(Kiel) Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass die auf­grund des Urteils des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 16. Juni 2011 (C‑65/09, C‑87/09 – Gebr. Weber GmbH/Jürgen Witt­mer; Ingrid Putz/Medianess Elec­tro­nics GmbH) gebo­te­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung des § 439 Abs. 1 Alt. 2 BGB (“Lie­fe­rung einer man­gel­frei­en Sache”) auf den Ver­brauchs­gü­ter­kauf­ver­trag (b2c) beschränkt ist und nicht für Kauf­ver­trä­ge zwi­schen Unter­neh­mern (b2b) oder zwi­schen Ver­brau­chern (c2c) gilt.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb‑, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Vize­prä­si­dent der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 17.10.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az. VIII ZR 226/11.

Die im Sport­platz­bau täti­ge Klä­ge­rin kauf­te bei der Beklag­ten EPDM-Gra­nu­lat eines pol­ni­schen Pro­du­zen­ten zur Her­stel­lung von Kunst­ra­sen­plät­zen in zwei Gemein­den. Nach dem Ein­bau durch die Klä­ge­rin stell­te sich her­aus, dass das von der Beklag­ten gelie­fer­te Gra­nu­lat man­gel­haft war. Die Beklag­te lie­fer­te kos­ten­los Ersatz­gra­nu­lat, lehn­te es aber ab, das man­gel­haf­te Gra­nu­lat aus­zu­bau­en und das Ersatz­gra­nu­lat ein­zu­bau­en. Dar­auf­hin ließ die Klä­ge­rin die­se Arbei­ten durch ein ande­res Unter­neh­men durch­füh­ren.

Mit ihrer Kla­ge hat die Klä­ge­rin unter ande­rem die Zah­lung der ihr für den Aus- und Ein­bau ent­stan­de­nen Kos­ten begehrt. Das Land­ge­richt hat die Kla­ge inso­weit abge­wie­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat die Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen. Die dage­gen gerich­te­te Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­te kei­nen Erfolg, so Dr. Gie­se­ler.

Der unter ande­rem für das Kauf­recht zustän­di­ge VIII. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs über den Umfang der Nach­er­fül­lung beim Ver­brauchs­gü­ter­kauf im Fal­le einer Ersatz­lie­fe­rung kei­ne Aus­wir­kun­gen auf den hier vor­lie­gen­den Kauf­ver­trag zwi­schen Unter­neh­mern hat. Nach dem Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs hat der Ver­brau­cher bei einer Ersatz­lie­fe­rung gegen­über dem Unter­neh­men Anspruch dar­auf, dass der Unter­neh­mer die man­gel­haf­te Sache, die vom Ver­brau­cher vor Auf­tre­ten des Man­gels bestim­mungs­ge­mäß ein­ge­baut wor­den war, aus­baut und die als Ersatz gelie­fer­te Sache ein­baut oder die hier­für anfal­len­den Kos­ten trägt. Dies gilt, wie der VIII. Zivil­se­nat aus­ge­führt hat, nur für den zwi­schen einem Ver­brau­cher und einem Unter­neh­mer geschlos­se­nen Kauf­ver­trag (b2c; dazu BGH, Urteil vom 21. Dezem­ber 2011 – VIII ZR 70/08). Bei Kauf­ver­trä­gen zwi­schen Unter­neh­mern (b2b) oder zwi­schen Ver­brau­chern (c2c) wird dage­gen der Aus­bau der man­gel­haf­ten Sache und der Ein­bau der Ersatz­sa­che von der Nach­er­fül­lungs­va­ri­an­te “Lie­fe­rung einer man­gel­frei­en Sache” (§ 439 Abs. 1 Alt. 2 BGB) nicht erfasst.

Dr. Gie­se­ler riet, dies zu beach­ten und ver­wies dabei für Rechts­fra­gen u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de

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