(Kiel) Der u. a. für das Urhe­ber­recht zustän­di­ge I. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat am 20. Janu­ar 2011 sei­ne Recht­spre­chung zur ange­mes­se­nen Hono­rie­rung von Über­set­zern bestä­tigt und fort­ge­führt.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH)  vom 20. Janu­ar 2011 — I ZR 19/09 — Dest­ruc­tive Emo­ti­ons.

Der kla­gen­de Über­set­zer hat­te sich gegen­über dem beklag­ten Ver­lag im Okto­ber 2002 zur Über­set­zung eines Sach­buchs aus dem Eng­li­schen ins Deut­sche ver­pflich­tet. Er räum­te dem Ver­lag umfas­sen­de Nut­zungs­rech­te an sei­ner Über­set­zung ein. Dafür erhielt er das ver­ein­bar­te Hono­rar von 19 € für jede Sei­te des über­setz­ten Tex­tes. Dar­über hin­aus war ihm für den Fall, dass mehr als 15.000 Exem­pla­re der Hard­co­ver-Aus­ga­be ver­kauft wer­den, ein zusätz­li­ches Hono­rar von 0,5% des Net­to­la­den­ver­kaufs­prei­ses zuge­sagt. An den Erlö­sen des Ver­lags aus der Ver­ga­be von Taschen­buch- und Buch­ge­mein­schafts­li­zen­zen war er nach dem Ver­trag mit 5% des Net­to­ver­lags­an­teils zu betei­li­gen. Nach der seit Juli 2002 gel­ten­den Rege­lung im Urhe­ber­rechts­ge­setz kann der Urhe­ber — dazu zählt auch der Über­set­zer — für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten zwar grund­sätz­lich nur die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung ver­lan­gen. Ist die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung jedoch nicht ange­mes­sen, kann er von sei­nem Ver­trags­part­ner die Ein­wil­li­gung in eine ent­spre­chen­de Ver­trags­an­pas­sung ver­lan­gen.

Der Klä­ger hat die Ansicht ver­tre­ten, das ver­ein­bar­te Hono­rar sei unan­ge­mes­sen. Er hat von der Beklag­ten des­halb eine Ände­rung des Über­set­zer­ver­tra­ges ver­langt. Land­ge­richt und Beru­fungs­ge­richt haben die Kla­ge abge­wie­sen. Auf die Revi­si­on des Klä­gers hat der Bun­des­ge­richts­hof die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen auf­ge­ho­ben und dem Klä­ger eine wei­ter­ge­hen­de Ver­gü­tung zuge­spro­chen, betont Scheel-Pötzl.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt, wonach der Über­set­zer eines bel­le­tris­ti­schen Wer­kes oder Sach­bu­ches, dem für die zeit­lich unbe­schränk­te und inhalt­lich umfas­sen­de Ein­räu­mung sämt­li­cher Nut­zungs­rech­te an sei­ner Über­set­zung ledig­lich ein für sich genom­men übli­ches und ange­mes­se­nes Sei­ten­ho­no­rar als Garan­tie­ho­no­rar zuge­sagt ist, dane­ben ab einer bestimm­ten Auf­la­gen­hö­he am Erlös der ver­kauf­ten Bücher pro­zen­tu­al zu betei­li­gen ist. Die­se zusätz­li­che Erfolgs­be­tei­li­gung setzt bei einer ver­kauf­ten Auf­la­ge von 5.000 Exem­pla­ren des über­setz­ten Wer­kes ein und beträgt nor­ma­ler­wei­se bei Hard­co­ver-Aus­ga­ben 0,8% und bei Taschen­bü­chern 0,4% des Net­to­la­den­ver­kaufs­prei­ses. Der BGH hat nun­mehr klar­ge­stellt, dass die zusätz­li­che Ver­gü­tung bei einer Erst­ver­wer­tung als Hard­co­ver-Aus­ga­be und einer Zweit­ver­wer­tung als Taschen­buch­aus­ga­be jeweils erst ab dem 5000sten ver­kauf­ten Exem­plar der jewei­li­gen Aus­ga­be zu zah­len ist. Er hat fer­ner deut­lich gemacht, dass nur ein Sei­ten­ho­no­rar, das außer­halb der Band­brei­te von Sei­ten­ho­no­ra­ren liegt, die im Ein­zel­fall als üblich und ange­mes­sen anzu­se­hen sein kön­nen, eine Erhö­hung oder Ver­rin­ge­rung des Pro­zent­sat­zes der zusätz­li­chen Ver­gü­tung recht­fer­ti­gen kann.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat fer­ner bekräf­tigt, dass ein sol­cher Über­set­zer eine ange­mes­se­ne Betei­li­gung an Erlö­sen bean­spru­chen kann, die der Ver­lag dadurch erzielt, dass er Drit­ten das Recht zur Nut­zung des über­setz­ten Wer­kes ein­räumt oder über­trägt. Dazu gehö­ren etwa die wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Erlö­se des Ver­lags aus der Ver­ga­be von Lizen­zen für Taschen­buch­aus­ga­ben des Wer­kes. Der BGH hat — abwei­chend von sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung — ent­schie­den, dass dem Über­set­zer grund­sätz­lich eine Betei­li­gung in Höhe von einem Fünf­tel der Betei­li­gung des Autors des fremd­spra­chi­gen Wer­kes an die­sen Erlö­sen zusteht.

Scheel-Pötzl emp­fahl, dies zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -

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