(Kiel) In einem kürz­lich aus­ge­ur­teil­ten Fall legt das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main eine ver­brau­cher­freund­li­che Linie im Hin­blick auf Swaps fest und hat dem beklag­ten Bank­kun­den Scha­dens­er­satz zuge­spro­chen.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf eine von ihm erwirk­te Ent­schei­dung beim Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt, Az.: 16 U 126/11.

• Sach­ver­halt

Ein Kun­de hat­te auf den Rat der HVB (jetzt Uni­Credit Bank AG) sei­ne Bau­fi­nan­zie­rung mit­hil­fe eines so genann­ten Dop­pel­swaps dar­ge­stellt. Ursprüng­lich hat­te er ein Fest­zins­dar­le­hen mit län­ge­rer Lauf­zeit auf­ge­nom­men. Nach­dem die Zin­sen gesun­ken waren, wur­de ihm von der Bank in Aus­sicht gestellt, davon sowohl für die lau­fen­de Finan­zie­rung zu pro­fi­tie­ren als auch das nied­ri­ge Zins­ni­veau für einen Anschluss­zeit­raum fest­zu­schrei­ben. Die­ses Ziel soll­te, so der Bank­be­ra­ter, über eine Dop­pel­swap­kon­struk­ti­on erreicht wer­den. Aus den Ver­trä­gen ent­stan­den dem Kun­den dann bei fal­len­den Zins­sät­zen immer grö­ße­re Ver­lus­te, deren Aus­gleich er ver­wei­ger­te.

• Das Urteil

Das OLG Frank­furt am Main wies – wie bereits zuvor das Land­ge­richt – die Kla­ge der Bank auf Zah­lung nun ab. Nach sei­nem Urteil kann der Kun­de mit einer Scha­dens­er­satz­for­de­rung auf­rech­nen. Inso­weit lägen Bera­tungs­feh­ler vor, die die Bank zum Scha­den­er­satz ver­pflich­te­ten und die inso­weit auch nicht ver­jährt sei­en.

• Infor­ma­ti­ons­pflicht­ver­let­zung

Nach Auf­fas­sung des Gerichts konn­te dem Bank­kun­den ein Scha­den­er­satz­an­spruch bereits aus § 37 d Abs. 4 WpHG a.F. zuste­hen. Die bis 2007 gel­ten­de Norm knüpft an eine Ver­let­zung der Infor­ma­ti­ons­pflicht nach § 37 d WpHG an. Sie ver­langt vor Ver­trags­schluss eine schrift­li­che Infor­ma­ti­on des Ver­brau­chers über die Risi­ken von Finanz­ter­min­ge­schäf­ten und deren Wie­der­ho­lung alle 2 Jah­re. Swap­ge­schäf­te sind Finanz­ter­min­ge­schäf­te. Die Bank hat­te ihren Kun­den zwar durch eine Infor­ma­ti­ons­schrift bei Ver­trags­schluss infor­miert, jedoch deren vor­ge­schrie­be­ne Wie­der­ho­lung zwei und vier Jah­re spä­ter weder behaup­tet noch gar belegt, sodass das Gericht im Grund­satz von einer Scha­den­er­satz­plicht aus­ging, auch wenn es die Fra­ge im Ergeb­nis offen las­sen konn­te.

• Bera­tungs­feh­ler

Des Wei­te­ren, so Fach­an­walt Hün­lein, sieht das OLG Ver­let­zun­gen des zwi­schen den Par­tei­en geschlos­se­nen Bera­tungs­ver­trags.

Der Klä­ger hat­te kei­ner­lei Kennt­nis­se und Erfah­run­gen in Zins­in­stru­men­ten. Er bezeich­ne­te sich zudem als sicher­heits­ori­en­tier­ten Anle­ger. Es erscheint dem Gericht schon grund­sätz­lich zwei­fel­haft, ob die Bank über­haupt mit einem sol­chen Anle­ger Finanz­ter­min­ge­schäf­te machen dür­fe. Das dürf­te, so das OLG, eher zu ver­nei­nen sein. Außer­dem müs­se die Bank den Kun­den über Ver­lust­ri­si­ken auf­klä­ren. Nach § 31 Abs. 1 Nr. 2 WpHG müs­se die Bank Inter­es­sen­kon­flik­te nach Mög­lich­keit ver­mei­den. Hier war nach Ansicht des Gerichts ein kla­rer Inter­es­sen­kon­flikt gege­ben. Als Kon­tra­hen­ten eines Swap­ver­trags stün­den sich Bank und Kun­de mit gegen­läu­fi­gen Inter­es­sen gegen­über. Der Gewinn des einen sei der Ver­lust des ande­ren. Die Bank emp­feh­le eine Anla­ge, von der sie im eige­nen Inter­es­se hof­fe, dass sie fehl­schla­ge.

Auch wenn die Bank im Rah­men des Dop­pel­swap­ge­schäfts ein gegen­läu­fi­ges Swap­ge­schäft abschlie­ße, ände­re sich hier­an nichts. Die Bank müs­se daher den Kun­den über ihr erheb­li­ches Eigen­in­ter­es­se infor­mie­ren. Die­ser Anspruch war im kon­kre­ten Fall aller­dings nach Ansicht des OLG bereits nach § 37 a WpHG a.F. ver­jährt.

Fer­ner liegt nach Ansicht des Gerichts ein Pflicht­ver­stoß der Bank im Jah­re 2006 vor, als der Neu­ab­schluss des aus­lau­fen­den Dar­le­hens anstand. Die Bank habe es ver­säumt, den Kun­den auf die Not­wen­dig­keit hin­zu­wei­sen, einen varia­bel ver­zins­li­chen Kre­dit abzu­schlie­ßen, um Ver­lust­ri­si­ken zu ver­mei­den. Statt­des­sen bot sie dem Kun­den einen Fest­zins­kre­dit an. Der Kun­de schloss dann tat­säch­lich einen sol­chen ab, der ihm bei fal­len­den Zin­sen wach­sen­de Ver­lus­te bescher­te. Mit die­sem (mög­li­cher­wei­se ver­jähr­ten) Anspruch konn­te der Bank­kun­de auf jeden Fall gemäß § 215 BGB auf­rech­nen.

• Ergeb­nis

Das Urteil hat gro­ße prak­ti­sche Bedeu­tung, so betont Hün­lein, weil im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt – und auch davor – zahl­rei­che Ban­ken ihren pri­va­ten wie ins­be­son­de­re aber auch gewerb­li­chen Kun­den dazu rie­ten, am ver­meint­lich nied­ri­gen Zins­ni­veau zu par­ti­zi­pie­ren und auch simp­le Bau­fi­nan­zie­run­gen wie auch sons­ti­ge Finan­zie­run­gen auf der Basis kom­pli­zier­ter Swap­kon­struk­tio­nen dar­zu­stel­len, die das Risi­ko erheb­li­cher Ver­lus­te bar­gen.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl daher, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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