Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 11 vom 06.03.2019

Gewer­be­steu­er­recht­li­che Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen bei Cash-Poo­ling

Urteil vom 11.10.2018 III R 13/17

Soll- und Haben­zin­sen, die aus wech­sel­sei­tig gewähr­ten Dar­le­hen inner­halb eines Cash-Pools ent­ste­hen, sind bei der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Hin­zu­rech­nung der Schuld­zin­sen in begrenz­tem Umfang mit­ein­an­der ver­re­chen­bar. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11. Okto­ber 2018 III R 37/17 sind die viel­fäl­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schuld­ver­hält­nis­se inner­halb eines Cash-Pools bank­ar­beits­täg­lich zusam­men­zu­fas­sen und fort­zu­schrei­ben. Nur der Zins, der für einen gege­be­nen­falls ver­blei­ben­den Schuld­sal­do ent­steht, ist hin­zu­rech­nungs­fä­hig. Der BFH hat sich damit erst­mals mate­ri­ell-recht­lich zur Behand­lung von Cash-Pools im Steu­er­recht geäu­ßert.

Die Klä­ge­rin ist eine GmbH und Teil einer Unter­neh­mens­grup­pe. Die Gesell­schaf­ten der Grup­pe betei­lig­ten sich zur Zins- und Finan­zie­rungs­op­ti­mie­rung an einer Liqui­di­täts­bün­de­lung ihrer Kon­ten (Cash-Poo­ling). Hier­zu unter­hiel­ten die Klä­ge­rin und die ande­ren Toch­ter­un­ter­neh­men bei ver­schie­de­nen Kre­dit­in­sti­tu­ten Quell­kon­ten und die Mut­ter­ge­sell­schaft zu jedem die­ser Quell­kon­ten ein par­al­le­les Ziel­kon­to. Die Kon­ten wur­den in unter­schied­li­chen Wäh­run­gen geführt. Der Sal­do jedes Quell­kon­tos der Klä­ge­rin wur­de bank­ar­beits­täg­lich auf Null gestellt, indem ein etwai­ges Gut­ha­ben auf das Ziel­kon­to der Mut­ter­ge­sell­schaft über­wie­sen wur­de oder ein etwai­ger Nega­tiv­sal­do durch eine Über­wei­sung vom Ziel­kon­to der Mut­ter­ge­sell­schaft aus­ge­gli­chen wur­de. Die dadurch ent­ste­hen­den wech­sel­sei­ti­gen Ver­bind­lich­kei­ten zwi­schen der Klä­ge­rin und der Mut­ter­ge­sell­schaft wur­den mit 5,5 % p.a. ver­zinst. In ihrer Buch­hal­tung führ­te die Klä­ge­rin für jedes Quell­kon­to ein geson­der­tes Ver­rech­nungs­kon­to, berech­ne­te täg­lich die Zin­sen und buch­te die­se monat­lich sal­diert als Auf­wand oder Ertrag. In ihrem auf dem 31. Dezem­ber 2010 auf­ge­stell­ten Jah­res­ab­schluss nahm die Klä­ge­rin eine Sal­die­rung von Zins­auf­wen­dun­gen und -erträ­gen vor und erfass­te im Ergeb­nis kei­ne Zins­auf­wen­dun­gen. Ent­spre­chend erklär­te die Klä­ge­rin in ihrer Gewer­be­steu­er­erklä­rung für 2010 kei­ne Zins­auf­wen­dun­gen aus dem Cash-Pool. Das Finanz­amt war hin­ge­gen der Auf­fas­sung, dass eine Sal­die­rung der Zins­auf­wen­dun­gen und -erträ­ge aus dem Cash-Pool unzu­läs­sig sei. Die­ser Auf­fas­sung schloss sich auch das Finanz­ge­richt (FG) an und wies die Kla­ge ab.

Dem­ge­gen­über sieht der BFH eine Ver­rech­nung der Zins­auf­wen­dun­gen und -erträ­ge als mög­lich an. Der BFH hob das Urteil des FG auf und ver­wies die Sache an das FG zurück.

Nach dem Urteil des BFH gilt hin­sicht­lich der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Hin­zu­rech­nung von Schuld­zin­sen zwar grund­sätz­lich ein Sal­die­rungs­ver­bot, auf­grund des­sen weder die meh­re­ren Schuld­ver­hält­nis­se noch die dar­aus ent­ste­hen­den Schuld­zin­sen mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den dür­fen.

Aus­nahms­wei­se kön­nen wech­sel­sei­tig zwi­schen zwei Per­so­nen gege­be­ne Dar­le­hen gewer­be­steu­er­recht­lich aber als ein­heit­li­ches Dar­le­hens­ver­hält­nis beur­teilt wer­den, wenn sie gleich­ar­tig sind, der­sel­ben Zweck­be­stim­mung die­nen und regel­mä­ßig tat­säch­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen hat der BFH im vor­lie­gen­den Fall bejaht. Des­halb kön­nen sämt­li­che in den Cash-Pool ein­be­zo­ge­nen Quell­kon­ten bank­ar­beits­täg­lich mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den. Der dann ent­ste­hen­de Sal­do ist fort­zu­schrei­ben, indem er mit dem Sal­do ver­rech­net wird, der sich am jewei­li­gen Fol­ge­tag ergibt. Nur soweit danach am jewei­li­gen Tag ein Schuld­sal­do zu Las­ten der Klä­ge­rin ver­bleibt, ist der dar­auf ent­fal­len­de Zins ein hin­zu­rech­nungs­fä­hi­ges Ent­gelt im Sin­ne des Gewer­be­steu­er­rechts. Ein sol­cher Schuld­sal­do ent­fällt auch nicht dadurch, dass an einem spä­te­ren Tag ein Gut­ha­ben­sal­do zuguns­ten der Klä­ge­rin ent­steht. Da das FG für die inso­weit not­wen­di­gen Berech­nun­gen noch kei­ne hin­rei­chen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat­te, wies der BFH die Sache zur erneu­ten Prü­fung an das FG zurück.

sie­he auch: Urteil des III. Senats vom 11.10.2018 — III R 37/17 -

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