(Kiel) Der unter ande­rem für das Mak­ler­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat in zwei Revi­si­ons­ver­fah­ren ent­schie­den, dass ein per E‑Mail oder tele­fo­nisch geschlos­se­ner Grund­stücks­mak­ler­ver­trag ein Fern­ab­satz­ge­schäft im Sin­ne von § 312b BGB in der bis zum 12. Juni 2014 gel­ten­den Fas­sung (= BGB aF) ist und vom Mak­ler­kun­den inner­halb der gesetz­li­chen Fris­ten wider­ru­fen wer­den kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Rechts­an­walt Jens Klar­mann, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter „Schles­wig-Hol­stein“ der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7.07.2016 zu sei­nen Urtei­len vom sel­ben Tage,  Az. I ZR 30/15 und I ZR 68/15.

Im Ver­fah­ren I ZR 30/15 wird der Beklag­te auf Zah­lung einer Mak­ler­pro­vi­si­on in Anspruch genom­men. Die Immo­bi­li­en­mak­le­rin bewarb im April 2013 in einem Inter­net­por­tal ein Haus­grund­stück. Der Beklag­te bekun­de­te per E‑Mail sein Inter­es­se an dem Objekt. Die Immo­bi­li­en­mak­le­rin über­sand­te ihm dar­auf als PDF-Datei ein Expo­sé, in dem eine vom Käu­fer zu zah­len­de Mak­ler­pro­vi­si­on von 6,25% des Kauf­prei­ses aus­ge­wie­sen war. Eine Wider­rufs­be­leh­rung ent­hiel­ten weder die Inter­net­an­zei­ge noch das Expo­sé. Der Beklag­te bestä­tig­te tele­fo­nisch den Ein­gang des Expo­sés und bat um einen Besich­ti­gungs­ter­min. Eini­ge Wochen nach der Besich­ti­gung erwarb er das Grund­stück zu einem Kauf­preis von 240.000 Euro. Die Klä­ge­rin ver­langt vom Beklag­ten die Zah­lung einer Mak­ler­pro­vi­si­on in Höhe von 15.000 Euro. Der Beklag­te hat den Mak­ler­ver­trag im Lau­fe des Rechts­streits wider­ru­fen. Das Land­ge­richt hat der Zah­lungs­kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Beru­fung des Beklag­ten hat­te kei­nen Erfolg.

Im Ver­fah­ren I ZR 68/15 bewarb die Klä­ge­rin, eine Immo­bi­li­en­mak­le­rin, im Jahr 2013 im Inter­net ein Grund­stück. Auf die Anfra­ge des Beklag­ten über­sand­te sie ihm per
E‑Mail ein Expo­sé, in dem eine vom Käu­fer zu zah­len­de Mak­ler­pro­vi­si­on von 3,57% des Kauf­prei­ses aus­ge­wie­sen war. Eine Wider­rufs­be­leh­rung fand sich in dem Expo­sé nicht. Der Beklag­te bestä­tig­te per E‑Mail den Ein­gang des Expo­sés und ver­ein­bar­te mit der Klä­ge­rin einen Besich­ti­gungs­ter­min. In der Fol­ge­zeit erwarb er das Grund­stück zu einem Kauf­preis von 650.000 Euro. Die Klä­ge­rin ver­langt von dem Beklag­ten die Zah­lung einer Mak­ler­pro­vi­si­on in Höhe von 23.205 Euro. Im Lau­fe des Rechts­streits hat der Beklag­te den Mak­ler­ver­trag wider­ru­fen. Das Land­ge­richt hat den Beklag­ten antrags­ge­mäß ver­ur­teilt. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Kla­ge auf die Beru­fung des Beklag­ten abge­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in dem Ver­fah­ren I ZR 30/15 das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen. In dem Ver­fah­ren I ZR 68/15 hat er die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen.

Nach § 312d Abs. 1 Satz 1 BGB aF steht einem Ver­brau­cher bei einem Fern­ab­satz­ver­trag ein Wider­rufs­recht nach § 355 BGB aF zu. Nach § 312b Abs. 1 Satz 1 BGB aF sind Fern­ab­satz­ver­trä­ge Ver­trä­ge über die Lie­fe­rung von Waren oder über die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen, ein­schließ­lich Finanz­dienst­leis­tun­gen, die zwi­schen einem Unter­neh­mer und einem Ver­brau­cher unter aus­schließ­li­cher Ver­wen­dung von Fern­kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln abge­schlos­sen wer­den, es sei denn, dass der Ver­trags­schluss nicht im Rah­men eines für den Fern­ab­satz orga­ni­sier­ten Ver­triebs- oder Dienst­leis­tungs­sys­tems erfolgt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die Mak­ler­ver­trä­ge, die Gegen­stand der bei­den Revi­si­ons­ver­fah­ren sind, Fern­ab­satz­ver­trä­ge über die Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen im Sin­ne von § 312b Abs. 1 Satz 1 BGB aF sind, bei denen ein Wider­rufs­recht besteht.

Die jewei­li­gen Beklag­ten konn­ten die Mak­ler­ver­trä­ge noch im Pro­zess wider­ru­fen, weil sie nicht über ihr Wider­rufs­recht belehrt wor­den waren. Nach der Über­gangs­re­ge­lung in Art. 229 § 32 Abs. 2 Nr. 3 EGBGB erlischt das Wider­rufs­recht bei vor dem 13. Juni 2014 im Wege des Fern­ab­sat­zes geschlos­se­nen Dienst­leis­tungs­ver­trä­gen bei feh­len­der Beleh­rung mit Ablauf des 27. Juni 2015. Der Wider­ruf ist in bei­den Ver­fah­ren vor die­sem Datum erklärt wor­den.

Das Wider­rufs­recht der jewei­li­gen Beklag­ten war zum Zeit­punkt der Wider­rufs­er­klä­run­gen noch nicht gemäß § 312d Abs. 3 BGB aF erlo­schen. Das Erlö­schen des Wider­rufs­rechts nach die­ser Bestim­mung setzt vor­aus, dass bei einer Dienst­leis­tung der Ver­trag von bei­den Sei­ten auf aus­drück­li­chen Wunsch des Ver­brau­chers voll­stän­dig erfüllt wor­den ist, bevor der Ver­brau­cher sein Wider­rufs­recht aus­ge­übt hat. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lagen in bei­den Fäl­len nicht vor, weil die jewei­li­gen Beklag­ten die Pro­vi­si­on vor der Aus­übung des Wider­rufs­rechts nicht bezahlt hat­ten.

Den Mak­lern steht in bei­den Fäl­len wegen der erbach­ten Mak­ler­leis­tun­gen kein Anspruch auf Wert­er­satz zu. Nach § 312e Abs. 2 BGB aF hat der Ver­brau­cher bei Fern­ab­satz­ver­trä­gen über Dienst­leis­tun­gen Wert­er­satz für die erbrach­te Dienst­leis­tung nach den Vor­schrif­ten über den gesetz­li­chen Rück­tritt nur zu leis­ten, wenn er vor Abga­be sei­ner Ver­trags­er­klä­rung auf die­se Rechts­fol­ge hin­ge­wie­sen wor­den ist und wenn er aus­drück­lich zuge­stimmt hat, dass der Unter­neh­mer vor Ende der Wider­rufs­frist mit der Aus­füh­rung der Dienst­leis­tung beginnt. In bei­den Fäl­len hat­te es an einer ent­spre­chen­den Beleh­rung der Mak­ler­kun­den gefehlt.

Klar­mann emp­fahl daher, dies zu beach­ten und bei Fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  — ver­wies.

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