(Kiel) Das Landgericht Coburg hat soeben der Klage eines Hun­de­hal­ters gegen einen anderen Hun­de­hal­ter über­wiegend stattgegeben. Der Hund des Beklagten war gegen den Kläger ger­an­nt, so dass dieser zu Boden stürzte und Prel­lun­gen am Ellen­bo­gen und inner­halb des Gesicht­es erlitt. Die Behaup­tung des Beklagten, der Kläger habe den Unfall mitverur­sacht, ver­mochte das Gericht nicht zu überzeugen.


Darauf ver­weist der Kiel­er Recht­san­walt Jens Klar­mann, Lan­desre­gion­alleit­er „Schleswig-Hol­stein“ der DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 20.12.2010 bekan­nt gegebene Urteil des Landgerichts (LG) Coburg vom 23.07.2010, Az.13 O 37/09; rechtskräftig.


In dem Fall waren Kläger und Beklagter zur gle­ichen Zeit mit ihren nicht angelein­ten Hun­den unter­wegs. Der Hund der Beklagten ran­nte auf den Hund des Klägers zu und war wed­er durch Zurufe noch durch Pfeifen zum Ste­hen­bleiben zu bewe­gen. Dabei prallte der Hund des Beklagten gegen das Knie des Klägers, so dass dieser zu Fall kam und eine schmerzhafte Prel­lung sowie eine Gesichtsver­let­zung erlitt. 


Der Kläger wollte ins­ge­samt 2.000,00 Euro Schmerzens­geld, da er an min­destens fünf Tagen habe Schmerzmit­tel auf­grund des Unfalls ein­nehmen müssen. Zudem sei ihm ein Haushalts­führungss­chaden ent­standen, da er zwei Wochen nicht in der Lage gewe­sen sei, seine Ehe­frau bei der Arbeit im Haushalt sowie bei der Führung ihrer Pen­sion zu unter­stützen. Darüber hin­aus sei seine Fähigkeit zur Führung des Haushalts für weit­ere zwei Monate um die Hälfte gemindert gewe­sen. Der Kläger hat­te behauptet, sein Zeitaufwand für die Haushalt­stätigkeit betrage wöchentlich 15 Stun­den und er arbeite daneben 70,5 Stun­den im Gewer­be­be­trieb sein­er Ehefrau.

Der Beklagte hat sich damit vertei­digt, dass der Kläger den Unfall schon dadurch mitver­schuldet habe, dass auch sein Hund nicht angeleint gewe­sen sei. Auch ver­trat der Beklagte die Auf­fas­sung, die Erwerb­s­min­derung des Klägers habe lediglich für etwa zwei Wochen bestanden.

Das Landgericht Coburg hat der Klage über­wiegend stattgegeben, betont Klarmann.

Der Beklagte als Hal­ter eines Haustieres ist nach § 833 des Bürg­er­lichen Geset­zbuch­es zum Ersatz des durch das Tier ent­stande­nen Schadens verpflichtet. Das Gericht sah eine Kürzung oder einen Auss­chluss der Ansprüche des Klägers nicht schon deswe­gen gerecht­fer­tigt, weil dieser seinen Hund zum Unfal­lzeit­punkt eben­falls nicht angeleint hat­te. Das Gericht ver­mochte sich nicht davon zu überzeu­gen, dass sich der Unfall nicht oder anders ereignet hätte, wenn der Geschädigte seinen Hund angeleint gehabt hätte. Der Hund des Beklagten war auf den Kläger zu ger­an­nt, so dass es nicht nachzu­vol­lziehen sei, dass der Hund des Beklagten den Kläger nicht ger­ammt und zu Boden gestürzt hätte, wenn der Hund des Klägers zu diesem Zeit­punkt angeleint gewe­sen wäre und sich in unmit­tel­bar­er Nähe des Klägers aufge­hal­ten hätte. Daher sprach das Gericht einen Schmerzens­gel­danspruch in Höhe von 2.000,00 Euro zu.

Den Haushalts­führungss­chaden sah das Gericht jedoch nur teil­weise als gegeben an. Durch die Beweisauf­nahme war das Gericht davon überzeugt, dass der Kläger sein­er Ehe­frau wöchentlich ins­ge­samt 42 Stun­den im Haushalt und in deren Pen­sions­be­trieb geholfen hat. Auf­grund einge­holter Sachver­ständi­gengutacht­en wurde fest­gestellt, dass die Min­derung der Erwerb­s­fähigkeit des Klägers in den ersten bei­den Wochen nach dem Unfall 100 %, in den bei­den darauf­fol­gen­den Wochen 60 % und anschließend für weit­ere zwei Wochen noch 30 % betrug. Sofern auch noch sechs Wochen nach dem Unfall­ereig­nis möglicher­weise eine Min­derung der Erwerb­s­fähigkeit des Klägers von 10 % vor­lag, führt dies jeden­falls nicht zu ein­er Entschädi­gungspflicht des Beklagten. Min­derun­gen der haushaltsspez­i­fis­chen Erwerb­s­fähigkeit in diesem gerin­gen Umfang kön­nen regelmäßig durch eine Umor­gan­i­sa­tion der Haushalts­führungstätigkeit kom­pen­siert wer­den. Daher sprach das Gericht ins­ge­samt einen Haushalts­führungss­chaden von etwa 1.300,00 Euro zu. 


Klar­mann emp­fahl, dies zu beacht­en und bei Fra­gen auf jeden Fall Recht­srat einzu­holen, wobei er in diesem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deutsche Anwalts- und Steuer­ber­ater­vere­ini­gung für die mit­tel­ständis­che Wirtschaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — verwies.


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