(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat soeben ent­schie­den, dass ein Ver­brau­cher sei­ne Ansprü­che gegen Rei­se­ver­an­stal­ter wegen Män­geln eines Feri­en­hau­ses im Aus­land auch vor deut­schen Gerich­ten gel­tend machen kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 23.10.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. X ZR 157/11.

Die Klä­ger, die ihren Wohn­sitz in Schwe­rin haben, buch­ten im Jahr 2007 bei der Beklag­ten, einem däni­schen Rei­se­ver­an­stal­ter, ein Feri­en­haus in Bel­gi­en, das die Beklag­te in ihrem Kata­log ange­bo­ten hat­te. Bei Anrei­se stell­ten die Klä­ger erheb­li­che Män­gel fest, die die Beklag­te trotz meh­re­rer Auf­for­de­run­gen nicht besei­tig­te. Dar­auf­hin reis­ten die Klä­ger nach ent­spre­chen­der Ankün­di­gung ab. Sie machen gegen die Beklag­te Ansprü­che u.a. auf Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses und Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit gel­tend und haben Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Schwe­rin erho­ben. Die Beklag­te hat die feh­len­de inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te gerügt. Da der Rechts­streit unmit­tel­bar an einen Miet­ver­trag über eine unbe­weg­li­che Sache anknüp­fe, sei gemäß Art. 22 Nr. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezem­ber 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (nach­fol­gend: Ver­ord­nung) das Gericht aus­schließ­lich zustän­dig, in des­sen Bezirk das Feri­en­haus bele­gen sei, damit das Gericht in Lüt­tich (Bel­gi­en). Die Klä­ger haben gel­tend gemacht, gemäß Art. 15 Abs. 1c in Ver­bin­dung mit Art. 16 Abs. 1 der Ver­ord­nung sei das Amts­ge­richt Schwe­rin zustän­dig, da sie als Ver­brau­cher die Beklag­te als Rei­se­ver­an­stal­ter in Anspruch näh­men.

Das Amts­ge­richt Schwe­rin hat sei­ne inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit bejaht und den Klä­gern die gel­tend gemach­ten Ansprü­che zuge­spro­chen. Der Ver­brau­cher­schutz-gedan­ke gebie­te die Anwend­bar­keit der Art. 15, 16 der Ver­ord­nung. Die Beru­fung der Beklag­ten ist vom Land­ge­richt Schwe­rin zurück­ge­wie­sen wor­den, das eben­falls Art. 22 Nr. 1 der Ver­ord­nung nicht für anwend­bar gehal­ten hat.

Der für das Rei­se- und Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge X. Zivil­se­nat hat das Beru­fungs­ur­teil bestä­tigt, so Klar­mann, und ent­schie­den, dass die deut­schen Gerich­te für die Kla­ge inter­na­tio­nal zustän­dig sind: Ein Ver­brau­cher, der von einem gewerb­li­chen Rei­se­ver-anstal­ter ein einem Drit­ten gehö­ren­des Feri­en­haus gemie­tet hat, kann Ansprü­che aus dem Miet­ver­hält­nis gegen den Rei­se­ver­an­stal­ter bei dem Gericht sei­nes Wohn­sit­zes gel­tend machen.

Die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit des Gerichts des Ortes, an dem sich das Feri­en­haus befin­det, greift in die­sem Fall nicht ein. Die­se Vor­schrift, die die Par­tei­en zur Kla­ge vor einem Gericht ver­pflich­ten kann, das von dem Sitz bzw. Wohn­sitz bei­der Par­tei­en abweicht, ist nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on eng aus­zu­le­gen. Hat ein Rei­se­ver­an­stal­ter ein Feri­en­haus an einen Ver­brau­cher ver­mie­tet und ste­hen sich damit bei einem Rechts­streit aus dem Miet­ver­hält­nis nicht Mie­ter und Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie gegen­über, kann der Ver­brau­cher an sei­nem Wohn­sitz gegen den Rei­se­ver­an­stal­ter kla­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat fer­ner sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt, nach der der Ver­brau­cher von dem Rei­se­ver­an­stal­ter bei Män­geln sei­ner Leis­tung eine Ent­schä­di­gung wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 651f Abs. 2 BGB auch dann ver­lan­gen kann, wenn der Rei­se­ver­an­stal­ter kei­ne Gesamt­heit von Rei­se­leis­tun­gen erbringt, son­dern sei­ne ver­trag­li­che Leis­tung wie hier nur in der Über­las­sung eines Feri­en­hau­ses besteht.

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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