­neh­men erhöh­te den Arbeits­preis Erd­gas zum 1. Okto­ber 2004, zum 1. Janu­ar 2005, zum 1. Okto­ber 2005 und zum 1. Janu­ar 2006. Die Klä­ger wider­spra­chen den Preis­er­hö­hun­gen. Mit ihrer Kla­ge haben sie die Fest­stel­lung begehrt, dass die Preis­er­hö­hun­gen unbil­lig und unwirk­sam sind. Das Land­ge­richt Bre­men hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.


Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Beklag­ten hat­te kei­nen Erfolg, betont Henn.


Der VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die umstrit­te­nen Gas­preis­er­hö­hun­gen unwirk­sam sind, weil die Preis­an­pas­sungs­klau­seln in den For­mu­lar­ver­trä­gen einer Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht stand­hal­ten und des­halb kein Recht des Gas­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung des Gas­prei­ses besteht. Die Preis­an­pas­sungs­klau­seln benach­tei­li­gen die Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben jeden­falls des­halb unan­ge­mes­sen, weil sie nur das Recht des Ver­sor­gers vor­se­hen, Ände­run­gen der Gas­be­zugs­kos­ten an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, nicht aber die Ver­pflich­tung, bei gesun­ke­nen Geste­hungs­kos­ten den Preis zu sen­ken. Eine Preis­an­pas­sungs­klau­sel muss aber das ver­trag­li­che Äqui­va­lenz­ver­hält­nis wah­ren und darf dem Ver­wen­der nicht die Mög­lich­keit geben, über die Abwäl­zung kon­kre­ter Kos­ten­stei­ge­run­gen hin­aus einen zusätz­li­chen Gewinn zu erzie­len. 



Die von dem beklag­ten Unter­neh­men ver­wen­de­ten For­mu­lie­run­gen (“behal­ten sich … vor”, “sind berech­tigt”) las­sen zumin­dest eine Aus­le­gung zu, nach der das Unter­neh­men zwar berech­tigt, nicht aber ver­pflich­tet ist, nach gleich­lau­fen­den Maß­stä­ben zu bestimm­ten Zeit­punk­ten eine Preis­an­pas­sung nach unten vor­zu­neh­men, wenn die Gas­be­zugs­kos­ten seit Ver­trags­schluss oder seit der letz­ten Preis­an­pas­sung gesun­ken sind. Damit hat das Unter­neh­men die Mög­lich­keit, durch die Wahl des Preis­an­pas­sungs­ter­mins erhöh­ten Bezugs­kos­ten umge­hend, nied­ri­ge­ren Bezugs­kos­ten jedoch nicht oder erst mit zeit­li­cher Ver­zö­ge­rung durch eine Preis­än­de­rung Rech­nung zu tra­gen.


Das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men war auch nicht nach der — im Zeit­punkt der umstrit­te­nen Preis­er­hö­hun­gen noch gel­ten­den – Rege­lung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV (jetzt: § 5 Abs. 2 Gas­GVV) zur Preis­än­de­rung berech­tigt. Die­se Vor­schrift, die ein gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens begrün­det, ist nur auf die Ver­sor­gung von Tarif­kun­den (jetzt: Grund­ver­sor­gungs­kun­den) unmit­tel­bar anwend­bar. Bei den Klä­gern han­delt es sich aber jeweils um Son­der­ver­trags­kun­den, nicht um Tarif­kun­den. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Vor­schrift im Wege der Geset­zes­ana­lo­gie lie­gen nicht vor. Auch eine ent­spre­chen­de Anwen­dung auf­grund einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung kam in dem ent­schie­de­nen Fall nicht in Betracht.


Henn mahn­te, das Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen u. a. auch auf die  DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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