(Washing­ton) Der Online-Han­del legt rasant zu, wobei die USA das Land mit dem größ­ten Poten­ti­al sind. Auch deut­sche Online-Händ­ler erobern den ame­ri­ka­ni­schen Markt.

Ange­sichts der Kom­ple­xi­tät des US-Steu­er­rechts ist jedoch sorg­fäl­ti­ge Steu­er­pla­nung und Bera­tung wich­tig für Unter­neh­men, wel­che auf dem US-Markt Geschäf­te machen, so die deutsch­stäm­mi­ge Rechts­an­wäl­tin Nad­ja Vietz von Har­ris & Mou­re in Seattle/USA, Mit­glied der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V.

So wer­den US-Steu­ern auf Bun­des-, staat­li­cher und loka­ler Ebe­ne erho­ben. Auf Bun­des­ebe­ne fal­len gegen­über dem Inter­nal Reve­nue Ser­vice (IRS) Ein­kom­men­steu­ern, Kapi­tal­ertrag­steu­ern, Steu­ern auf Divi­den­den, auf Zin­sen und Steu­ern auf ande­re pas­si­ve Ein­kom­men sowie Lohn-und Gehalts­steu­ern für Mit­ar­bei­ter an. Ein­zel­ne Staa­ten und Gemein­den erhe­ben zusätz­li­che, am Bun­des­sys­tem ori­en­tier­te, sowie ande­re hier­von abwei­chen­de Steu­ern sowie Umsatz­steu­ern.

Im Fol­gen­den soll ins­be­son­de­re auf die für den Online-Händ­ler wich­ti­ge Umsatz­steu­er ein­ge­gan­gen wer­den.

  1. Wel­che US-Steu­er­pflich­ten erge­ben sich für mei­nen Online-Han­del auf Bun­des­ebe­ne?

Es gibt der­zeit kei­ne Umsatz­steu­er auf US-Bun­des­ebe­ne. Online-Händ­ler, wel­che nicht über eine Nie­der­las­sung in den USA ver­fü­gen, wer­den auf Unter­neh­mens­ebe­ne in den USA nicht auf deren Umsatz besteu­ert. Online-Händ­ler soll­ten jedoch mög­li­che Geset­zes­än­de­run­gen ver­fol­gen, da der US-Kon­gress in den letz­ten Jah­ren mehr­mals Geset­zes­vor­schlä­ge zur Ein­füh­rung einer Inter­net-Umsatz­steu­er ein­ge­bracht hat.[1]

Hier­von unab­hän­gig unter­lie­gen ein­ge­führ­te Waren jedoch bestimm­ten Ein­fuhr­zöl­len, wenn die­se einen Min­dest­wa­ren­wert über­schrei­ten, wel­cher jüngst von $200 auf $800 erhöht wur­de.[2]  Zöl­le berech­nen sich unter ande­rem nach Wert und Her­kunft der ein­ge­führ­ten Waren. Das beim Import aus­zu­fül­len­de Doku­ment ist die soge­nann­te Customs Decla­ra­ti­on Form, wel­che in meh­re­ren Spra­chen online auf der Web­sei­te der U.S. Customs and Bor­der Pro­tec­tion zur Ver­fü­gung steht und aus­ge­füllt wer­den kann.[3]

  1. Wel­che Umsatz­steu­er­pflich­ten bestehen für mei­nen Online-Han­del auf Ebe­ne der ein­zel­nen Bun­des­staa­ten und Gemein­den?

Auf staat­li­cher und loka­ler Ebe­ne wird der ein­ge­hen­de E-Com­mer­ce nur dann der Umsatz­steu­er unter­lie­gen, wenn der Ver­käu­fer eine aus­rei­chen­de phy­si­sche Prä­senz in einem bestimm­ten Staat hat, einen soge­nann­ten “Nexus”. Wel­che Akti­vi­tä­ten zu einem sol­chen „Nexus“ füh­ren, defi­niert sich je nach Recht der ein­zel­nen Bun­des­staa­ten. In der Regel wird man dann einen „Nexus“ anneh­men, wenn Eigen­tum im jewei­li­gen Bun­des­staat erwor­ben oder geleast wird, soge­nann­tes Third Par­ty Ful­fill­ment statt­fin­det (Lie­fe­rung an den End­kun­den durch einen in den USA ansäs­si­gen Drit­ten), die Geschäfts­tä­tig­keit mit­hil­fe einer Toch­ter­ge­sell­schaft in den USA statt­fin­det oder ein Han­dels­ver­tre­ter oder Ver­triebs­händ­ler mit dem Ver­trieb beauf­tragt wird.

