Der u. a. für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die von einer Bank ver­wen­de­ten und für Dar­le­hens­ver­trä­ge mit einem varia­blen Zins­satz vor­for­mu­lier­ten Klau­seln

Zins­cap-Prä­mie: …% Zins­satz p.a. …% varia­bel*

*Bis zum … beträgt der Zins­satz min­des­tens …p.a. und höchs­tens …p.a.

Die oben ange­führ­te Zins­cap-Prä­mie ist sofort fäl­lig.”

und

Zins­si­che­rungs­ge­bühr: …% Zins­satz p.a. …% varia­bel*

*Bis zum … beträgt der Zins­satz min­des­tens …p.a. und höchs­tens …p.a.

Die oben ange­führ­te Zins­cap-Prä­mie ist sofort fäl­lig.”

im Geschäfts­ver­kehr mit Ver­brau­chern unwirk­sam sind.

Sach­ver­halt:

Der Klä­ger, ein Ver­brau­cher­schutz­ver­ein, wen­det sich mit der Unter­las­sungs­kla­ge nach § 1 UKlaG gegen die vor­ge­nann­ten Klau­seln, mit denen die beklag­te Bank in Dar­le­hens­ver­trä­gen mit einem varia­blen Zins­satz von ihren Kun­den eine soge­nann­te Zins­cap-Prä­mie bzw. Zins­si­che­rungs­ge­bühr erhebt. Er ist der Ansicht, die bean­stan­de­ten Klau­seln ver­stie­ßen gegen § 307 BGB, und nimmt die Beklag­te dar­auf in Anspruch, deren Ver­wen­dung in Ver­trä­gen mit Ver­brau­chern zu unter­las­sen.

Pro­zess­ver­lauf:

Das Land­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen, das Ober­lan­des­ge­richt hat ihr auf die Beru­fung des Klä­gers statt­ge­ge­ben. Mit ihrer vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on hat die Beklag­te die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils begehrt.

Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs:

Der XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen. Dem Klä­ger steht der gel­tend gemach­te Unter­las­sungs­an­spruch zu.

Bei den ange­foch­te­nen Klau­seln han­delt es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen. Wenn­gleich die Zins­cap-Prä­mie bzw. Zins­si­che­rungs­ge­bühr in ein­zel­nen Ver­trä­gen mit Kun­den der Beklag­ten je unter­schied­li­che Pro­zent­sät­ze auf­wei­sen, sind die Klau­seln — wie dies für das Vor­lie­gen All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen vor­aus­ge­setzt wird — auch inso­weit vor­for­mu­liert, weil die Höhe der Zins­cap-Prä­mie bzw. der Zins­si­che­rungs­ge­bühr nach den unan­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts von der Beklag­ten anhand bestimm­ter Vor­ga­ben errech­net wird. Ein “Aus­han­deln” der Zins­cap-Prä­mie bzw. der Zins­si­che­rungs­ge­bühr hat die inso­weit dar­le­gungs­pflich­ti­ge Beklag­te nicht hin­rei­chend dar­ge­tan.

Die Klau­seln unter­lie­gen fer­ner gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1, Abs. 1 und 2 BGB der Inhalts­kon­trol­le, weil sie jeweils eine von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de Rege­lung vor­se­hen. Sie sind aus der maß­geb­li­chen Sicht eines recht­lich nicht vor­ge­bil­de­ten Durch­schnitts­kun­den so zu ver­ste­hen, dass mit der Ver­ein­ba­rung eines varia­blen Zins­sat­zes nebst Fest­le­gung einer Zinso­ber- und -unter­gren­ze eine Rege­lung über die Zins­hö­he getrof­fen und zugleich in Gestalt der Zins­cap-Prä­mie bzw. Zins­si­che­rungs­ge­bühr inner­halb der von der Beklag­ten als ein­heit­li­che Rege­lung aus­ge­stal­te­ten Bestim­mung ein zusätz­li­ches lauf­zeit­un­ab­hän­gi­ges (Teil-)Entgelt für die Über­las­sung der Dar­le­hens­va­lu­ta fest­ge­legt wird. Denn die Zins­cap-Prä­mie bzw. Zins­si­che­rungs­ge­bühr dient dazu, der Bank für den Fall, dass der varia­ble Zins die ver­ein­bar­te Zins­ober­gren­ze über­schrei­tet, einen Aus­gleich für ent­ge­hen­de Zins(mehr)einnahmen zu ver­schaf­fen und stellt damit ein wei­te­res (Teil-)Entgelt dar, das der Dar­le­hens­neh­mer zusam­men mit dem Zins als Gegen­leis­tung für die Über­las­sung der Dar­le­hens­va­lu­ta schul­det. Nach der zugrun­de zu legen­den kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung (§ 305c Abs. 2 BGB*) ist die Zins­cap-Prä­mie bzw. Zins­si­che­rungs­ge­bühr auch lauf­zeit­un­ab­hän­gig aus­ge­stal­tet, da sie bei Ver­trags­schluss sofort fäl­lig ist, ohne dass die ange­grif­fe­nen Klau­seln eine antei­li­ge Erstat­tung für den Fall vor­zei­ti­ger Ver­trags­be­en­di­gung vor­se­hen. Mit die­sem Klau­sel­ver­ständ­nis unter­lie­gen die strei­ti­gen Bestim­mun­gen der Inhalts­kon­trol­le, weil dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB zufol­ge allein der lauf­zeit­ab­hän­gi­ge Zins der Preis und damit die Gegen­leis­tung für die Über­las­sung der Dar­le­hens­va­lu­ta ist.

Der hier­nach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hal­ten die Klau­seln nicht stand. Die Abwei­chung vom gesetz­li­chen Leit­bild des § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB indi­ziert eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners. Umstän­de, nach denen die Klau­seln auf der Grund­la­ge einer umfas­sen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung die Kun­den der Beklag­ten gleich­wohl nicht unan­ge­mes­sen benach­tei­li­gen, sind weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=84175&pos=23&anz=122