, Beschluss vom 10.10.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 65 vom 10. Okto­ber 2019

Abzin­sung von Ver­bind­lich­kei­ten im Jahr 2010 noch ver­fas­sungs­ge­mäß

Urteil vom 22.5.2019 X R 19/17

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) sieht die Ver­pflich­tung, unver­zins­li­che Betriebs­schul­den mit 5,5 % abzu­zin­sen, für Wirt­schafts­jah­re bis ein­schließ­lich 2010 als ver­fas­sungs­ge­mäß an. Mit Urteil vom 22.05.2019 — X R 19/17 hat er zudem einer nach­träg­lich ver­ein­bar­ten Ver­zin­sung die steu­er­li­che Aner­ken­nung ver­sagt.

Die Klä­ge­rin erhielt im Jahr 2010 für ihren Gewer­be­be­trieb von einem Bekann­ten ein lang­fris­ti­ges und zunächst nicht zu ver­zin­sen­des Dar­le­hen über ca. 250.000 €. Wäh­rend einer Außen­prü­fung, in der es um eine bilan­zi­el­le Gewinn­er­hö­hung auf­grund der feh­len­den Ver­zin­sung ging, leg­ten die Ver­trags­part­ner eine ab dem 01.01.2012 begin­nen­de Ver­zin­sung von jähr­lich 2 % fest. Spä­ter hoben sie den ursprüng­li­chen Dar­le­hens­ver­trag auf und ver­ein­bar­ten rück­wir­kend ab 2010 eine Dar­le­hens­ge­wäh­rung zu 1 % Zins. Das Finanz­ge­richt (FG), das das Dar­le­hen steu­er­lich dem Grun­de nach aner­kann­te, ließ die nach­träg­lich getrof­fe­nen Ver­zin­sungs­ab­re­den bilan­zi­ell unbe­rück­sich­tigt, so dass sich für das Streit­jahr ein ein­kom­men- und gewer­be­steu­er­pflich­ti­ger Abzin­sungs­ge­winn ergab.

Der BFH bestä­tig­te im Revi­si­ons­ver­fah­ren inso­weit die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz. Durch das Abzin­sungs­ge­bot für unver­zins­li­che Ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) wer­de steu­er­lich berück­sich­tigt, dass eine erst in Zukunft zu erfül­len­de Ver­pflich­tung weni­ger belas­te als eine sofor­ti­ge Leis­tungs­pflicht und man­gels Gegen­leis­tung für den Zah­lungs­auf­schub nicht mit dem Nenn‑, son­dern dem gerin­ge­ren Bar­wert zu pas­si­vie­ren sei. Zeit­lich nach dem jewei­li­gen Bilanz­stich­tag getrof­fe­ne Zins­ab­re­den könn­ten — selbst wenn sie zivil­recht­lich rück­wir­kend erfolg­ten — wegen des bilanz­steu­er­recht­li­chen Stich­tags­prin­zips sowie des all­ge­mei­nen steu­er­li­chen Rück­wir­kungs­ver­bots erst für künf­ti­ge Wirt­schafts­jah­re berück­sich­tigt wer­den.

Die von den Klä­gern gerüg­te Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG teil­te der BFH für das Streit­jahr nicht. Jeden­falls im Jahr 2010 habe sich das nied­ri­ge­re Markt­zins­ni­veau noch nicht der­art struk­tu­rell ver­fes­tigt, dass es dem Gesetz­ge­ber nicht noch zuzu­bil­li­gen gewe­sen wäre, aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den an dem sta­ti­schen Abzin­sungs­satz von 5,5 % fest­zu­hal­ten. Der ver­gleichs­wei­se her­an­zu­zie­hen­de Zins am Fremd­ka­pi­tal­markt habe Ende des Jah­res 2010 noch knapp unter 4 % gele­gen.

Der BFH konn­te in der Sache nicht abschlie­ßend selbst ent­schei­den und hat daher den Rechts­streit an die Vor­in­stanz zurück­ver­wie­sen. Zu einem wei­te­ren, von einem Schwa­ger der Klä­ge­rin gewähr­ten Dar­le­hen hat das FG im zwei­ten Rechts­gang fest­zu­stel­len, ob die­ses im Hin­blick auf die Anfor­de­run­gen an Ange­hö­ri­gen­ver­trä­ge über­haupt dem Betriebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen ist.

sie­he auch: Urteil des X. Senats vom 22.5.2019 — X R 19/17 -

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