(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat am 10.02.2010 sei­ne Recht­spre­chung, dass ein Woh­nungs­mie­ter grund­sätz­lich Anspruch auf eine Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung hat, die zumin­dest den Betrieb eines grö­ße­ren Haus­halts­ge­rä­tes (z. B. Wasch­ma­schi­ne) und gleich­zei­tig wei­te­rer haus­halts­üb­li­cher Gerä­te ermög­licht, bestä­tigt.

Dar­auf ver­weist der Esse­ner Rechts­an­walt Wolf­gang Nebel von der DASV Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 10. Febru­ar 2010, Az.: VIII ZR 343/08.


In dem Fall ver­langt die kla­gen­de Ver­mie­te­rin von dem beklag­ten Mie­ter Zah­lung rück­stän­di­ger Mie­te und Räu­mung der ver­mie­te­ten Alt­bau­woh­nung. In dem 1985 geschlos­se­nen For­mu­lar­miet­ver­trag heißt es unter ande­rem:


Der Mie­ter ist berech­tigt, in den Räu­men Haus­halts­ma­schi­nen (z.B. Wasch- und Geschirr­spül­ma­schi­nen, Tro­cken­au­to­ma­ten) auf­zu­stel­len, wenn und soweit die Kapa­zi­tät der vor­han­de­nen Instal­la­tio­nen aus­reicht und Beläs­ti­gun­gen der Haus­be­woh­ner und Nach­barn sowie Beein­träch­ti­gun­gen der Miet­sa­che und des Grund­stücks nicht zu erwar­ten sind. Im Fal­le des Anschlus­ses von Elek­tro­ge­rä­ten, die zu einer Über­las­tung des vor­han­de­nen Net­zes füh­ren, ist der Mie­ter ver­pflich­tet, die Kos­ten der Ver­stär­kung oder sons­ti­gen Ände­rung des Net­zes zu tra­gen (ein­schließ­lich der Ener­gie­um­stel­lungs- und Fol­ge­kos­ten).”


Der Beklag­te hat die Mie­te wegen zu schwa­cher Strom­ver­sor­gung der Woh­nung und wegen wei­te­rer behaup­te­ter Män­gel gemin­dert. Die dar­auf­hin von der Ver­mie­te­rin erho­be­ne Kla­ge auf Räu­mung und auf Zah­lung rück­stän­di­ger Mie­te ist vom Amts­ge­richt abge­wie­sen wor­den. Das Land­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben.
Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on des Beklag­ten hat­te jedoch Erfolg, betont Nebel.


Der unter ande­rem für das Wohn­raum­miet­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat sei­ne Recht­spre­chung bekräf­tigt, dass auch der Mie­ter einer nicht moder­ni­sier­ten Alt­bau­woh­nung grund­sätz­lich einen Anspruch auf eine Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung hat, die zumin­dest den Betrieb eines grö­ße­ren Haus­halts­ge­rä­tes (z. B. Wasch­ma­schi­ne) und gleich­zei­tig wei­te­rer haus­halts­üb­li­cher Gerä­te (z. B. Staub­sauger) ermög­licht (Urteil vom 26. Juli 2004 — VIII ZR 281/03, NJW 2004, 3174). Zu Unrecht hat Land­ge­richt ange­nom­men, dass die Par­tei­en im ent­schie­de­nen Fall einen davon abwei­chen­den Stan­dard ver­ein­bart haben. Ein unter dem Min­dest­stan­dard lie­gen­der Zustand ist nur dann ver­trags­ge­mäß, wenn er ein­deu­tig ver­ein­bart ist. Eine sol­che ein­deu­ti­ge Ver­ein­ba­rung im Hin­blick auf die Elek­tro­in­stal­la­ti­on ergibt sich aus der zitier­ten Bestim­mung im Miet­ver­trag nicht, denn die­ser lässt sich nicht ent­neh­men, dass die vor­han­de­ne Strom­ver­sor­gung den Ein­satz übli­cher Haus­halts­ma­schi­nen nicht erlaubt und somit nicht dem Min­dest­stan­dard genügt.


Außer­dem ist die zitier­te Rege­lung wegen unan­ge­mes­se­ner Benach­tei­li­gung des Mie­ters gemäß § 307 BGB unwirk­sam. Denn der Mie­ter muss danach bei einer Über­las­tung der Elek­tro­an­la­ge die Kos­ten der Ver­stär­kung des Net­zes unbe­grenzt tra­gen und hät­te selbst bei einem völ­lig defek­ten Elek­tro­netz, an das über­haupt kein Gerät ange­schlos­sen wer­den kann, kei­ne Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che gegen den Ver­mie­ter.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen, weil wei­te­re Fest­stel­lun­gen zu den vom Beklag­ten behaup­te­ten Män­geln erfor­der­lich sind.
Nebel emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:


Wolf­gang Nebel
Rechts­an­walt
c/o Mey­er & Nebel
Bre­de­ney­er Str. 95
45133 Essen
Tel.: 0201 — 418 84
Fax: 0201 — 422 568
Email: ra-nebel@ra-nebel.de
www.meyerundnebel.de