(Kiel) Der V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat sich in einer Ent­schei­dung mit der Fra­ge befasst, ob ein Woh­nungs­ei­gen­tü­mer eine Ent­schä­di­gung für Ver­mö­gens­nach­tei­le ver­lan­gen kann, die er durch eine von einer benach­bar­ten Woh­nung aus­ge­hen­den rechts­wid­ri­gen Ein­wir­kung auf sei­ne Woh­nung erlit­ten hat, wenn ein Ver­schul­den des Nach­barn nicht fest­zu­stel­len ist, und ob dies auch im Ver­hält­nis von Mie­tern gilt, die die Räu­me von Woh­nungs­ei­gen­tü­mern ange­mie­tet haben.


Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 25.10.2013 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. V ZR 230/12.


Die Beklag­te betrieb im drit­ten Ober­ge­schoss eines Gebäu­des ein ambu­lan­tes Ope­ra­ti­ons­zen­trum. In dem dar­un­ter lie­gen­den Stock­werk befand sich die Arzt­pra­xis von Dr. W. (im Fol­gen­den Ver­si­che­rungs­neh­mer), des­sen Ver­si­che­rer die Klä­ge­rin ist. Das Grund­stück ist nach dem Woh­nungs­ei­gen­tums­ge­setz geteilt. Sowohl der Beklag­ten als auch dem Ver­si­che­rungs­neh­mer waren die von ihnen genutz­ten Räu­me, die im (Sonder-)Eigentum unter­schied­li­cher Woh­nungs­ei­gen­tü­mer ste­hen, jeweils miet­wei­se über­las­sen wor­den. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 2007 lös­te sich im Ste­ri­li­sa­ti­ons­raum der Beklag­ten eine Schlauch­ver­bin­dung, wodurch es zu einem Was­ser­aus­tritt und zu Schä­den auch in den Pra­xis­räu­men des Ver­si­che­rungs­neh­mers kam. Den Scha­den glich die kla­gen­de Ver­si­che­rung in Höhe von 165.889,76 € aus. Die­sen Betrag ver­langt sie nun­mehr von der Beklag­ten aus über­ge­gan­ge­nem Recht.


Das Land­ge­richt hat der Kla­ge dem Grun­de nach statt­ge­ge­ben. Die dage­gen ein­ge­leg­te Beru­fung der Beklag­ten hat das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen. Dabei hat es offen gelas­sen, ob die Beklag­te ein Ver­schul­den an dem Scha­dens­er­eig­nis trifft, weil es dar­auf nach der ent­spre­chend anwend­ba­ren Vor­schrift des § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB nicht ankom­me.


Der V. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat das Beru­fungs­ur­teil bestä­tigt, soweit es um die ana­lo­ge Anwen­dung der genann­ten Vor­schrift geht. Im Hin­blick auf das Ver­hält­nis zwi­schen Eigen­tü­mern benach­bar­ter Grund­stü­cke ist in der Recht­spre­chung aner­kannt, dass dem beein­träch­tig­ten Grund­stücks­ei­gen­tü­mer bzw. des­sen Mie­ter ein ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­ger Aus­gleichs­an­spruch in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB zuste­hen kann. Glei­ches gilt im Ver­hält­nis von Son­der­ei­gen­tü­mern (bzw. hier deren Mie­tern), weil es sich bei dem Son­der­ei­gen­tum um “ech­tes Eigen­tum” han­delt, das dem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer allei­ne zusteht, und mit dem die­ser grund­sätz­lich nach Belie­ben ver­fah­ren und jeden ande­ren von Ein­wir­kun­gen hier­auf aus­schlie­ßen kann. Da das Son­der­ei­gen­tum als eine Art Ersatz­grund­stück fun­giert, sind die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer inso­weit wie Eigen­tü­mer benach­bar­ter Grund­stü­cke zu behan­deln.


Gleich­wohl hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil wegen eines Ver­fah­rens­feh­lers auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen, das ggf. noch über die Höhe der Ent­schä­di­gung ent­schei­den muss.


Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

 

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