(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass ein kos­ten­los mit­rei­sen­des Klein­kind kei­nen Aus­gleichs­an­spruch nach der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung hat.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17.03.2015 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. X ZR 35/14.

Die Klä­ge­rin begehrt eine Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 250 € wegen eines ver­spä­te­ten Flu­ges nach Art. 7 Abs. 1 Satz 1 Buchst. a der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung. (Ver­ord­nung (EG) Nr. 261/2004 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 11. Febru­ar 2004). Die damals noch nicht zwei­jäh­ri­ge Klä­ge­rin nahm mit ihren Eltern an einer Pau­schal­rei­se nach Mal­lor­ca teil. Die Flug­be­för­de­rung erfolg­te durch das beklag­te Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men. Es räum­te dem Rei­se­ver­an­stal­ter in der Flug­bu­chungs­be­stä­ti­gung eine “100% Kin­der­er­mä­ßi­gung bis 1 Jahr” ein. Der Rück­flug von Pal­ma de Mal­lor­ca nach Mün­chen wur­de mit einer Ver­spä­tung von 6 Stun­den und 20 Minu­ten durch­ge­führt.

Die Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen erfolg­los geblie­ben. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, dass die Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung gemäß Art. 3 Abs. 3 Satz 1 auf den vor­lie­gen­den Fall kei­ne Anwen­dung fin­de, weil die Klä­ge­rin kos­ten­los gereist sei.

Mit der vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on hat die Klä­ge­rin ihren Anspruch wei­ter­ver­folgt.

Der für das Rei­se- und Per­so­nen­be­för­de­rungs­recht zustän­di­ge X. Zivil­se­nat hat ent­schie­den, dass Art. 3 Abs. 3 Satz 1 der Flug­gast­rech­te­ver­ord­nung sämt­li­che Flug­gäs­te, die kos­ten­los rei­sen, vom Anwen­dungs­be­reich der Ver­ord­nung aus­nimmt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on kommt es nicht dar­auf an, ob ein “Null­ta­rif” für die Öffent­lich­keit ver­füg­bar ist. Weder Wort­laut noch Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift noch ihr Sinn und Zweck recht­fer­ti­gen die Annah­me, der Aus­schluss­tat­be­stand der “kos­ten­los rei­sen­den Flug­gäs­te” betref­fe ledig­lich den Son­der­fall eines für die Öffent­lich­keit nicht ver­füg­ba­ren Tarifs, bei dem der Flug­preis auf Null redu­ziert ist. Da Zwei­fel an der Aus­le­gung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Bestim­mun­gen der Ver­ord­nung nicht bestehen, bestand kei­ne Ver­an­las­sung für ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on.

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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