(Kiel) Der u. a. für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat soeben über die Wirk­sam­keit eines ver­ein­bar­ten Selbst­be­halts beim Wech­sel des Tarifs in einem Kran­ken­ver­si­che­rungs­ver­trag ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 12.09.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. IV ZR 28/12.

Der kla­gen­de Ver­si­che­rungs­neh­mer unter­hielt beim beklag­ten Ver­si­che­rer einen pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­ver­trag, der u.a. für ambu­lan­te Leis­tun­gen einen jähr­li­chen Selbst­be­halt von 2.300 € vor­sah. Der monat­li­che Gesamt­bei­trag in die­sem sog. “Her­kunfts­ta­rif” lag zuletzt bei 349,51 €. Der Klä­ger bean­trag­te 2009 einen Wech­sel in den Tarif “ECONOMY” der Beklag­ten, den sog. “Ziel­ta­rif”, der einen monat­li­chen Gesamt­bei­trag von 163,92 € und ver­schie­de­ne behand­lungs­be­zo­ge­ne Selbst­be­hal­te von je 10 € pro Behand­lungs­tag und Behand­ler, Arz­nei- und Ver­band­mit­tel bzw. sons­ti­ger Leis­tungs­inan­spruch­nah­me vor­sah. Anläss­lich des Tarif­wech­sels unter­zeich­ne­te der Klä­ger unter dem Vor­be­halt der Recht­mä­ßig­keit eine ihm von der Beklag­ten vor­ge­leg­te “Erklä­rung zum Umta­ri­fie­rungs­an­trag”, die im Kern die Fort­gel­tung der abso­lu­ten Selbst­be­tei­li­gung von 2.300 € auch im Ziel­ta­rif vor­sieht. Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge, mit der der Klä­ger die Fest­stel­lung begehrt, dass der auch im Ziel­ta­rif ver­ein­bar­te abso­lu­te jähr­li­che Selbst­be­halt unwirk­sam ist, statt­ge­ge­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat der Bun­des­ge­richts­hof das amts­ge­richt­li­che Urteil wie­der­her­ge­stellt, so Kroll.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die unein­ge­schränk­te Ver­ein­ba­rung der Fort­gel­tung der abso­lu­ten jähr­li­chen Selbst­be­tei­li­gung von 2.300 € im Ziel­ta­rif neben dem ver­ein­bar­ten behand­lungs­be­zo­ge­nen Selbst­be­halt für unwirk­sam erach­tet. Macht der Ver­si­che­rungs­neh­mer einer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung von sei­nem Recht Gebrauch, inner­halb eines bestehen­den Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­ses in einen ande­ren Tarif mit gleich­ar­ti­gem Ver­si­che­rungs­schutz zu wech­seln, so kann der Ver­si­che­rer, soweit die Leis­tung in dem Ziel­ta­rif höher oder umfas­sen­der ist als in dem bis­he­ri­gen Tarif, für die Mehr­leis­tung einen Leis­tungs­aus­schluss oder einen ange­mes­se­nen Risi­ko­zu­schlag und inso­weit auch eine War­te­zeit ver­lan­gen (§ 204 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Halb­satz 2 VVG). Auch der Weg­fall eines abso­lu­ten Selbst­be­halts im Ziel­ta­rif kann eine der­ar­ti­ge Mehr­leis­tung dar­stel­len, für die der Ver­si­che­rer grund­sätz­lich einen Leis­tungs­aus­schluss ver­lan­gen kann. Einen Leis­tungs­aus­schluss in Gestalt einer erneu­ten Ver­ein­ba­rung des abso­lu­ten Selbst­be­halts kann der Ver­si­che­rer aber nur bean­spru­chen, soweit die Sum­me der im Ziel­ta­rif ver­ein­bar­ten behand­lungs­be­zo­ge­nen Selbst­be­tei­li­gun­gen pro Kalen­der­jahr den abso­lu­ten Selbst­be­halt von hier 2.300 € nicht aus­schöpft. Eine der­ar­ti­ge Begren­zung ent­hielt die vom Klä­ger unter­zeich­ne­te “Erklä­rung zum Umta­ri­fie­rungs­an­trag” nicht. Ein kumu­la­ti­ver Ansatz sowohl des abso­lu­ten als auch des behand­lungs­be­zo­ge­nen Selbst­be­halts, der zu einer Schlech­ter­stel­lung des Klä­gers gegen­über ande­ren Ver­si­che­rungs­neh­mern sowohl im Her­kunfts- als auch im Ziel­ta­rif führt, ist dem­ge­gen­über unzu­läs­sig.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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