(Kiel)  Der für das Bank­recht zustän­di­ge XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass § 497 Abs. 1 BGB (in der bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung) eine spe­zi­el­le Rege­lung zur Scha­dens­be­rech­nung bei not­lei­den­den Kre­di­ten ent­hält, die vom Dar­le­hens­ge­ber infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers vor­zei­tig gekün­digt wor­den sind. Die Vor­schrift schließt die Gel­tend­ma­chung einer als Ersatz des Erfül­lungs­in­ter­es­ses ver­lang­ten Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung aus.

Dar­auf ver­weist der Frank­fur­ter Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht Klaus Hün­lein von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 19.01.2016 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. XI ZR 103/15.

Die beklag­te Kreis­spar­kas­se gewähr­te zwei nicht am Rechts­streit betei­lig­ten natür­li­chen Per­so­nen im Jahr 2004 jeweils ein zum 30. Novem­ber 2016 fäl­li­ges Ver­brau­cher­dar­le­hen, für deren Rück­zah­lung unter ande­rem eine Grund­schuld an einem Grund­stück als Sicher­heit dien­te, das im Eigen­tum einer aus den Dar­le­hens­neh­mern und dem Klä­ger bestehen­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts stand. Im Jahr 2010 und 2011 kün­dig­te die Beklag­te die bei­den Dar­le­hen vor­zei­tig wegen Zah­lungs­ver­zugs der Dar­le­hens­neh­mer, stell­te die noch offe­ne Dar­le­hens­va­lu­ta fäl­lig und begehr­te fer­ner die Zah­lung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe von 76.602,94 € und 9.881,85 €. Zur Abwen­dung der Zwangs­voll­stre­ckung in das Grund­stück zahl­te der Klä­ger an die beklag­te Kreis­spar­kas­se — ohne Anwei­sung der Dar­le­hens­neh­mer — die ver­lang­te Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung in Höhe des noch offe­nen Betrags von ins­ge­samt 24.569,18 €, wobei er sich deren Über­prü­fung dem Grun­de und der Höhe nach vor­be­hielt.

Die unter ande­rem auf Rück­zah­lung die­ses Betrags nebst Zin­sen gerich­te­te Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen kei­nen Erfolg.

Der XI. Zivil­se­nat hat auf die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on des Klä­gers das Beru­fungs­ur­teil teil­wei­se auf­ge­ho­ben und die Beklag­te unter Abän­de­rung des land­ge­richt­li­chen Urteils zur Zah­lung der begehr­ten 24.569,18 € nebst Zin­sen ver­ur­teilt. Dabei waren im Wesent­li­chen fol­gen­de Über­le­gun­gen maß­geb­lich:

Die in Recht­spre­chung und Schrift­tum umstrit­te­ne Fra­ge, ob der Dar­le­hens­ge­ber im Fal­le der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung eines Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags infol­ge Zah­lungs­ver­zugs des Dar­le­hens­neh­mers anstel­le des Ver­zö­ge­rungs­scha­dens eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung als Ersatz sei­nes Nicht­er­fül­lungs­scha­dens ver­lan­gen kann, wird vom Wort­laut des § 497 Abs. 1 BGB in der hier maß­geb­li­chen bis zum 10. Juni 2010 gel­ten­den Fas­sung nicht ein­deu­tig beant­wor­tet. Nach die­ser Vor­schrift hat der Dar­le­hens­neh­mer, der mit sei­ner Zah­lungs­ver­pflich­tung in Ver­zug kommt, den geschul­de­ten Betrag mit dem dort fest­ge­leg­ten Ver­zugs­zins­satz zu ver­zin­sen. Ob damit zugleich eine Sperr­wir­kung in dem Sin­ne ver­bun­den ist, dass eine ande­re Form des Scha­dens­er­sat­zes nicht gel­tend gemacht wer­den kann, lässt sich dem Wort­laut der Vor­schrift selbst nicht ent­neh­men. Dafür spre­chen indes die Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te und der Sinn und Zweck die­ser Vor­schrift.

Nach der Geset­zes­be­grün­dung soll­te “der Ver­zugs­zins nach Scha­dens­er­satz­ge­sichts­punk­ten zu ermit­teln und ein Rück­griff auf den Ver­trags­zins grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen” sein (BT-Drucks. 11/5462, S. 26 zur Vor­gän­ger­norm des § 11 Ver­brKrG). Der Gesetz­ge­ber woll­te damit die Scha­dens­be­rech­nungs­mög­lich­kei­ten einer ein­fa­chen und prak­ti­ka­blen Neu­re­ge­lung zufüh­ren. Zugleich soll­te mit der Fest­le­gung der Höhe des Ver­zugs­zin­ses auch dem Ver­brau­cher die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, die Höhe der Mehr­auf­wen­dun­gen im Ver­zugs­fall selbst zu berech­nen. Die­ses Ziel der (Prozess-)Vereinfachung wür­de indes nicht erreicht, wenn der Dar­le­hens­ge­ber anstel­le der ein­fa­chen Ver­zugs­zins­be­rech­nung auf die im Zeit­punkt der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung bestehen­den Zah­lungs­rück­stän­de eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung bean­spru­chen könn­te. Vor allem aber wür­de bei Zubil­li­gung einer Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung, die im Aus­gangs­punkt auf dem Ver­trags­zins beruht, das vor­nehm­li­che Ziel des Gesetz­ge­bers, einen Rück­griff auf den Ver­trags­zins für die Scha­dens­be­rech­nung nach Wirk­sam­wer­den der Kün­di­gung grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen, ver­fehlt.

Soweit damit — was bereits gegen die Vor­gän­ger­re­ge­lung ein­ge­wen­det wor­den ist — für den Bereich des Ver­brau­cher­dar­le­hens­ge­schäfts eine Bes­ser­stel­lung des ver­trags­brü­chi­gen gegen­über dem ver­trags­treu­en Schuld­ner ver­bun­den sein soll­te, hat der Gesetz­ge­ber dies bewusst in Kauf genom­men, indem er bei Über­füh­rung des § 11 Ver­brKrG in das Bür­ger­li­che Gesetz­buch durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz zu einer Ände­rung der Rechts­la­ge kei­nen Anlass gese­hen hat, son­dern ganz im Gegen­teil den Anwen­dungs­be­reich des § 497 Abs. 1 BGB sogar noch auf Immo­bi­li­ar­dar­le­hens­ver­trä­ge aus­ge­dehnt hat.

Rechts­an­walt Hün­lein emp­fahl, dies zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len um recht­li­chen Rat nach­zu­su­chen, wozu er u. a. auch auf die auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te/-innen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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