(Kiel) In einer soeben ver­öf­fent­lich­ten Ent­schei­dung vom 04.02.2009 hat der Bun­des­ge­richts­hof die Kla­ge eines Ver­brau­cher­ver­ban­des gegen einen Mobil­te­le­fon­an­bie­ter abge­wie­sen, es zu unter­las­sen, im geschäft­li­chen Ver­kehr mit Ver­brau­chern die Hin­wei­se “Ände­run­gen und Irr­tü­mer vor­be­hal­ten” und “Abbil­dun­gen ähn­lich” oder inhalts­glei­che Bestim­mun­gen im Zusam­men­hang mit Ange­bo­ten für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen zu ver­wen­den. (BGH AZ: VIII ZR 32/08)

In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall, so die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat­te der Klä­ger (Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de e.V.) die Beklag­te, ein Unter­neh­men, das Mobil­te­le­fo­ne mit Zube­hör und Mobil­funk­dienst­leis­tun­gen anbie­tet, auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men, weil die­se einen Kata­log ver­trieb, in dem sie u.a .für ihre Pro­duk­te wie folgt warb:


• “Alle Prei­se inkl. MwSt! Solan­ge der Vor­rat reicht! Ände­run­gen und Irr­tü­mer vor­be­hal­ten. Abbil­dun­gen ähn­lich.”


Mit sei­ner Kla­ge begehr­te der Ver­brau­cher­schutz­ver­band die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten dahin­ge­hend, dass die­se es zu unter­las­sen habe, im geschäft­li­chen Ver­kehr mit Ver­brau­chern der­ar­ti­ge Hin­wei­se zu ver­wen­den.
Die Kla­ge war in den Vor­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt hat­te aus­ge­führt, dem Klä­ger ste­he gegen die Beklag­te kein Anspruch auf Unter­las­sung aus § 1 des Unter­las­sungs­kla­gen­ge­set­zes zu, weil es sich bei den gerüg­ten Kata­log­text­pas­sa­gen nicht um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen han­de­le. Ein der­ar­ti­ger Kata­log ent­hal­te kei­ne bin­den­den Ange­bo­te, son­dern öffent­li­che Wer­bung, mit der Kun­den inter­es­siert und auf­merk­sam gemacht wer­den soll­ten. Bei lebens­na­her Betrach­tung han­de­le es sich aus der Sicht eines ver­stän­di­gen Kun­den bei den bean­stan­de­ten Erklä­run­gen nicht um Rege­lun­gen eines Ver­trags­in­halts, son­dern um Hin­wei­se, die den Wer­be- und unver­bind­li­chen Ange­bots­cha­rak­ter des Pro­spekts unter­stri­chen.
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Ent­schei­dung nun bestä­tigt und die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des zurück­ge­wie­sen, so Scheel-Pötzl. Den Hin­wei­sen sei kei­ne Beschrän­kung der Rech­te des Ver­trags­part­ners in haf­tungs- oder gewähr­leis­tungs­recht­li­cher Hin­sicht zu ent­neh­men. Dem­entspre­chend habe der Bun­des­ge­richts­hof den Kata­log­hin­weis “Irr­tü­mer sind vor­be­hal­ten” wegen feh­len­der Rechts­be­ein­träch­ti­gung auch bereits frü­her in wett­be­werbs­recht­li­cher Hin­sicht für unbe­denk­lich gehal­ten (BGH, Urteil vom 7. Novem­ber 1996 – I ZR 138/94, NJW 1997, 1780). Anders wäre es dann, wenn die Beklag­te unter Umge­hung der Vor­schrif­ten über All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (§§ 305 ff. BGB) die Hin­wei­se dazu miss­brau­chen wür­de, eine Gel­tend­ma­chung berech­tig­ter Ansprü­che von Ver­brau­chern zu ver­hin­dern. Für einen der­ar­ti­gen Ver­stoß gegen das Umge­hungs­ver­bot (§ 306a BGB) sei im vor­lie­gen­den Fall aber nicht fest­ge­stellt.


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