Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 14 vom 13. 2019

Steu­er­li­che Aner­ken­nung von Ver­lus­ten aus Knock-Out-Zer­ti­fi­ka­ten

Urteil vom 20.11.2018 VIII R 37/15

Hat ein Steu­er­pflich­ti­ger in Knock-Out-Zer­ti­fi­ka­te inves­tiert, die durch Errei­chen der Knock-Out-Schwel­le ver­fal­len, kann er den dar­aus resul­tie­ren­den Ver­lust nach der seit 1.1.2009 unver­än­dert gel­ten­den Rechts­la­ge im Rah­men sei­ner Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen abzie­hen. Damit wen­det sich der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit sei­nem Urteil vom 20. Novem­ber 2018 VIII R 37/15 gegen die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger im Streit­jahr 2011 ver­schie­de­ne Knock-Out-Zer­ti­fi­ka­te erwor­ben, die je nach Kurs­ver­lauf der Basis­wer­te auf Zah­lung eines Dif­fe­renz­aus­gleichs gerich­tet waren. Noch wäh­rend des Streit­jahrs wur­de die sog. Knock-Out-Schwel­le erreicht. Dies führ­te zur Aus­bu­chung der Kapi­tal­an­la­gen ohne jeg­li­chen Dif­fe­renz­aus­gleich bzw. Rest­wert. Das Finanz­amt erkann­te die dar­aus resul­tie­ren­den Ver­lus­te nicht an. Die dage­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te Erfolg.

Der BFH bestä­tig­te die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts. Unab­hän­gig davon, ob im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen eines Ter­min­ge­schäfts vor­ge­le­gen hät­ten, sei­en die in Höhe der Anschaf­fungs­kos­ten ange­fal­le­nen Ver­lus­te steu­er­lich zu berück­sich­ti­gen. Lie­ge ein Ter­min­ge­schäft vor, fol­ge dies aus dem neu­en § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 Buchst. a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG), der jeden Aus­gang eines Ter­min­ge­schäfts erfasst. Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung zur alten Rechts­la­ge sei über­holt. Lie­ge kein Ter­min­ge­schäft vor, sei ein Fall der “Ein­lö­sung” i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 i.V.m. Abs. 2 Satz 2 EStG gege­ben. Die­se Aus­le­gung sei aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gebo­ten, um die Steu­er­last am Prin­zip der finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit und dem Gebot der Fol­ge­rich­tig­keit aus­zu­rich­ten.

Das Urteil ist eine Fort­set­zung der Recht­spre­chung des BFH, dass seit Ein­füh­rung der Abgel­tungs­steu­er grund­sätz­lich sämt­li­che Wert­ver­än­de­run­gen im Zusam­men­hang mit Kapi­tal­an­la­gen zu erfas­sen sind und dies glei­cher­ma­ßen für Gewin­ne und Ver­lus­te gilt (vgl. Urteil vom 24. Okto­ber 2017 VIII R 13/15, BFHE 259, 535 zum insol­venz­be­ding­ten Aus­fall einer pri­va­ten Dar­le­hens­for­de­rung).

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 24.10.2017 — VIII R 13/15 -, Urteil des VIII. Senats vom 20.11.2018 — VIII R 37/15 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 77/17 vom 20.12.2017

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