(Kiel) Wenn Sie EU-Bür­ger ohne Wohn­sitz in Spa­ni­en sind und in den letz­ten 4 Jah­ren in Spa­ni­en geerbt oder Schen­kun­gen erhal­ten und hier­auf Steu­ern in Spa­ni­en gezahlt haben, kann Ihnen ein sol­cher Anspruch auf Rück­erstat­tung von Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­er­be­trä­gen zuste­hen.

Dies, so die deutsch­spra­chi­ge Rechts­an­wäl­tin Nad­ja Vietz, Bar­ce­lo­na, Mit­glied in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, folgt aus einer lang ersehn­ten Ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs (EuGH) vom 3. Sep­tem­ber 2014, in wel­cher die­ser die Rechts­wid­rig­keit der Rege­lun­gen der spa­ni­schen Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­er bestä­tig­te.

Sind die Steu­er­zah­lun­gen vor mehr als 4 Jah­ren erfolgt, kann eine Rück­for­de­rung mit­tels Staats­haf­tungs­an­spruch mög­lich sein. Die­ser Anspruch muss jedoch frist­ge­recht inner­halb eines Jah­res vor den ordent­li­chen zustän­di­gen spa­ni­schen Gerich­ten ein­ge­reicht wer­den, bis Sep­tem­ber 2015.

Sach­ver­hal­te, wel­che durch das Urteil betrof­fen sind:

1.- Erb­schaf­ten eines nicht in Spa­ni­en wohn­haf­ten Erb­las­sers mit einem oder meh­re­ren Erben in Spa­ni­en

2.- Erb­schaf­ten eines in Spa­ni­en wohn­haf­ten Erb­las­sers mit einem oder meh­re­ren Erben ohne Wohn­sitz in Spa­ni­en

3.- Schen­kung von in Spa­ni­en bele­ge­nen Immo­bi­li­en durch einen nicht in Spa­ni­en wohn­haf­ten Schen­ker

4.- Schen­kung von Ver­mö­gens­wer­ten oder Immo­bi­li­en außer­halb Spa­ni­ens an einen in Spa­ni­en wohn­haf­ten Beschenk­ten

5.- Son­der­fäl­le im Bas­ken­land

In sei­ner Ent­schei­dung hat der EuGH ins­be­son­de­re die Vor­schrift für rechts­wid­rig erklärt, wel­che auf EU-Bür­ger mit Wohn­sitz außer­halb von Spa­ni­en die Anwend­bar­keit von spa­ni­schem Recht anstatt vom Recht der jewei­li­gen auto­no­men Regi­on vor­schreibt. Eine sol­che Vor­schrift führt zur dis­kri­mi­nie­ren­den Behand­lung von in Spa­ni­en beschränkt steu­er­pflich­ti­gen EU-Bür­gern (Sog. Nicht-Resi­den­ten), da die­se nicht die in den ver­schie­de­nen auto­no­men Regio­nen ein­schlä­gi­gen Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen, ‑befrei­un­gen und –nach­läs­se in Anspruch neh­men kön­nen.

Schon im Jah­re 2012 hat­te die EU-Kom­mis­si­on vor dem EuGH Kla­ge gegen das König­reich Spa­ni­en ein­ge­reicht, mit dem Argu­ment, dass die spa­ni­schen gesetz­li­chen Vor­schrif­ten im Rah­men der Erb­schaft­steu­er wie auch der Schen­kungsteu­er infol­ge unter­schied­li­cher Besteue­rung der in Spa­ni­en ansäs­si­gen unbe­schränkt Steu­er­pflich­ti­gen und der nicht resi­den­ten EU-Bür­ger euro­päi­sches Recht ver­let­ze. Der EUGH hat nun­mehr klar bestä­tigt, dass der spa­ni­sche Staat in sei­nem Gesetz 22/2009 vom 18.12. zur Erb­schafts- und Schen­kungs­steu­er gegen pri­mä­res Gemein­schafts­recht ver­sto­ße, da es Pflich­ten nicht erfüllt, die ihm Art. 21 und 63 des AEUV auf­er­legt.

Nicht-Resi­den­te gelan­gen nicht in den Genuss bestimm­ter steu­er­li­cher Vor­tei­le auf­grund der Bele­gen­heit von Ver­mö­gen in auto­no­men Gebiets­kör­per­schaf­ten. Das Urteil stellt fest, dass eine euro­pa­rechts­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­rung vor­liegt. Die ent­spre­chen­den Nor­men min­dern den Wert von Erb­schaf­ten oder Schen­kun­gen eines Nicht Resi­den­ten und stel­len dadurch ein Hin­der­nis für den frei­en Kapi­tal­ver­kehr dar.

Eine sol­che höchst­rich­ter­lich fest­ge­stell­te Ver­let­zung von EU-Recht kann nun­mehr zu Ansprü­chen auf Rück­erstat­tung von über­höh­ten und umge­schul­de­ten Steu­er­zah­lun­gen auf­grund der dis­kri­mi­nie­ren­den Steu­er­be­hand­lung füh­ren.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Nad­ja Vietz
Rechts­an­wäl­tin
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