(Kiel) Eine Bau­spar­kas­se kann einen Bau­spar­ver­trag mit einem fes­ten Zins­satz, der seit 10 Jah­ren zutei­lungs­reif ist, vom Bau­spa­rer aber wei­ter bespart wird, gemäß § 489 Abs. 1 Nr. 2 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB) kün­di­gen und so der Ver­pflich­tung zur Zah­lung der im Bau­spar­ver­trag ver­ein­bar­ten Zin­sen ent­ge­hen.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm vom 1.02.2016 zu sei­nem Beschluss vom 30.12.2015 (31 U 191/15).

Der Klä­ger aus Sie­gen hat­te bei der beklag­ten Bau­spar­kas­se aus Müns­ter im Jah­re 1991 einen Bau­spar­ver­trag mit einer Bau­spar­sum­me von 44.000 DM (22.496,42 Euro) abge­schlos­sen. Nach den Ver­trags­be­din­gun­gen der Bau­spar­kas­se war das vom Klä­ger ange­spar­te Bau­spar­gut­ha­ben jähr­lich mit 3 % zu ver­zin­sen. Die Bedin­gun­gen sahen wei­ter vor, dass die Bau­spar­kas­se den Ver­trag nicht kün­di­gen durf­te, solan­ge der Bau­spa­rer sei­ne ver­trag­li­chen Pflich­ten erfüllt. Ende des Jah­re 1997 lagen die im Ver­trag ver­ein­bar­ten Zutei­lungs­vor­aus­set­zun­gen vor. In der Fol­ge­zeit nahm der Klä­ger kein Bau­spar­dar­lehn in Anspruch. Ende des Jah­res 2014 kün­dig­te die Beklag­te den Ver­trag zum 30.06.2015 unter Hin­weis auf § 489 BGB. Die­se zwin­gen­de gesetz­li­che Vor­schrift sieht vor, dass ein Dar­lehns­neh­mer einen Dar­lehns­ver­trag mit einem fes­ten Soll­zins­satz in jedem Fall nach Ablauf von 10 Jah­ren seit dem voll­stän­di­gen Emp­fang des Dar­lehns mit sechs­mo­na­ti­ger Frist kün­di­gen kann. Nach dem Aus­spruch der Kün­di­gung haben die Par­tei­en über deren Wirk­sam­keit gestrit­ten. Der Klä­ger hat dar­auf­hin Kla­ge erho­ben, um gericht­lich fest­stel­len zu las­sen, dass die Kün­di­gung der Beklag­ten den Bau­spar­ver­trag nicht been­det hat.

Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist erfolg­los geblie­ben. Der 31. Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat ent­schie­den, dass die Beklag­te den Bau­spar­ver­trag der Par­tei­en zum 30.06.2015 wirk­sam gekün­digt hat.

Der Beklag­ten habe, so der Senat, das in § 489 BGB gere­gel­te Kün­di­gungs­recht des Dar­lehns­neh­mers zuge­stan­den. Der Bau­spar­ver­trag sei ein Dar­lehns­ver­trag mit der Beson­der­heit, dass die Bau­spar­kas­se und der Bau­spa­rer mit der Inan­spruch­nah­me des Bau­spar­dar­lehns ihre jewei­li­gen Rol­len als Dar­lehns­ge­ber und Dar­lehns­neh­mer tausch­ten. In der Anspar­pha­se sei daher die Bau­spar­kas­se Dar­lehns­neh­me­rin.

Die Vor­aus­set­zun­gen des § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB sei­en gege­ben. Der Bau­spar­ver­trag der Par­tei­en habe einen gebun­de­nen Soll­zins vor­ge­se­hen und sei unter Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Frist gekün­digt wor­den. Der von der Vor­schrift vor­aus­ge­setz­te voll­stän­di­ge Emp­fang der Dar­lehns­va­lu­ta ste­he in einem Bau­spar­fall der ein­ge­tre­te­nen Zutei­lungs­rei­fe gleich. Die Norm wol­le einen Inter­es­sen­aus­gleich schaf­fen und den Dar­lehns­neh­mer vor über­lan­gen Bin­dun­gen an fest­ge­leg­te Zins­sät­ze schüt­zen. Sie gel­te auch für Bau­spar­kas­sen in der Anspar­pha­se. Das sei inter­es­sen­ge­recht. Bei Bau­spar­ver­trä­gen sei auf den Zeit­punkt der Zutei­lungs­rei­fe abzu­stel­len, weil — man­gels Ver­pflich­tung des Bau­spa­rers zum Abruf des Bau­spar­dar­lehns — die Höhe des von der Bau­spar­kas­se in der Anspar­pha­se ent­ge­gen­zu­neh­men­den Dar­lehns­be­tra­ges nicht fest­ge­legt sei. Mit dem Ein­tritt der Zutei­lungs­rei­fe lie­ge es allein beim Bau­spa­rer, sei­nen Anspruch auf Erhalt der Bau­spar­sum­me zu begrün­den, indem er das der Bau­spar­kas­se gewähr­te Dar­lehn kün­di­ge und die Vor­aus­set­zun­gen für die Valu­tie­rung sei­nes Bau­spar­dar­lehns schaf­fe.

Die Bau­spar­be­din­gun­gen der Beklag­ten könn­ten das gesetz­li­che Kün­di­gungs­recht nicht aus­schlie­ßen, weil die gesetz­li­che Bestim­mung zwin­gen­des Recht sei.

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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