Der Online-Ver­sand an den Bewoh­ner eines bestimm­ten Bun­des­staa­tes wird somit noch nicht allein einen steu­er­pflich­ti­gen „Nexus“ her­stel­len. In der Regel wer­den euro­päi­sche Online Händ­ler jedoch ohne­hin durch Third Par­ty Ful­fill­ment oder zumin­dest mit eige­nem Lager vor Ort auf­tre­ten müs­sen, um der har­ten Kon­kur­renz des Mark­tes (so ist kos­ten­lo­se 24-Stun­den-Lie­fe­rung die Norm) stand­hal­ten zu kön­nen, womit auf jeden Fall ein „Nexus“ und die Umsatz­steu­er­ver­pflich­tung begrün­det sind.

Wei­ter ist dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die ein­zel­nen U.S.-Bundesstaaten nicht selbst Par­tei­en von bila­te­ra­len Steu­er­ab­kom­men der Ver­ei­nig­ten Staa­ten sind. Daher wird die Ver­mei­dung einer “Betriebs­stät­te” in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten gemäß den Bestim­mun­gen sol­cher Steu­er­ab­kom­men zur Ver­mei­dung von Dop­pel­be­steue­run­gen in der Regel nicht sicher­stel­len, dass ein steu­er­pflich­ti­ger Zusam­men­hang mit einem ein­zel­nen Staat ver­mie­den wird.

Sobald ein sol­cher Zusam­men­hang oder „Nexus“ her­ge­stellt ist, ist es an der Zeit, sich bei den zustän­di­gen Steu­er­be­hör­den auf staat­li­cher Ebe­ne zu regis­trie­ren und recht­zei­tig Steu­ern abzu­füh­ren.

Der Umsatz­steu­er­satz kann zwi­schen den ein­zel­nen Bun­des­staa­ten sehr vari­ie­ren. Fünf Bun­des­staa­ten erhe­ben zum Bei­spiel gar kei­ne Umsatz­steu­er, wäh­rend Kali­for­ni­en den höchs­ten Umsatz­steu­er­satz von 7,5% hat. Eini­ge Gemein­den erhe­ben zudem eige­ne Umsatz­steu­ern, wel­che die gesam­te Steu­er­be­las­tung nicht uner­heb­lich erhö­hen kön­nen. So beträgt die Umsatz­steu­er im Bun­des­staat New York nur 4%, aber die gesam­te Umsatz­steu­er­be­las­tung in New York City beläuft sich unter Ein­be­rech­nung der loka­len Steu­ern auf 8,875%.  Zudem vari­ie­ren nicht nur die loka­len Umsatz­steu­er­sät­ze son­dern auch die Klas­si­fi­zie­rung der zu besteu­ern­den Güter. So erle­gen eini­ge Staa­ten kei­ne Umsatz­steu­er auf Lebens­mit­tel, die Defi­ni­ti­on des Begrif­fes Lebens­mit­tel vari­iert jedoch auch wie­der je nach Bun­des­staat bzw. Gemein­de.

