(Kiel) Betreibt ein Rund­funk­teil­neh­mer in den aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Räu­men sei­nes Ein­fa­mi­li­en­hau­ses ange­mel­de­te Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te und zusätz­lich in sei­nem beruf­lich genutz­ten häus­li­chen Arbeits­zim­mer einen inter­net­fä­hi­gen Rech­ner (Per­so­nal­com­pu­ter), so ist die­ser Rech­ner von Rund­funk­ge­büh­ren befreit.

Dies, so der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof (VGH) in einem am 12.04.1010 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss vom 30.03. 2010 – Az.10 A 2910/09, ent­schie­den.


Geklagt hat­te der Bewoh­ner eines Ein­fa­mi­li­en­hau­ses, der für die pri­vat genutz­ten Emp­fangs­ge­rä­te, die sich in den obe­ren bei­den Eta­gen des Hau­ses befin­den, Rund­funk- und Fern­seh­ge­büh­ren bezahlt. Im Kel­ler des Hau­ses ist ein Arbeits­zim­mer ein­ge­rich­tet, das der Klä­ger für sei­ne Arbeit als selb­stän­di­ger Infor­ma­ti­ker nutzt. Im Arbeits­zim­mer befin­det sich kein „klas­si­sches“ Rund­funk-oder Fern­seh­ge­rät, jedoch Rech­ner, die an das Inter­net ange­schlos­sen sind.


Mit Bescheid vom März 2008 zog der Hes­si­sche Rund­funk den Klä­ger zur Zah­lung von Rund­funk­ge­büh­ren in Höhe von 16,56 € für die Zeit von August bis Okto­ber 2007 her­an. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erhob der Klä­ger gegen den Gebüh­ren­be­scheid Kla­ge, zu deren Begrün­dung er u. a. gel­tend mach­te, die Rund­funk­ge­bühr für inter­net­fä­hi­ge PCs ver­sto­ße nicht nur in 2 mehr­fa­cher Hin­sicht gegen Bestim­mun­gen des Grund­ge­set­zes, son­dern auch gegen den Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­trag. Die Kla­ge war in zwei Instan­zen erfolg­reich. so Klar­mann.


Mit Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2009 ent­schied das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, die Her­an­zie­hung zu Rund­funk­ge­büh­ren ver­sto­ße gegen den Staats­ver­trag und sei des­halb rechts­wid­rig. Dage­gen leg­te der Hes­si­sche Rund­funk Beru­fung ein und trug zur Begrün­dung vor, eine nur am Wort­laut ori­en­tier­te Anwen­dung des Staats­ver­tra­ges ver­ken­ne, dass sich eine Pri­vi­le­gie­rung von inter­net­fä­hi­gen PCs nur auf den nicht aus­schließ­lich zu pri­va­ten Zwe­cken genutz­ten Bereich eines Wohn­grund­stücks beschrän­ken sol­le. Des­halb sei­en inter­net­fä­hi­ge PCs nur dann von Rund­funk­ge­büh­ren befreit, wenn bereits in dem nicht aus­schließ­lich pri­va­ten Bereich eines Grund­stücks ande­re, schon ange­mel­de­te Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­te bereit gehal­ten wür­den. Dies gel­te unab­hän­gig davon, ob sich im aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Bereich eines Grund­stücks eben­falls Gerä­te befän­den. Die Gebüh­ren­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge PCs sei näm­lich nicht auf die gesam­te Flä­che eines Grund­stücks oder zusam­men­hän­gen­der Grund­stü­cke bezo­gen.
Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof nicht gefolgt. Da die PCs des Klä­gers gewerb­lich und somit nicht aus­schließ­lich pri­vat genutzt wür­den und auf ein und dem­sel­ben Grund­stück ande­re Rund­funk­ge­rä­te zum Emp­fang bereit gehal­ten wür­den, näm­lich die pri­vat genutz­ten Rund­funk- und Fern­seh­ge­rä­te des Klä­gers, die sich im pri­vat genutz­ten Teil des Ein­fa­mi­li­en­hau­ses befän­den, grei­fe die Rege­lung des Staats­ver­tra­ges über gebüh­ren­be­frei­te Gerä­te für die PCs hier ein. Unab­hän­gig davon, ob ein inter­net­fä­hi­ger PC über­haupt ein neu­ar­ti­ges Rund­funk­emp­fangs­ge­rät im Sin­ne des Rund­funk­ge­büh­ren­staats­ver­tra­ges ist, was der Senat aus­drück­lich nicht ent­schie­den hat, sei der Wort­laut der ent­spre­chen­den Bestim­mung des Staats­ver­tra­ges über Zweit­ge­rä­te bzw. über gebüh­ren­be­frei­te Gerä­te ein­deu­tig. Danach set­ze die Gebüh­ren­frei­heit für inter­net­fä­hi­ge PCs nur vor­aus, dass bereits ein ange­mel­de­tes Rund­funk­ge­rät auf ein und dem­sel­ben Grund­stück oder zusam­men­hän­gen­den Grund­stü­cken vor­han­den ist. Dies sei – anders als bei „klas­si­schen“ Rund­funk­emp­fangs­ge­rä­ten, die als Zweit­ge­rä­te in Arbeits­zim­mern bereit gehal­ten wür­den und für die Gebüh­ren zu zah­len sei­en — auch sach­lich gerecht­fer­tigt, da bei inter­net­fä­hi­gen PCs die Fähig­keit zum Rund­funk­emp­fang nur eine von vie­len Eigen­schaf­ten die­ser Gerä­te sei.


Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen. Gegen die Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on ist die Beschwer­de mög­lich, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig zu ent­schei­den hät­te.


Klar­mann emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.


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