, Beschluss vom 08.05.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 26 vom 08. Mai 2019

Zwei­fel an der Umsatz­steu­er­pflicht einer Schwimm­schu­le

Beschluss vom 27.3.2019 V R 32/18

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) zwei­felt dar­an, ob die Umsät­ze, die eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) mit der Ver­an­stal­tung von Schwimm­kur­sen aus­führt, nach Uni­ons­recht steu­er­frei sind.

Die Klä­ge­rin ist eine GbR, die Schwimm­kur­se für Kin­der durch­führt. Sie behan­del­te die­se von den Eltern ver­gü­te­ten Leis­tun­gen als umsatz­steu­er­frei. Das Umsatz­steu­er­ge­setz sieht kei­ne Steu­er­be­frei­ung vor, jedoch behan­del­te das Finanz­ge­richt (FG) die Umsät­ze nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. j der Richt­li­nie 2006/112/EG des Rates vom 28. Novem­ber 2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (MwSt­Sys­tRL) als steu­er­frei.

Mit dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen will der BFH nun klä­ren las­sen, ob der Begriff des Schul- und Hoch­schul­un­ter­richts im Sin­ne des Art. 132 Abs. 1 Buchst. i und j MwSt­Sys­tRL auch die Ertei­lung von Schwimm­un­ter­richt umfasst. Für die Steu­er­frei­heit auf die­ser Grund­la­ge spricht die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des BFH. Danach ist Schwimm­un­ter­richt steu­er­frei, wenn er von Ein­zel­un­ter­neh­mern erteilt wird. Die Vor­la­ge an den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) war erfor­der­lich, weil der EuGH in sei­nem Urteil A&G Fahr­schul-Aka­de­mie GmbH vom 14. März 2019 C‑449/17 (EU:C:2019:203) eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des Unter­richts­be­griffs „in Bezug auf ein brei­tes und viel­fäl­ti­ges Spek­trum von Stof­fen“ vor­ge­nom­men hat. Es wird dann wei­ter zu klä­ren sein, ob die für die Annah­me einer Steu­er­frei­heit nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. i MwSt­Sys­tRL not­wen­di­ge Aner­ken­nung der Klä­ge­rin aus dem mit ihren Tätig­kei­ten ver­bun­de­nen Gemein­wohl­in­ter­es­sen erge­ben. Denn die Fähig­keit zu schwim­men ist für jeden Men­schen durch­aus ele­men­tar.

Aber selbst dann, wenn die Aner­ken­nung ver­neint wür­de, stellt sich die Fra­ge, ob die Klä­ge­rin – obschon kei­ne natür­li­che Per­son — Pri­vat­leh­re­rin (Art. 132 Abs. 1 Buchst. j MwSt­Sys­tRL) ist. Es dürf­te sach­lich nicht zu recht­fer­ti­gen sein, wes­halb X und Y, falls sie selbst als Ein­zel­un­ter­neh­mer Schwimm­un­ter­richt ertei­len, steu­er­freie Leis­tun­gen erbrin­gen, wäh­rend die glei­chen Leis­tun­gen bei einer gemein­sa­men Unter­richts­tä­tig­keit in der Rechts­form einer Per­so­nen­ge­sell­schaft (hier: GbR) steu­er­pflich­tig sein sol­len.

sie­he auch: Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des V. Senats vom 27.3.2019 — V R 32/18 -

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