(Kiel) Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt hat am 17.08.2011 ent­schie­den, dass der von Pelham/ Haas kom­po­nier­te und von Sabri­na Set­lur gesun­ge­ne Titel „Nur mir” unter Ver­stoß gegen das Urhe­ber­recht zustan­de gekom­men ist, weil er uner­laubt sog. Sam­ples der Musik­grup­pe „Kraft­werk” ent­hält. Die aus dem Jahr 1997 stam­men­den Auf­nah­men des Titels dür­fen nicht wei­ter ver­kauft wer­den.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts (OLG) vom 19.08.2011 — 5 U 48/05.

Die Klä­ger im Ver­fah­ren vor dem Urhe­ber­rechts­se­nat des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts sind Mit­glie­der der Musik­grup­pe „Kraft­werk”. 1977 erschien deren Ton­trä­ger „Kraft­werk – Trans Euro­pa Express”, auf dem sich auch der Titel „Metall auf Metall” befin­det. Die neben den Kom­po­nis­ten Pel­ham und Haas beklag­te Pel­ham GmbH ver­öf­fent­lich­te 1997 zwei Ton­trä­ger mit dem Hip-Hop-Stück „Nur mir”, das von der am hie­si­gen Rechts­streit nicht betei­lig­ten Sabri­na Set­lur inter­pre­tiert wur­de. Die Klä­ger behaup­ten, die Beklag­ten hät­ten urhe­ber­rechts­wid­rig eine etwa zwei Sekun­den lan­ge Rhyth­mus­se­quenz aus dem Titel „Metall auf Metall” elek­tro­nisch kopiert („gesam­pelt”) und dem Titel „Nur mir” in fort­lau­fen­der Wie­der­ho­lung unter­legt.

2004 ver­bot in ers­ter Instanz das Land­ge­richt Ham­burg den Beklag­ten, die frag­li­chen Auf­nah­men wei­ter in den Ver­kehr zu brin­gen. Außer­dem stell­te das Gericht fest, dass die Beklag­ten den Klä­gern zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet sei­en. Die gegen das Urteil ein­ge­leg­te Beru­fung wies das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt 2006 zurück. Auf die Revi­si­on der Beklag­ten hob jedoch der Bun­des­ge­richts­hof 2008 das Beru­fungs­ur­teil auf und ver­wies die Sache zurück an das Ober­lan­des­ge­richt. Das Ober­lan­des­ge­richt habe zwar zutref­fend ent­schie­den, dass die Beklag­ten mit dem Sam­pling in das Ton­trä­ger­her­stel­lungs­recht der Klä­ger ein­ge­grif­fen hät­ten. Ein Ein­griff in das Recht des Ton­trä­ger­her­stel­lers sei bereits dann gege­ben, wenn einem Ton­trä­ger kleins­te Ton­par­ti­kel ent­nom­men wür­den. Das Ober­lan­des­ge­richt müs­se aber noch prü­fen, ob die Beklag­ten sich auf das im Urhe­ber­ge­setz gere­gel­te Recht zur frei­en Benut­zung beru­fen könn­ten. Danach dür­fe ein selb­stän­di­ges Werk, das in frei­er Benut­zung des Wer­kes eines ande­ren geschaf­fen wor­den sei, ohne Zustim­mung des Urhe­bers des benutz­ten Wer­kes ver­wen­det wer­den. Aus dem Sinn des Rechts zur frei­en Benut­zung, näm­lich die Fort­ent­wick­lung des Kul­tur­schaf­fens zu ermög­li­chen, erge­be sich aller­dings auch des­sen Gren­ze: Eine freie Benut­zung kom­me dann nicht in Betracht, wenn der­je­ni­ge, der eine frem­de Ton- oder Klang­fol­ge für eige­ne Zwe­cke über­neh­me, hier­auf nicht ange­wie­sen sei, weil er selbst in der Lage wäre, die ent­nom­me­ne Sequenz her­zu­stel­len.

Nach der Zurück­ver­wei­sung hat das Ober­lan­des­ge­richt nun­mehr im Urteil vom 17.08.2011 erneut die Beru­fung gegen das land­ge­richt­li­che Urteil zurück­ge­wie­sen, so Scheel-Pötzl.

Zur Begrün­dung führt der Senat an, die Beklag­ten könn­ten sich nicht auf das Recht zur frei­en Benut­zung beru­fen, weil sie in der Lage gewe­sen wären, die gesam­pel­te Sequenz selbst her­zu­stel­len.

Bei der Prü­fung, ob es den Beklag­ten mög­lich gewe­sen wäre, die ent­nom­me­ne Ton­fol­ge selbst ein­zu­spie­len, hat der Senat dar­auf abge­stellt, ob ein mit durch­schnitt­li­chen Fähig­kei­ten und tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten aus­ge­stat­te­ter Musik­pro­du­zent im Zeit­punkt der Ent­nah­me der frem­den Ton­auf­nah­me in der Lage gewe­sen wäre, eine gleich­wer­ti­ge Sequenz zu pro­du­zie­ren. Dabei sei für die Beur­tei­lung der Gleich­wer­tig­keit der Ein­druck des kon­kret ange­spro­che­nen Abneh­mer- bzw. Hörer­krei­ses aus­schlag­ge­bend.

Dass die Beklag­ten nach die­sem Maß­stab in der Lage gewe­sen wären, die Sequenz aus dem Titel „Metall auf Metall” selbst ein­zu­spie­len, hat der Senat ins­be­son­de­re auf­grund der Anga­ben zwei­er sach­ver­stän­di­ger Zeu­gen ent­schie­den. Die­sen war es unter Ver­wen­dung bereits 1997 erhält­li­cher Syn­the­si­zer und frei­er Sam­ples bzw. selbst auf­ge­nom­me­ner Ham­mer­schlä­ge auf Metall­schub­kar­ren und Zink­re­ga­le gelun­gen, den kopier­ten Rhyth­mus­fol­gen gleich­wer­ti­ge Sequen­zen her­zu­stel­len.

Der Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­sen, da es wei­ter höchst­rich­ter­li­cher Klä­rung bedür­fe, wel­che Maß­stä­be für die Mög­lich­keit der Eigen­her­stel­lung von Ton­auf­nah­men gel­ten, bevor auf frem­de Ton­auf­nah­men ohne Ein­wil­li­gung des Rech­te­inha­bers zurück­ge­grif­fen wer­den kön­ne.

Scheel-Pötzl emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de -

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