(Kiel) Muss ein Rei­sen­der zu Beginn und am Ende eines Urlaubs jeweils in ein ande­res Hotel umzie­hen, weil sein eigent­li­ches Hotel über­bucht war, berech­tigt dies zwar zur Min­de­rung, stellt aber kei­ne der­ar­ti­ge erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der gesam­ten Rei­se dar, dass zusätz­lich noch Scha­den­er­satz wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit ver­langt wer­den kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein” der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Amts­ge­richts (AG) Mün­chen vom 24. Okto­ber 2011 zu sei­nem Urteil vom 26.1.11, Az.: 171 C 25962/10.

Eine Urlau­be­rin buch­te für sich und ihre bei­den Kin­der bei einem Rei­se­ver­an­stal­ter ein Dop­pel­zim­mer mit Früh­stück in Mar­ra­kesch für 8 Tage zum Preis von 2301 Euro. Als sie, wie ver­ein­bart, Anfang April 2010 dort anka­men, stell­ten sie fest, dass das Hotel teil­wei­se über­bucht war. Die ers­te Nacht muss­ten sie in einem Ersatz­ho­tel der­glei­chen Kate­go­rie ver­brin­gen. Für die letz­te Nacht beka­men sie eben­falls ein ande­res Zim­mer in einem ande­ren Hotel zuge­wie­sen, das aller­dings eine hal­be Kate­go­rie höher ein­ge­stuft war. Die Trans­fers zu den Hotels wur­den orga­ni­siert, alle Hotels lagen nur weni­ge Auto­mi­nu­ten von­ein­an­der ent­fernt. Die rest­li­chen Tage ver­brach­ten die Urlau­ber im eigent­lich gebuch­ten Hotel.

Nach­dem die Urlau­be­rin wie­der zuhau­se war, ver­lang­te sie 1314,84 Euro vom Rei­se­ver­an­stal­ter. Schließ­lich kön­ne sie für die zwei Tage, an denen sie umzie­hen muss­te, eine 100-pro­zen­ti­ge Min­de­rung ver­lan­gen. Zusätz­lich habe sie einen Anspruch auf Scha­den­er­satz wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit für bei­de Tage in Höhe von eben­falls 100 Pro­zent des Tages­rei­se­prei­ses. Die­ser betra­ge 328, 71 Euro (2301 Euro: 7 Näch­te). Der Rei­se­ver­an­stal­ter über­sand­te zwei Schecks in Höhe von ins­ge­samt 298,61 Euro, die die Urlau­be­rin jedoch nicht ein­lös­te. Nach­dem wei­te­re Zah­lun­gen nicht erfolg­ten, erhob sie Kla­ge vor dem Amts­ge­richt Mün­chen.

Die zustän­di­ge Rich­te­rin gab der Kla­ge jedoch nur teil­wei­se statt, so Klar­mann.

Unstrei­tig sei die Klä­ge­rin die ers­te und die letz­te Nacht in einem ande­ren Hotel unter­ge­bracht gewe­sen. Dies stel­le auch einen Man­gel der Rei­se dar. Aller­dings kön­ne der Tages­rei­se­preis nur in Höhe von 80 Pro­zent gemin­dert wer­den. Ein Ersatz­ho­tel hät­te der­sel­ben Kate­go­rie wie das ursprüng­li­che Hotel ange­hört; eines sei sogar höher­wer­ti­ger gewe­sen. Bei­de hät­ten sich auch nur weni­ge Auto­mi­nu­ten ent­fernt befun­den. Das Ein — und Aus­pa­cken habe höchs­tens einen Zeit­raum von ins­ge­samt 4 Stun­den in Anspruch genom­men, zumal an bei­den Tagen nur der jeweils benö­tig­te Teil aus­zu­pa­cken war. Bei­de Urlaubs­ta­ge hät­ten daher noch hälf­tig genutzt wer­den kön­nen. Unter Berück­sich­ti­gung des ver­ständ­li­chen Ärgers der Rei­sen­den sei daher mehr wie eine 80- pro­zen­ti­ge Min­de­rung nicht zu gewäh­ren. Der Tages­rei­se­preis betra­ge 287,63 Euro, da er sich nach den Tagen, nicht nach den Näch­ten berech­ne (2301 Euro: 8 Tage). Der Klä­ge­rin ste­hen daher nur 460,20 Euro zu.

Ein Anspruch auf Scha­den­er­satz wegen nutz­los auf­ge­wen­de­ter Urlaubs­zeit bestün­de aller­dings nicht. Die­ser set­ze eine erheb­li­che Beein­träch­ti­gung der Rei­se vor­aus. Zwei Umzugs­ta­ge sei­en nicht als der­ar­tig gra­vie­rend anzu­se­hen, dass den Rei­sen­den die ver­blie­be­nen rest­li­chen sechs Tage kei­nen Erho­lungs­wert mehr brin­gen könn­ten. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.

Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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