(Kiel) Das Landgericht Nürn­berg-Fürth hat soeben einen Rei­sev­er­anstal­ter zur Rück­er­stat­tung des Reisepreis­es an seinen Kun­den verurteilt. Dieser kon­nte eine gebuchte Flu­greise nach Madeira nicht antreten, weil er die Angaben zum Abreisezeit­punkt in den Reise­un­ter­la­gen falsch inter­pretiert hat­te. Das Risiko missver­ständlich­er For­mulierun­gen in den Reise­un­ter­la­gen trägt nach Auf­fas­sung der Kam­mer jedoch allein der Rei­sev­er­anstal­ter.

Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 15. Juli 2010 veröf­fentlichte Urteil des Landgerichts (LG) Nürn­berg-Fürth vom 25.06.2010 — 15 S 9612/09.


Der Kläger hat­te eine Grup­pen­flu­greise nach Madeira zum Preis von 1.878,00 € gebucht. In der Reisebestä­ti­gung des Ver­anstal­ters war als Reisezeit angegeben: „03.03.2009 bis 10.03.2009“. In einem weit­eren Schreiben des beklagten Rei­sev­er­anstal­ters hieß es, die Abfahrt des Trans­fer­busses zum Flughafen Frank­furt sei in Bam­berg am 03.03.2009 um 20.30 Uhr. Gle­ichzeit­ig wurde aber darauf hingewiesen: “Bei Abfahrten zwis­chen 17:00 Uhr und 23:59 Uhr sind im Regelfall die Abfahrten am Vor­abend. Bitte beacht­en Sie Ihre Flugzeit!“ Als Abflugzeit am Flughafen Frank­furt war näm­lich angegeben: „03.03.2009, 04.00 Uhr“.


Am 02.03.2009 um 20:30 Uhr wartete nun der Trans­fer­bus des Rei­sev­er­anstal­ters verge­blich auf den Kläger, denn der ging davon aus, dass die Reise erst einen Tag später begin­nen sollte. Und auch als der Bus­fahrer den Kläger am späteren Abend anrief, ihn an die Abreise „erin­nerte“ und sog­ar noch anbot, eine halbe Stunde auf ihn zu warten, mochte dieser hier­auf nicht einge­hen. Denn schließlich gehe er ger­ade zu Bett, und voll­ständig gepackt sei auch noch nicht.


„Sel­ber schuld” meinte das Amts­gericht und wies dessen Klage auf Rück­zahlung des Reisepreis­es ab. Denn der Kläger habe bei aufmerk­samer Lek­türe der Reise­un­ter­la­gen ohne weit­eres erken­nen kön­nen, dass bei einem Abflug am 03.03.2009 um 04:00 Uhr die Abfahrt des Zubringer­busses nicht am 03.03.2009, 20:30 Uhr, son­dern bere­its einen Tag vorher erfol­gen müsse.


Dies allerd­ings sah im Beru­fungsver­fahren das Landgericht Nürn­berg-Fürth ganz anders, so betont Klar­mann.


„Bei ein­er Pauschal­reise stellt auch die Organ­i­sa­tion der Reise und die Infor­ma­tion darüber eine ver­tragliche Hauptpflicht des Rei­sev­er­anstal­ters dar. Der Rei­sev­er­anstal­ter muss dem Reisenden die Infor­ma­tio­nen über Reisezeit­en ein­deutig und unwider­sprüch­lich mit­teilen.“ Tut er das nicht, ist die Reise man­gel­haft und der Kunde berechtigt, zu kündi­gen. So sei die Sach­lage hier, denn der Kläger hätte nur durch einen Ver­gle­ich der Abflugzeit mit der Abfahrt­szeit des Busses schließen kön­nen, dass eine dieser Zeit­en nicht stimmt. Nach­dem der Kläger dem tele­fonis­chen „Weck­ruf“ des Bus­fahrers nicht nachgekom­men war und damit zum Aus­druck gebracht hat­te, dass er die Reise kündi­gen wolle, kon­nte er im Ergeb­nis den gezahlten Reisepreis ohne Abzug von Stornogebühren zurück­ver­lan­gen. Gegen dieses Urteil ist kein Rechtsmit­tel gegeben.

Klar­mann emp­fahl, das Urteil zu beacht­en und bei Fra­gen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen, wobei er in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.


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