(Kiel) Das Land­ge­richt Ham­burg hat in einem Zivil­rechts­streit den Beklag­ten, der 2006 als knapp Sechs­zehn­jäh­ri­ger unter Ver­stoß gegen das Urhe­ber­recht zwei Musik­auf­nah­men in eine Inter­net­tausch­bör­se ein­ge­stellt hat­te,  ver­ur­teilt,  Scha­dens­er­satz in Höhe von  € 15,– pro Musik­ti­tel an die kla­gen­den Musik­ver­la­ge zu zah­len. Die wei­ter­ge­hen­de Scha­dens­er­satz­for­de­rung wur­de genau­so wie die Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen den Vater des Beklag­ten abge­wie­sen.

Dar­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Fach­an­walt für Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie­recht Horst Leis, LL. M., von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 27.10.2010 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Land­ge­richts (LG) Ham­burg vom 8. Okto­ber 2010 – Az.: 308 O 710/09.

Der 1990 gebo­re­ne Beklag­te (Beklag­ter zu 2) stell­te im Juni 2006 über den Inter­net­an­schluss sei­nes Vaters (Beklag­ter zu 1), ohne dass die­ser davon wuss­te, zwei Musik­auf­nah­men in eine Inter­net­tausch­bör­se ein, sodass die Datei­en im Wege des sog. File­sha­rings von ande­ren Teil­neh­mern auf­ge­ru­fen und her­un­ter­ge­la­den wer­den konn­ten. Bei den Auf­nah­men han­del­te es sich um die Musik­auf­nah­me „Engel“ der Künst­ler­grup­pe „Ramm­stein“ und die Auf­nah­me „Dreh‘ dich nicht um“ des Künst­lers „Wes­tern­ha­gen“.  Die Künst­ler waren an dem Rechts­streit vor dem Land­ge­richt Ham­burg nicht betei­ligt. Die Klä­ge­rin­nen sind die Inha­ber der aus­schließ­li­chen Ton­trä­ger­her­stel­ler­rech­te an den genann­ten Musik­auf­nah­men. Sie ver­lang­ten u.a., dass bei­de Beklag­ten wegen der uner­laub­ten Nut­zung jeweils EUR 300,– Scha­dens­er­satz pro Auf­nah­me an sie zah­len.

Das Land­ge­richt hat ent­schie­den, dass der Beklag­te zu 2) den Klä­ge­rin­nen zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist, betont Leis.

Der Beklag­te zu 2) habe das Urhe­ber­recht schuld­haft und rechts­wid­rig ver­letzt, indem er die Musik­stü­cke uner­laubt kopiert und in das Inter­net ein­ge­stellt hat. Zum Ton­trä­ger­her­stel­lungs­recht der Klä­ge­rin­nen gehör­ten auch das Ver­viel­fäl­ti­gungs­recht und das Recht des öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chens. Bei der Höhe des Scha­dens­er­sat­zes müs­se jedoch dar­auf abge­stellt wer­den, was ver­nünf­ti­ge Par­tei­en bei Abschluss eines fik­ti­ven Lizenz­ver­trags als ange­mes­se­ne Lizenz­ge­bühr für die Nut­zung der Musik­auf­nah­men ver­ein­bart hät­ten. Da es kei­nen unmit­tel­bar anwend­ba­ren Tarif für die zu bewer­ten­den Nut­zun­gen gebe, müs­se die ange­mes­se­ne Lizenz geschätzt wer­den. Dabei hat das Gericht berück­sich­tigt, dass es sich bei den frag­li­chen Titeln zwar um sol­che bekann­ter Künst­ler han­del­te, dass die Auf­nah­men 2006 jedoch bereits vie­le Jah­re alt waren und des­halb nur noch eine begrenz­ten Nach­fra­ge ange­nom­men wer­den kön­ne.  Da außer­dem von einem kur­zen Zeit­raum aus­zu­ge­hen sei, in dem die Titel zum Her­un­ter­la­den bereit stan­den, hat das Gericht geschätzt, dass es allen­falls zu 100 Down­loads pro Titel gekom­men sein kön­ne. Unter Ori­en­tie­rung an dem GEMA-Tarif VR-OD 5 (Nut­zung von Wer­ken im Wege des Music-on-Demand zum pri­va­ten Gebrauch) sowie an dem Eini­gungs­vor­schlag der Schieds­stel­le beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt vom 5. Mai 2010 im Schieds­stel­len­ver­fah­ren zwi­schen dem BITKOM und der GEMA hat das Gericht die ange­mes­se­ne Lizenz auf €15,– pro Titel geschätzt.

Die Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen den Vater des Beklag­ten zu 2) —  den Beklag­ten zu 1) — hat das Land­ge­richt mit der Begrün­dung abge­wie­sen, die­ser sei weder Täter noch Teil­neh­mer der Urhe­ber­rechts­ver­let­zung.  Der Beklag­te zu 1) sei zwar als sog. Stö­rer anzu­se­hen, weil er sei­nem Sohn unter Ver­let­zung von Über­wa­chungs­pflich­ten den Inter­net­an­schluss zur Ver­fü­gung gestellt habe, über den die Rechts­ver­let­zun­gen began­gen wur­den. Durch die­ses Ver­hal­ten wer­de jedoch kei­ne Scha­dens­er­satz­pflicht begrün­det.

Leis emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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