, Beschluss vom 06.08.2018

Die Klä­ge­rin ver­langt von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin Ersatz der Mehr­kos­ten für einen Ersatz­flug, den sie nach der Ver­schie­bung des ursprüng­lich vor­ge­se­he­nen Flugs in Eigen­re­gie gebucht hat.

Sach­ver­halt:
Die Klä­ge­rin buch­te bei der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin für sich, ihren Ehe­mann und ihre zwei Kin­der für die Zeit vom 1. bis 7. Okto­ber 2014 eine Pau­schal­rei­se in die Tür­kei zu einem Gesamt­rei­se­preis von 4.874 €.

Der Rück­flug von Anta­lya nach Frank­furt war für den 7. Okto­ber 2014 um 20:05 Uhr vor­ge­se­hen. Am Abrei­se­tag wur­de der Klä­ge­rin am Flug­ha­fen mit­ge­teilt, dass sich der Rück­flug auf­grund eines tech­ni­schen Pro­blems auf 22:40 Uhr ver­schiebt. Als neu­er Ziel­ort des Rück­flugs wur­de Köln ange­ge­ben; von dort wur­de ein Bus­trans­fer nach Frank­furt ange­bo­ten. Die Ankunfts­ver­spä­tung betrug ca. 6,5 Stun­den.

Die Klä­ge­rin buch­te dar­auf­hin in Eigen­re­gie und ohne vor­he­ri­ge Kon­takt­auf­nah­me mit der Beklag­ten bei einer ande­ren Flug­ge­sell­schaft einen Ersatz­flug für den­sel­ben Abend nach Frank­furt.

Am 18. März 2015 mel­de­te die Klä­ge­rin ihre Ersatz­an­sprü­che bei der Beklag­ten an. Sie begehrt Zah­lung der durch den Ersatz­flug ent­stan­de­nen Mehr­kos­ten in Höhe von 1.235 €.

Bis­he­ri­ger Pro­zess­ver­lauf:
Das Amts­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die Beru­fung der Klä­ge­rin ist erfolg­los geblie­ben. Das Land­ge­richt hat es zwar als unschäd­lich ange­se­hen, dass die Klä­ge­rin ihre Ansprü­che erst nach Ablauf der ein­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist (§ 651g BGB) gel­tend gemacht habe, weil die Beklag­te inso­weit ihrer Hin­weis­pflicht nach § 6 Abs. 2 Nr. 7 der BGB-Infor­ma­ti­ons­ver­ord­nung (im Fol­gen­den BGB-InfoV) nicht genügt habe. Ersatz der Auf­wen­dun­gen kön­ne die Klä­ge­rin gleich­wohl nicht gel­tend machen, da sie die Beklag­te weder zur Abhil­fe auf­ge­for­dert noch eine Frist dafür gesetzt habe. Der Rei­se­ver­an­stal­ter habe auf die­se Oblie­gen­hei­ten nicht geson­dert hin­zu­wei­sen. Ein Abhil­fe­ver­lan­gen und eine Frist­set­zung sei­en auch nicht ent­behr­lich gewe­sen. Die Klä­ge­rin habe die Beklag­te vor der Selbst­ab­hil­fe tele­fo­nisch kon­tak­tie­ren kön­nen und müs­sen. Beson­de­re Umstän­de, die sie von die­ser Ver­pflich­tung befrei­ten, lägen im Streit­fall nicht vor.

Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs:
Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Beklag­te, die in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht ver­tre­ten war, zur Zah­lung des begehr­ten Ersatz­be­trags ver­ur­teilt. Er hat offen gelas­sen, ob die Beklag­te über den Wort­laut von § 6 Abs. 2 Nr. 7 BGB-InfoV hin­aus ver­pflich­tet war, die Klä­ge­rin dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sie die Kos­ten eines von ihr selbst gebuch­ten Rück­flugs grund­sätz­lich nur dann ersetzt ver­lan­gen kann, wenn sie zuvor eine Frist zur Abhil­fe gesetzt hat.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat eine rele­van­te Pflicht­ver­let­zung schon dar­in gese­hen, dass die Beklag­te die Klä­ge­rin ent­ge­gen § 6 Abs. 2 Nr. 7 BGB-InfoV nicht dar­auf hin­ge­wie­sen hat, dass sie einen Man­gel grund­sätz­lich anzei­gen muss. Die­se Pflicht­ver­let­zung hat zur Fol­ge, dass sich die Beklag­te gegen­über dem gel­tend gemach­ten Ersatz­an­spruch weder auf das Feh­len einer Man­gel­an­zei­ge noch auf das Unter­blei­ben einer Frist­set­zung beru­fen darf. Die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin unter den gege­be­nen Umstän­den über­haupt ver­pflich­tet war, ein Abhil­fe­ver­lan­gen an die Beklag­te zu rich­ten, hat­te der Bun­des­ge­richts­hof dem­ge­mäß nicht zu ent­schei­den.

Weil die Beklag­te in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ge­richts­hof nicht ver­tre­ten war, erging die Ent­schei­dung durch Ver­säum­nis­ur­teil. Die Beklag­te kann dage­gen noch einen Rechts­be­helf ein­le­gen. Inhalt­lich beruht die Ent­schei­dung auf einer voll­stän­di­gen recht­li­chen Prü­fung.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2018&Sort=3&nr=85036&pos=11&anz=122