(Kiel) In zwei Urtei­len vom 29.10.2009 hat­te sich der Bun­des­ge­richts­hof mit Fäl­len von Zei­tungs­ver­trieb über sog. “Stum­me Ver­käu­fer” zu befas­sen.

Hier­auf ver­weist der Düs­sel­dor­fer Rechts­an­walt Mathi­as Zim­mer-Goertz von der Deut­schen Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. (DASV)  unter Hin­weis auf ent­spre­chen­de Urtei­le des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 29.10.2009, Az.: I ZR 180/07 und I ZR 188/07.


Die Klä­ger sind Ber­li­ner Zei­tungs­ver­la­ge, die die “Ber­li­ner Zei­tung”, den “Ber­li­ner Kurier” und den “Tages­spie­gel” her­aus­ge­ben. Die Beklag­te ist die Axel Sprin­ger AG, die in Ber­lin über einen Markt­an­teil – bezo­gen auf die ver­kauf­ten Exem­pla­re – von 50% ver­fügt. Der Sprin­ger-Ver­lag plant, sei­ne Zei­tung “WELT KOMPAKT” zu einem Kauf­preis von 70 Cent auch über unge­si­cher­te Ver­kaufs­hil­fen, soge­nann­te “Stum­me Ver­käu­fer”, abzu­set­zen. Die Klä­ger hat­ten die Ansicht ver­tre­ten, die­se Ver­triebs­art sei wett­be­werbs­wid­rig, weil sie in erheb­li­chem Umfang auf eine Gra­tis­ab­ga­be hin­aus­lau­fe und die Ver­brau­cher durch die Mög­lich­keit, sich die Zei­tung ohne Bezah­lung zu ver­schaf­fen, über­mä­ßig ange­lockt wür­den. Auch füh­re die von der Beklag­ten geplan­te Pra­xis zu einer all­ge­mei­nen Markt­be­hin­de­rung.


Das Land­ge­richt hat den des­we­gen von den Klä­gern erho­be­nen Unter­las­sungs­kla­gen statt­ge­ge­ben. Die Beru­fung der Beklag­ten hat zur Abwei­sung der Kla­gen geführt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Kla­ge­ab­wei­sung nun bestä­tigt, betont Zim­mer-Goertz.


Ein Unter­las­sungs­an­spruch wegen über­trie­be­nen Anlo­ckens bestehe jeden­falls des­halb nicht, weil es an einer unan­ge­mes­se­nen unsach­li­chen Ein­fluss­nah­me auf die Per­so­nen feh­le, die sich durch die bean­stan­de­te Geschäfts­me­tho­de der Beklag­ten dazu ver­lei­ten las­sen, die in deren Ver­kaufs­au­to­ma­ten ange­bo­te­nen Zei­tun­gen ohne Bezah­lung zu ent­neh­men. Außer­dem ver­die­ne die Ent­schei­dungs­frei­heit von Ver­brau­chern kei­nen Schutz, die sich durch die unge­si­cher­ten Ver­kaufs­bo­xen zu einem Dieb­stahl ver­lei­ten lie­ßen.


Das bean­stan­de­te Ver­hal­ten des Sprin­ger-Ver­la­ges stel­le auch kei­ne wett­be­werbs­wid­ri­ge Markt­stö­rung dar. Unter die­sem Gesichts­punkt kön­ne einem Anbie­ter zwar unter­sagt wer­den, sei­ne Waren in gro­ßem Umfang zu ver­schen­ken, wenn dadurch ande­re Wett­be­wer­ber aus dem Markt gedrängt wer­den und des­we­gen die ernst­li­che Gefahr bestehe, dass der Wett­be­werb auf dem frag­li­chen Markt erheb­lich ein­ge­schränkt wer­de. Der Ver­trieb über stum­me Ver­käu­fer begrün­de aber eine sol­che erns­te Gefahr für den Wett­be­werb nicht. Dies hat­te der Bun­des­ge­richts­hof in einer Ent­schei­dung aus dem Jah­re 1996 (BGH GRUR 1996, 778 – Stum­me Ver­käu­fer) noch anders beur­teilt.


Im Streit­fall kam hin­zu, dass sich der Sprin­ger-Ver­lag gegen­über den Klä­gern ver­pflich­tet hat­te, auf den Ver­kaufs­bo­xen deut­lich dar­auf hin­zu­wei­sen, dass eine Zei­tung nur gegen Bezah­lung des Kauf­prei­ses ent­nom­men wer­den dür­fe, Dieb­stahl ver­folgt wer­de und Kon­trol­leu­re im Ein­satz sei­en.
Rechts­an­walt Zim­mer-Goertz emp­fahl bei hier­zu auf­kom­men­den Rechts­fra­gen u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­tin­nen und Anwäl­te in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. — www.mittelstands-anwaelte.de.


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