(Kiel)  Öffent­lich-recht­li­che Gebüh­ren und pri­vat­recht­li­che Ent­gel­te dür­fen von den Gemein­den und ihren Stadt­wer­ken nicht in einer Wei­se gel­tend gemacht wer­den, die dem Bür­ger die Wah­rung sei­ner Rech­te erschwert.

Dies, so der Reck­ling­häu­ser Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht sowie für Bau- und Archi­tek­ten­recht Edu­ard Disch­ke von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg (VGH)  in einem  am 16.10.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil, Az. Az.: 2 S 1457/09, ent­schie­den und damit einer Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin (Klä­ge­rin) den Weg zu einer Über­prü­fung der von der Stadt Karls­ru­he (Beklag­te) gel­tend gemach­ten Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung eröff­net.


Die Klä­ge­rin ist Eigen­tü­me­rin eines Haus­grund­stücks in Karls­ru­he, das sie ver­mie­tet hat­te. Nach dem Aus­zug der Mie­ter wur­de sie durch ein Schrei­ben der Stadt­wer­ke Karls­ru­he GmbH für im Ver­mie­tungs­zeit­raum ange­fal­le­ne Kos­ten der Trink­was­ser­ver­sor­gung sowie der Abwas­ser- und Abfall­be­sei­ti­gung in Anspruch genom­men. Im nach­fol­gen­den Schrift­wech­sel berie­fen sich die Stadt­wer­ke dar­auf, dass es sich bei dem Schrei­ben, soweit es die strei­ti­gen Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung betref­fe, um einen Ver­wal­tungs­akt han­de­le. Die­ser Bescheid sei inzwi­schen bestands­kräf­tig gewor­den. Die Stadt­wer­ke kün­dig­ten des­halb Voll­stre­ckungs­maß­nah­men an. Die von der Klä­ge­rin gegen die Stadt erho­be­ne Kla­ge hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg: Der Ver­wal­tungs­akt, auf den sich die Beklag­te beru­fe, sei nich­tig, da er die erlas­sen­de Behör­de nicht erken­nen las­se.


Die gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Beru­fung der Beklag­ten hat der VGH zurück­ge­wie­sen, betont Disch­ke.


Er ist dabei aller­dings zu dem Ergeb­nis gelangt, dass es sich bei dem an die Klä­ge­rin gerich­te­ten Schrei­ben der Stadt­wer­ke auch inso­weit nicht um einen Ver­wal­tungs­akt han­de­le, als die die Klä­ge­rin dar­in für die Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung in Anspruch genom­men wer­de. Zur Begrün­dung hat der Senat aus­ge­führt, die Stadt­wer­ke sei­en ein pri­vat­recht­li­ches Unter­neh­men, das die Bevöl­ke­rung mit Was­ser, Gas, Strom und Fern­wär­me ver­sor­ge. Für die­se Leis­tun­gen sei ein pri­vat­recht­li­ches Ent­gelt zu bezah­len. Die Abwas­ser- und Abfall­be­sei­ti­gung sei dage­gen Auf­ga­be der Beklag­ten. Hier bestehe ein öffent­lich-recht­li­ches Benut­zungs­ver­hält­nis zwi­schen dem Bür­ger und der Stadt, auf­grund des­sen die Stadt Gebüh­ren ver­lan­gen kön­ne. Die mit der Berech­nung und dem Ein­zug der Gebüh­ren beauf­trag­ten Stadt­wer­ke han­del­ten inso­weit nicht im eige­nen Namen, son­dern im Namen und im Auf­trag der Stadt. Die­ser Unter­schied wer­de in dem Schrei­ben der Stadt­wer­ke nicht beach­tet. Das als Rech­nung bezeich­ne­te Schrei­ben las­se nicht erken­nen, dass es, soweit es die Kos­ten der Abwas­ser­be­sei­ti­gung betref­fe, ein Gebüh­ren­be­scheid sein sol­le, gegen den der Betrof­fe­ne inner­halb einer bestimm­ten Frist Wider­spruch ein­le­gen müs­se, um sei­ne Rech­te nicht zu ver­lie­ren.


Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen. Die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on kann bin­nen eines Monats nach Zustel­lung des schrift­li­chen Urteils durch Beschwer­de zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ange­foch­ten wer­den.


Disch­ke mahn­te, den Urteil zu beach­ten und ver­wies  bei Fra­gen dazu u. a. auch auf die auf Bau- und Archi­tek­ten- und Ver­ga­be­recht sowie Ver­wal­tungs­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de


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