(Brühl) Wird eine Feri­en­woh­nung nicht durch­weg im gan­zen Jahr an wech­seln­de Feri­en­gäs­te ver­mie­tet und kön­nen orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zei­ten nicht fest­ge­stellt wer­den, ist ihr Ver­mie­ten mit einer auf Dau­er aus­ge­rich­te­ten Ver­mie­tungs­tä­tig­keit nicht ver­gleich­bar, sodass die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht durch eine Pro­gno­se über­prüft wer­den muss.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. Brühl, ist der Tenor eines am 10.12.2008 ver­öf­fent­lich­ten Urteils des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH AZ.: IX R 39/07). In dem aus­ge­ur­teil­ten Fall hat­te eine Ver­mie­te­rin in den Streit­jah­ren meh­re­re Feri­en­woh­nun­gen in einem staat­lich aner­kann­ten Erho­lungs­ort aus­schließ­lich an stän­dig wech­seln­de Feri­en­gäs­te ver­mie­tet und hielt sie in der übri­gen Zeit hier­für bereit. Die Ver­mie­tungs­zei­ten betru­gen nach ihren Anga­ben in den Streit­jah­ren durch­schnitt­lich 97 bzw. 96,3 Tage. In ihren Ein­kom­men­steu­er­erklä­run­gen mach­te die Ver­mie­te­rin zunächst ver­geb­lich nega­ti­ve Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te sodann letzt­lich bereits im Jah­re 2007 in letz­ter Instanz vor dem BFH Erfolg, das die Sache an das zustän­di­ge Finanz­ge­richt zurück­ver­wies, um zu ermit­teln, ob die jewei­li­ge Ver­mie­tung die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit von Feri­en­woh­nun­gen um min­des­tens 25% unter­schrit­ten hat. Die­se Nach­for­schun­gen stell­te  das hier zustän­di­ge Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt sodann auch in einer wei­te­ren Ver­hand­lung an und bejah­te schließ­lich die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Ver­mie­te­rin, da sich kei­ne orts­üb­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten für Feri­en­woh­nun­gen fest­stel­len lie­ßen, was zu Las­ten des Finanz­amts gehe. Die hier­ge­gen ein­ge­legt Revi­si­on des Finanz­amts hat­te nun wie­der­um Erfolg, so Pas­sau. In sei­ner Ent­schei­dung betont der BFH, dass nach der Vor­schrift des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes dann von der Absicht des Steu­er­pflich­ti­gen aus­zu­ge­hen ist, einen Ein­nah­me­über­schuss zu erwirt­schaf­ten, wenn eine Ver­mie­tung auf Dau­er ange­legt ist. Dies gel­te bei aus­schließ­lich an Feri­en­gäs­te ver­mie­te­ten und in der übri­gen Zeit bereit­ge­hal­te­nen Woh­nun­gen nur dann, wenn das Ver­mie­ten die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit nicht erheb­lich, d. h. um min­des­tens 25%, unter­schrei­te. Kön­nen in einem sol­chen Fall man­gels Alter­na­ti­ven oder sons­ti­ger Gege­ben­hei­ten orts­üb­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten nicht fest­ge­stellt wer­den, gehe dies aller­dings nicht, wie von Finanz­ge­richt fälsch­lich ange­nom­men, zu Las­ten des Finanz­amts. Viel­mehr sei es in  dem vor­lie­gen­den Fall Auf­ga­be der Ver­mie­te­rin, die orts­üb­li­chen Ver­mie­tungs­zei­ten durch eine reprä­sen­ta­ti­ve und ggfs. auch beweis­ba­re Auf­stel­lung dar­zu­le­gen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts habe ein Ver­mie­ter den Nach­teil davon­zu­tra­gen, wenn sich orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zei­ten nicht fest­stel­len las­sen. Die Sache wur­de daher noch­mals an das Finanz­ge­richt zurück­ver­wie­sen, um die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht der Ver­mie­te­rin anhand einer Pro­gno­se näher zu prü­fen, so Steu­er­ex­per­te Pas­sau.



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Jörg Pas­sau
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