, Beschluss vom 05.12.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 78 vom 05. Dezem­ber 2019

Steu­er­freie Ver­äu­ße­rung von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen auf dem Zweit­markt

Urteil vom 5.9.2019 VR 57/17

Die ent­gelt­li­che Über­tra­gung von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen auf dem Zweit­markt ist von der Umsatz­steu­er befreit. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 05.09.2019 – V R 57/17 ent­schie­den.

Die Klä­ge­rin ist eine Akti­en­ge­sell­schaft, die von Pri­vat­per­so­nen abge­schlos­se­ne Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen erwarb. Der Kauf­preis lag über dem sog. Rück­kaufs­wert, aber unter den ein­ge­zahl­ten Ver­si­che­rungs­prä­mi­en. Anschlie­ßend änder­te die Klä­ge­rin die Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge, indem sie die für die Ablauf­leis­tung uner­heb­li­chen Zusatz­ver­si­che­run­gen kün­dig­te und die Bei­trags­zah­lung auf jähr­li­che Zah­lungs­wei­se umstell­te. Danach ver­äu­ßer­te sie ihre Rech­te an den so modi­fi­zier­ten Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen an Fonds­ge­sell­schaf­ten. Ihre Umsät­ze aus der ent­gelt­li­chen Über­tra­gung von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen behan­del­te die Klä­ge­rin im Streit­jahr (2007) als umsatz­steu­er­frei. Das Finanz­amt (FA) ging hin­ge­gen davon aus, dass es sich bei der Ver­äu­ße­rung von Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen auf dem Zweit­markt um eine ein­heit­li­che steu­er­pflich­ti­ge Leis­tung han­de­le. Die­se Leis­tung sei auf der Grund­la­ge des von den Fonds­ge­sell­schaf­ten gezahl­ten Kauf­prei­ses zu ver­steu­ern. Die Kla­ge beim Finanz­ge­richt (FG) hat­te kei­nen Erfolg.

Dem­ge­gen­über hob der BFH das Urteil des FG auf und gab der Kla­ge statt. Nach sei­nem Urteil han­delt es sich um steu­er­freie Umsät­ze im Geschäft mit For­de­run­gen nach § 4 Nr. 8 Buchst. c des Umsatz­steu­er­ge­set­zes.

Die Klä­ge­rin erbrach­te mit der Ver­äu­ße­rung ihrer Rech­te und Pflich­ten an den ver­trag­lich ange­pass­ten Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen eine ein­heit­li­che sons­ti­ge Leis­tung. Dabei ist die Über­tra­gung der (künf­ti­gen) For­de­rung (Ablauf­leis­tung) als Haupt­leis­tung anzu­se­hen, weil die Erwer­ber auf dem Zweit­markt (Fonds) ledig­lich Inter­es­se am Spar­an­teil der Ver­si­che­rung haben.

Die Ent­schei­dung des BFH hat erheb­li­che Aus­wir­kun­gen auf das Geschäfts­mo­dell des An- und Ver­kaufs von “gebrauch­ten” Lebens­ver­si­che­run­gen. Die­sem wäre bei der vom FA und vom FG ver­tre­te­nen Umsatz­be­steue­rung die Geschäfts­grund­la­ge ent­zo­gen wor­den.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 5.9.2019 — V R 57/17 -

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