(Kiel) Das Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter hat durch jetzt rechts­kräf­tig gewor­de­nen Beschluss vom 27. April 2011 einem 68jährigen Arzt aus Wit­ten wegen Berufs­ver­ge­hens einen Ver­weis erteilt und ihm eine Geld­bu­ße von 7.000,- Euro auf­er­legt.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Ver­wal­tungs­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ver­wal­tungs­ge­richts (VG) Müns­ter vom 08. Juni 2011 – Az.: 14 K 791/10.T – rechts­kräf­tig.

Die Ärz­te­kam­mer West­fa­len-Lip­pe mit Sitz in Müns­ter hat­te dem Arzt vor­ge­wor­fen, wäh­rend eines ärzt­li­chen Wochen­end­diens­tes in Eng­land im Febru­ar 2008 bei der Behand­lung von drei Pati­en­ten im Rah­men von Haus­be­su­chen in ekla­tan­ter Wei­se medi­zi­ni­sche Stan­dards bei der Dia­gnos­tik und Behand­lung miss­ach­tet zu haben. So habe der Arzt einem Pati­en­ten in Unkennt­nis der rich­ti­gen Dosie­rung 100 Mil­li­gramm Dia­mor­phin (Hero­in) ver­ab­reicht und damit den Tod des Pati­en­ten ver­ur­sacht. Zwei Pati­en­tin­nen habe er nur wir­kungs­los medi­ka­men­tös behan­delt und jeweils die medi­zi­nisch gebo­te­ne sta­tio­nä­re Ein­wei­sung unter­las­sen. Durch Straf­be­fehl vom 20. März 2009 hat­te das Amts­ge­richt Wet­ter gegen den Beschul­dig­ten wegen fahr­läs­si­ger Tötung des Pati­en­ten eine Frei­heits­stra­fe von neun Mona­ten fest­ge­setzt, deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt wur­de.

Nun­mehr ent­schied das Berufs­ge­richt für Heil­be­ru­fe bei dem Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, dass der beschul­dig­te Arzt in allen drei ihm zur Last geleg­ten Fäl­len gegen die Pflicht zur gewis­sen­haf­ten Berufs­aus­übung ver­sto­ßen habe. Zur Begrün­dung des Beschlus­ses führ­ten die Rich­ter unter ande­rem aus, so Hün­lein.

Der Beschul­dig­te habe bei sei­nem Wochen­end­ein­satz mehr­fach gegen ele­men­ta­re ärzt­li­che Grund­sät­ze ver­sto­ßen und dabei den Tod eines Pati­en­ten fahr­läs­sig ver­ur­sacht. Schlech­ter­dings unver­tret­bar sei es gewe­sen, dass der Beschul­dig­te dem Pati­en­ten ohne Durch­füh­rung wei­te­rer Unter­su­chun­gen das ihm in der Wir­kungs­wei­se und der Dosie­rung nicht im Ein­zel­nen bekann­te Mor­phin­prä­pa­rat Dia­mor­phin inji­ziert habe. Auch bei den ande­ren bei­den Fäl­len habe der Beschul­dig­te gro­be Behand­lungs­feh­ler began­gen, indem er ledig­lich die bei den Pati­en­tin­nen vor­han­de­nen Sym­pto­me zu behan­deln ver­sucht habe, ohne hier­bei die Sym­pto­me als Aus­druck einer schwer­wie­gen­den Erkran­kung zu sehen, die unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Umstän­de jeweils einer sta­tio­nä­ren Ein­wei­sung bedurft hät­te. Ent­las­tend kom­me dem Beschul­dig­ten zugu­te, dass er in fast 30 Jah­ren ärzt­li­cher Tätig­keit bis­lang berufs­recht­lich nicht in Erschei­nung getre­ten sei. Er habe den töd­li­chen Behand­lungs­feh­ler, der ein­deu­tig das Schwer­ge­wicht des Berufs­ver­ge­hens bil­de, in vol­lem Umfang ein­ge­räumt und den auf­rich­ti­gen Ver­such unter­nom­men, sich bei den Hin­ter­blie­be­nen für sein fahr­läs­si­ges Fehl­ver­hal­ten zu ent­schul­di­gen. Die Häu­fung der Behand­lungs­feh­ler deu­te dar­auf hin, dass der Beschul­dig­te mit sei­nem Wochen­end­dienst in Groß­bri­tan­ni­en offen­kun­dig über­for­dert gewe­sen sei. Hin­zu kom­me, dass die fahr­läs­si­ge Über­do­sie­rung des in Deutsch­land als Schmerz­mit­tel nicht zuge­las­se­nen Dia­mor­phin dadurch begüns­tigt wor­den sei, dass sich in dem dem Beschul­dig­ten zur Ver­fü­gung gestell­ten Arz­neikof­fer eine Ampul­le mit der in jedem Fall töd­li­chen Dosis Dia­mor­phin befun­den habe. Da dem Beschul­dig­ten kein vor­sätz­li­ches Fehl­ver­hal­ten zur Last fal­le und kei­ne grund­sätz­li­che Fehl­ein­stel­lung zum ärzt­li­chen Berufs­ethos erkenn­bar sei, sehe das Berufs­ge­richt in dem Aus­spruch eines Ver­wei­ses und der Ver­hän­gung einer Geld­bu­ße die schuld­an­ge­mes­se­ne berufs­recht­li­che Reak­ti­on auf das von dem Beschul­dig­ten began­ge­ne Berufs­ver­ge­hen.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, die Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Ver­wal­tungs­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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