Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 66 vom 12. Dezem­ber 2018

Gemein­nüt­zig­keit eines Ver­eins zur För­de­rung des IPSC-Schie­ßens

Urteil vom 27.9.2018 V R 48/16

Ein Ver­ein, des­sen Zweck in der För­de­rung des Schieß­spor­tes, ins­be­son­de­re des IPSC-Schie­ßens besteht, erfüllt die sat­zungs­mä­ßi­gen Anfor­de­run­gen an die Fest­stel­lung der Gemein­nüt­zig­keit. Mit Urteil vom 27. Sep­tem­ber 2018 hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­ge­gen einer all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­an­wei­sung der Finanz­ver­wal­tung ent­schie­den, dass die För­de­rung des IPSC-Schie­ßens gemein­nüt­zig ist. Es han­delt sich um eine dyna­mi­sche Schieß­sport­dis­zi­plin, bei der ein Schüt­ze in mög­lichst kur­zer Zeit einen fest­ge­leg­ten Par­cours mit ver­schie­de­nen Zie­len (abs­trak­te Ziel­schei­ben) zu absol­vie­ren hat.

Der Streit­fall betrifft einen Ver­ein, des­sen Antrag auf Fest­stel­lung der (sat­zungs­mä­ßi­gen) Gemein­nüt­zig­keit vom Finanz­amt (FA) unter Hin­weis auf den Anwen­dungs­er­lass zur Abga­ben­ord­nung (AO) abge­lehnt wur­de. Die Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt (FG) hat­te hin­ge­gen Erfolg.

Der BFH bestä­tig­te die Ent­schei­dung des FG und wies die Revi­si­on des FA als unbe­grün­det zurück: IPSC-Schie­ßen ist “Sport” i.S. des § 52 Abs. 2 Nr. 21 AO und för­dert damit die All­ge­mein­heit. Im kon­kre­ten Fall ent­hielt die Sat­zung weder einen Ver­stoß gegen die objek­ti­ve Wert­ord­nung des Grund­ge­set­zes noch gegen die all­ge­mei­ne Rechts­ord­nung. Der BFH schloss sich inso­weit der Wür­di­gung des FG an, wonach im Rah­men des IPSC-Schie­ßens kei­ne kriegs­ähn­li­chen Situa­tio­nen nach­ge­stellt wer­den und auch kei­ne Ähn­lich­keit mit einem Häu­ser­kampf oder einem kampf­mä­ßi­gen Schie­ßen gege­ben sei. Der erken­nen­de Senat berück­sich­tig­te inso­weit auch, dass der kla­gen­de Ver­ein Mit­glied eines als gemein­nüt­zig aner­kann­ten Bun­des­ver­ban­des ist und das ISPC-Schie­ßen als Bestand­teil von des­sen Sport­ord­nung vom Bun­des­ver­wal­tungs­amt aus­drück­lich geneh­migt wur­de.

Das Urteil betrifft zwar einen Spe­zi­al­be­reich des Sport­schie­ßens, die Ent­schei­dung hat aber dar­über hin­aus Bedeu­tung für die Gemein­nüt­zig­keit von in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land weit ver­brei­te­ten Schüt­zen­ver­ei­nen.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 27.9.2018 — V R 48/16 -

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/druckvorschau.py?Gericht=bfh&Art=en&nr=38651