  1. Wann und wie muss ich mei­nen Online Han­del bei den US-Steu­er­be­hör­den auf Bun­des­ebe­ne (IRS) anmel­den?

Wie dar­ge­stellt, muss sich ein ledig­lich im Online-Han­del in die USA ver­kau­fen­der Händ­ler nicht anmel­den, solan­ge kein „Nexus“ besteht. Wenn jedoch ein sol­cher „Nexus“ zu einem oder meh­re­ren Bun­des­staa­ten besteht, kann es für den jewei­li­gen aus­län­di­schen Händ­ler erfor­der­lich sein, eine soge­nann­te Federal Employ­er Iden­ti­fi­ca­ti­on Num­ber („EIN“) zu bean­tra­gen, um sich sodann bei den staat­li­chen Steu­er­be­hör­den anmel­den zu kön­nen.  In die­sem Fall muss der Händ­ler die EIN auf der Web­site des Inter­nal Reve­nue Ser­vice (“IRS”)[4] bean­tra­gen.

Hier­bei han­delt es sich zwar um einen unkom­pli­zier­ten und kos­ten­frei­en Ser­vice des IRS, jedoch muss der Händ­ler neben der Anga­be von Geschäfts­in­for­ma­tio­nen auch die Steu­er­num­mer oder US-Sozi­al­ver­si­che­rungs­num­mer (Soci­al Secu­ri­ty Numm­ber — SSN) einer soge­nann­ten „Respon­si­ble Par­ty“ (i.d.R. eines Geschäfts­füh­rers oder Gesell­schaf­ters) des Unter­neh­mens mit­tei­len.  Sind die jewei­li­gen Per­so­nen noch nicht im US-Sys­tem gemel­det und liegt eine sol­che Num­mer noch nicht vor, muss die­se geson­dert im Vor­feld bean­tragt wer­den, was zu nicht uner­heb­li­chen Ver­zö­ge­run­gen füh­ren kann und daher recht­zei­tig ein­ge­lei­tet wer­den soll­te.

  1. Wel­che Anmel­dung muss bei staat­li­chen Behör­den und wie vor­ge­nom­men wer­den?

Auf Ebe­ne der ein­zel­nen Bun­des­staa­ten vari­ie­ren die Anfor­de­run­gen an Anmel­dung sowie ein­zu­rei­chen­de Unter­la­gen. Infor­ma­tio­nen über die jeweils ein­schlä­gi­ge Umsatz­steu­er und Umsatz­steu­er­an­mel­dung kön­nen auf der Web­sei­te der ein­zel­nen Staats­mi­nis­te­ri­en (Secreta­ry of Sta­te) gefun­den wer­den.

Vie­le Staa­ten betei­li­gen sich an der soge­nann­ten Stream­li­ned Sales and Use Tax Agree­ment (“SSUTA”), einem Online-Sys­tem, wel­ches ver­ein­fach­te Online-Zah­lung der Umsatz­steu­er ermög­licht. Unter­neh­men, die sich in die­sen Staa­ten regis­trie­ren, kön­nen dies online tun, wobei ledig­lich eini­ge weni­ge Infor­ma­tio­nen über das Unter­neh­men erfor­der­lich sind, so Unter­neh­mens­form, Sitz des Unter­neh­mens.  Je nach Bun­des­staat wird die oben genann­ten EIN not­wen­dig sein.[5]

  1. Müs­sen ein­zu­rei­chen­de Unter­la­gen über­setzt wer­den?

Für die Anmel­dung und Zah­lung auf Bun­des­ebe­ne hält das IRS For­mu­la­re in ver­schie­de­nen Spra­chen sowie wei­te­re Dienst­leis­tun­gen für aus­län­di­sche oder fremd­spra­chi­ge Steu­er­zah­ler vor­rä­tig.[6]  So stellt das IRS Wäh­rungs­ta­bel­len für die Umrech­nung von Steu­er­zah­lun­gen in US-Dol­lars zur Ver­fü­gung.[7]

Für Steu­er­zah­lun­gen auf Ebe­ne der ein­zel­nen Bun­des­staa­ten wer­den in der Regel Über­set­zun­gen der not­wen­di­gen Doku­men­ta­ti­on anzu­fer­ti­gen sein. Es ste­hen auf Staa­ten­ebe­ne kei­ne Über­set­zer zur Ver­fü­gung. Dar­über hin­aus schrei­ben die Geset­ze von vie­len Bun­des­staa­ten vor, dass Kom­mu­ni­ka­tio­nen mit staat­li­chen Behör­den zwin­gend auf Eng­lisch statt­fin­den müs­sen. Die Wäh­rungs­ta­bel­len des IRS kön­nen auch hier ver­wen­det wer­den.

