(Kiel) Der für das Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht zustän­di­ge IV. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass eine in zer­ti­fi­zier­ten Alters­vor­sor­ge­ver­trä­gen ver­wen­de­te Klau­sel, nach der die Abschluss- und Ver­triebs­kos­ten gleich­mä­ßig auf die ers­ten fünf Lauf­zeit­jah­re ver­teilt wer­den, die Anle­ger nicht unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht” der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­ge­richts­hofs (BGH) vom 7.11.2012 zu sei­nem Urteil vom sel­ben Tage, Az.: IV ZR 292/10.

Der kla­gen­de Ver­brau­cher­schutz­ver­band ver­langt von der beklag­ten Invest­ment­ge­sell­schaft Unter­las­sung der Ver­wen­dung einer Klau­sel in Alters­vor­sor­ge­ver­trä­gen.

Die Beklag­te bie­tet unter der Bezeich­nung “DWS Ries­ter­Ren­te Pre­mi­um” ein nach den Bestim­mun­gen des Geset­zes über die Zer­ti­fi­zie­rung von Alters­vor­sor­ge- und Basis­ren­ten­ver­trä­gen (Alters­vor­sor­ge­ver­trä­ge-Zer­ti­fi­zie­rungs­ge­setz — Alt­ZertG) zer­ti­fi­zier­tes Alters­vor­sor­ge­pro­dukt an, bei dem die von Pri­vat­kun­den geleis­te­ten Bei­trä­ge in Invest­ment­fonds­an­tei­le ange­legt wer­den. Dabei ver­wen­det sie All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, die in Nr. 15.1 fol­gen­de Bestim­mung ent­hal­ten:

… Der Anle­ger zahlt die Abschluss- und Ver­triebs­kos­ten in Höhe von 5,5%, indem die DWS wäh­rend der ers­ten fünf Lauf­zeit­jah­re der DWS Ries­ter­Ren­te Pre­mi­um von sei­nen “regel­mä­ßi­gen Bei­trä­gen” antei­lig einen gleich­mä­ßi­gen Betrag ein­be­hält und nicht in Fonds­an­tei­le anlegt. …”

Der Klä­ger meint, die­se Klau­sel benach­tei­li­ge die Anle­ger unan­ge­mes­sen i.S. von § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB, weil sie mit § 125 Invest­ment­ge­setz (InvG) unver­ein­bar sei, der zuguns­ten der Anle­ger die für die Kos­ten­de­ckung ein­zu­be­hal­ten­den Beträ­ge im ers­ten Lauf­zeit­jahr auf ein Drit­tel der regel­mä­ßi­gen Bei­trä­ge begren­ze und für die gesam­te übri­ge Lauf­zeit des Anla­ge­pro­dukts eine gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Kos­ten anord­ne. Die­se Kos­ten­ver­tei­lung müs­se auch bei der fonds­ge­bun­de­nen Alters­vor­sor­ge ein­ge­hal­ten wer­den. Die Beklag­te ist der Ansicht, dass sie gemäß der für Alters­vor­sor­ge­pro­duk­te vor­ran­gi­gen Rege­lung des § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Alt­ZertG die Abschluss- und Ver­triebs­kos­ten gleich­mä­ßig auf die ers­ten fünf Ver­trags­jah­re ver­tei­len dür­fe.

Die Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen erfolg­los gewe­sen. Der Senat des BGH hat die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen, so Kroll.

Die bean­stan­de­te Bestim­mung stellt kei­ne unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung der Anle­ger i.S. von § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB dar; sie weicht nicht von wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der maß­geb­li­chen gesetz­li­chen Rege­lung ab.

Ein­schlä­gig für die in Rede ste­hen­den zer­ti­fi­zier­ten Alters­vor­sor­ge-Fonds­spar­plä­ne ist nicht § 125 InvG. Die Beklag­te darf sich bei ihren Alters­vor­sor­ge­pro­duk­ten hin­sicht­lich der Kos­ten­vor­aus­be­las­tung an § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 8 Alt­ZertG ori­en­tie­ren. Die­ses Gesetz regelt zwar nicht die mate­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen bestimm­ter Anla­gen zur Alters­vor­sor­ge, son­dern die Bedin­gun­gen für die Zer­ti­fi­zie­rung durch die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht. Gleich­wohl ist ihm zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber die­sen Min­dest­zeit­raum für aus­rei­chend gehal­ten hat, um eine ange­mes­se­ne Ver­tei­lung der Kos­ten zu gewähr­leis­ten und Alters­vor­sor­ge-Spa­rer vor über­mä­ßi­ger Kos­ten­be­las­tung zu schüt­zen.

So sieht der Ent­wurf eines Geset­zes zur Ver­bes­se­rung der steu­er­li­chen För­de­rung der pri­va­ten Alters­vor­sor­ge (Alters­vor­sor­ge-Ver­bes­se­rungs­ge­setz – AltvVerbG, ver­öf­fent­licht auf der Inter­net­sei­te des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen) die Ein­fü­gung eines § 2a in das Alt­ZertG vor, des­sen letz­ter Satz lau­ten soll: “§ 125 des Invest­ment­ge­set­zes ist für Alters­vor­sor­ge­ver­trä­ge nicht anzu­wen­den.” In der Begrün­dung des Geset­zes­ent­wurfs heißt es: “Außer­dem wird klar­ge­stellt, dass bei Alters­vor­sor­ge­ver­trä­gen § 1 Abs. 1 Satz 1 Num­mer 8 Alt­ZertG Spe­zi­al­vor­schrift gegen­über § 125 InvG ist.”

Kroll riet, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er dazu u. a. auch auf die ent­spre­chend spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.

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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
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