(Kiel) Die Wei­ge­rung, Mit­glieds­bei­trä­ge für ein Fit­ness­stu­dio in bar ent­ge­gen­zu­neh­men, obwohl im Ver­trag Bar­zah­lung nicht aus­ge­schlos­sen wur­de, berech­tigt den Kun­den des Fit­ness­stu­di­os zur frist­lo­sen Kün­di­gung.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein am 08.02.2010 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Amts­ge­richts (AG) Mün­chen vom 04.06.09, Az.: 271 C 1391/09.


Die spä­te­re Beklag­te schloss im April 2007 mit einem Fit­ness­stu­dio einen Mit­glieds­ver­trag. Die Lauf­zeit soll­te 24 Mona­te betra­gen. Als monat­li­cher Mit­glieds­bei­trag waren 59,99 Euro ver­ein­bart, dazu kamen 4,99 Euro für Geträn­ke. Außer­dem soll­te die Kun­din noch eine halb­jähr­li­che Betreu­ungs­pau­scha­le in Höhe von 29,99 Euro bezah­len. Zum Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses hat­te die Kun­din kei­ne Bank­ver­bin­dung, was dem Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os auch bekannt war. Weder im Ver­trag noch in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen befan­den sich Rege­lun­gen, die eine Bar­zah­lung aus­schlie­ßen.


Die Monats­bei­trä­ge bis ein­schließ­lich Mai 2007 bezahl­te die Kun­din in bar. Kurz danach


sand­te der Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os ihr ein Schrei­ben, in dem er sie auf­for­der­te, eine Bank­ver­bin­dung bekannt­zu­ge­ben oder 3 Monats­bei­trä­ge im Vor­aus zu bezah­len. Bei einem Trai­ning Ende Mai sprach eine Mit­ar­bei­te­rin des Fit­ness­stu­di­os die Kun­din noch ein­mal an und for­der­te mit einem gewis­sen Nach­druck erneut eine Bank­ver­bin­dung oder die Vor­aus­zah­lung der Bei­trä­ge für drei Mona­te. Die Kun­din ver­ließ dar­auf hin das Stu­dio. Sie sah damit den Ver­trag als been­det an. Der Betrei­ber des Fit­ness­stu­di­os jedoch woll­te noch alle Bei­trä­ge bis zum Ende der Lauf­zeit, ins­ge­samt noch 1584 Euro. Nach­dem die Kun­din nicht bezahl­te, wand­te er sich an das Amts­ge­richt Mün­chen.
Die zustän­di­ge Rich­te­rin wies die Kla­ge jedoch ab, betont Klar­mann.


Die Kun­din habe den Ver­trag frist­los kün­di­gen kön­nen, da ihr die monat­li­che Bar­zah­lung der Bei­trä­ge ver­wei­gert wor­den war. Dies stel­le eine wesent­li­che Ände­rung des Ver­tra­ges dar.


Die Beklag­te habe bei Ver­trags­schluss und in spä­te­ren Gesprä­chen unstrei­tig offen gelegt, dass sie sich zwar um eine Bank­ver­bin­dung bemü­he, der­zeit aber kein Kon­to habe. Damit sei für den Klä­ger erkenn­bar ein wesent­li­cher Bestand­teil des Ver­tra­ges die Mög­lich­keit der Bar­zah­lung der Bei­trä­ge gewe­sen. Im Ver­trag oder in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sei auch kei­ne Ver­pflich­tung zur bar­geld­lo­sen Zah­lung ver­ein­bart wor­den, schon über­haupt nicht fin­de sich die Ver­pflich­tung drei Monats­bei­trä­ge im Vor­aus zu bezah­len. Die­se Ver­trags­be­din­gun­gen sei­en auch nicht geän­dert wor­den. Zwar habe die Mit­ar­bei­te­rin des Fit­ness­stu­di­os die Beklag­te ange­spro­chen und eine Bank­ver­bin­dung oder eine drei­mo­na­ti­ge Vor­aus­zah­lung gewünscht. Die Beklag­te habe sich dar­auf aber nicht ein­ge­las­sen.


Die unbe­rech­tig­te Vor­aus­zah­lungs­for­de­rung berech­ti­ge die Beklag­te zur frist­lo­sen Kün­di­gung. Der Klä­ger habe an sei­nem Ver­trag nicht mehr fest­hal­ten wol­len, des­halb kön­ne sich auch die Beklag­te davon lösen. Durch das Ver­las­sen des Stu­di­os und die unstrei­tig nicht mehr erfolg­te Inan­spruch­nah­me der Stu­dioleis­tun­gen habe sie das Kün­di­gungs­recht still­schwei­gend aus­ge­übt. Eine Schrift­form für die frist­lo­se Kün­di­gung sei nicht ver­ein­bart gewe­sen. Das Urteil ist rechts­kräf­tig.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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