  1. Wel­che Fris­ten bestehen für die Anmel­dung und die Zah­lung der ein­zel­nen Steu­ern?

Ein­fuhr­zöl­le auf Bun­des­ebe­ne wer­den mit dem Import der jewei­li­gen Güter bzw. des Über­que­rens der US-Gren­ze fäl­lig. Die­se müs­sen vor Ein­fuhr gezahlt wer­den, wie oben aus­ge­führt.

Die Frist für eine Regis­trie­rung bei den zustän­di­gen Steu­er­be­hör­den beginnt mit dem Moment der Begrün­dung des oben beschrie­be­nen „Nexus“. Unter­neh­men müs­sen sich recht­zei­tig anmel­den und danach frist­ge­recht Steu­ern zah­len.

Zah­lungs­fris­ten vari­ie­ren je nach Abrech­nungs­zeit­räu­men, wel­che wie­der­um vom Steu­er­sub­jekt gewählt wer­den kön­nen. Unter­neh­men kön­nen i.d.R. wäh­len, ob sie monat­lich, quar­tals­wei­se oder jähr­lich Steu­ern zah­len. So müss­te z.B. ein Steu­er­zah­ler in Kali­for­ni­en, wel­cher quar­tals­wei­se abrech­net, für den Zeit­raum von Janu­ar bis März bis zum 30. April sei­ne Umsatz­steu­er zah­len. Monat­li­che Umsatz­steu­er­ab­rech­nun­gen wären für den Monat Janu­ar jedoch schon Ende Febru­ar fäl­lig.

  1. Wel­che Stra­fen dro­hen bei ver­spä­te­ter Regis­trie­rung, ver­spä­te­ter Umsatz­steu­er­an­mel­dung oder Zah­lung?

Straf­zah­lun­gen wer­den fäl­lig, wenn Steu­er­schul­den nicht recht­zei­tig und/oder voll­stän­dig gezahlt wer­den. Im All­ge­mei­nen wer­den der­ar­ti­ge Straf­ge­büh­ren für die ver­spä­te­te Ein­rei­chung von Steu­er­erklä­run­gen, ver­spä­te­te Steu­er­zah­lun­gen, das Nicht­be­zah­len der jewei­li­gen Mehr­wert­steu­er, die Nicht­re­gis­trie­rung bei dem jewei­li­gen Staat und/oder das Betrei­ben ohne eine ent­spre­chen­de Geneh­mi­gung auf­er­legt. Die Stra­fen vari­ie­ren sowohl auf Bun­des- als auch auf staat­li­cher Ebe­ne erheb­lich, je nach Art des Fehl­ver­hal­tens und Umfang der jeweils geschul­de­ten Steu­er. Straf­zah­lun­gen kön­nen emp­find­lich hoch sein, wenn Vor­satz auf Steu­er­hin­ter­zie­hung ver­mu­tet wird, bis hin zu straf­recht­li­chen Sank­tio­nen.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Nad­ja Vietz
Attor­ney-at-Law/­Rechts­an­wäl­tin
Har­ris & Mou­re pllc
Seattle/USA
Tel. direkt aus D.: 001 425 233‑8506
Email: nadja@harrismoure.com

[1] http://www.wsj.com/articles/key-house-republican-to-unveil-sales-tax-plan-for-purchases-across-state-lines-1472070763

[2] https://www.cbp.gov/newsroom/national-media-release/de-minimis-value-increases-800

[3] https://www.cbp.gov/document/forms

[4] https://www.irs.gov/businesses/small-businesses-self-employed/how-to-apply-for-an-ein

[5] http://streamlinedsalestax.org

[6] https://www.irs.gov/uac/tax-help-in-spanish-and-other-languages-is-just-a-click-away

[7] https://www.irs.gov/individuals/international-taxpayers/yearly-average-currency-exchange-rates