(Kiel) Das Land­ge­richt Ham­burg hat, dies­mal durch die Zivil­kam­mer 25, die Ham­bur­ger Spar­kas­se erneut zum Scha­dens­er­satz an eine Klein­an­le­ge­rin ver­ur­teilt. Die Beklag­te muss nach dem Urteil an die Klä­ge­rin Scha­dens­er­satz zah­len und die der Klä­ge­rin ver­kauf­ten Leh­man Bro­thers-Zer­ti­fi­ka­te zurück­neh­men.

Dar­auf ver­weist der Ham­bur­ger Rechts­an­walt Mat­thi­as W. Kroll, LL.M., Lei­ter des Fach­aus­schus­ses „Finanz­dienst­leis­tungs- und Ver­si­che­rungs­recht“ der DASV Deut­schen Anwalt- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e.V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein Urteil des Land­ge­richts Ham­burg vom 01.07.2009, Az.: 325 O 22/09.


Das am 1. Juli 2009 ver­kün­de­te Urteil wird im Wesent­li­chen damit begrün­det, dass die Bank die Pflicht ver­letzt habe, die Anle­ge­rin bei der Anla­ge­be­ra­tung über die Han­dels­span­ne auf­zu­klä­ren, die die Beklag­te rea­li­sie­ren wür­de, wenn die Klä­ge­rin die­se Zer­ti­fi­ka­te kauft. Damit war es der Kun­din nicht mög­lich zu beur­tei­len, ob die Bank sie allein kun­den­ori­en­tiert oder auch mit Blick auf das eige­ne Umsatz­in­ter­es­se bera­ten wür­de.


Die beklag­te Bank hat­te 2007 von Leh­man Bro­thers aus­ge­ge­be­ne Zer­ti­fi­ka­te gekauft, um sie wei­ter­zu­ver­kau­fen. Hier­bei hat die Bank die Zer­ti­fi­ka­te von Leh­man Bro­thers zu einem gegen­über dem Nenn­be­trag redu­zier­ten Aus­ga­be­preis erwor­ben und die­se dann zum Nenn­be­trag wei­ter­ver­kauft.


Im vor­lie­gen­den Fall, so Kroll,  such­te die Klä­ge­rin die für sie zustän­di­ge Filia­le der Beklag­ten auf und ließ sich dar­über bera­ten, wie sie Geld anle­gen könn­te, das sie ursprüng­lich als Fest­geld für eine Zeit anle­gen woll­te. Die Beklag­te riet der Klä­ge­rin zur Inves­ti­ti­on in das streit­ge­gen­ständ­li­che Leh­man Bro­thers-Zer­ti­fi­kat „Bull Express Garant Anlei­he“.


Im Zusam­men­hang die­ses Bera­tungs­ge­sprächs hat­te die Beklag­te die Klä­ge­rin nicht dar­über infor­miert, dass die Beklag­te bei einer Inves­ti­ti­on in die­ses Zer­ti­fi­kat eine Han­dels­span­ne rea­li­sie­ren wür­de. Hier­über hät­te die Beklag­te als bera­ten­de Bank auf­klä­ren müs­sen, um auf einen mög­li­chen Inter­es­sen­kon­flikt hin­zu­wei­sen, der zwi­schen der kun­den­ori­en­tier­ten Bera­tung und ihrem Absatz­in­ter­es­se bestehen könn­te.


Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einer Rei­he von Ent­schei­dun­gen – den in der Lite­ra­tur so genann­ten „Kick-Back-Urtei­len“ – die Pflicht ange­nom­men, dass eine Bank im Zusam­men­hang mit der Bera­tung (durch sie oder einen Drit­ten) dar­auf hin­wei­sen muss, wenn der Bera­ten­de eine Rück­ver­gü­tung oder Pro­vi­si­on erhält. Die­se Pflicht über­trägt das Land­ge­richt Ham­burg, nun­mehr in einem zwei­ten Fall, auf den Fall, dass die bera­ten­de Bank eine Han­dels­span­ne mit einer Anlei­he einer Drit­ten erwirt­schaf­ten wür­de.
In dem Urteil vom 1. Juli 2009 heißt es dazu unter ande­rem:


Die Beklag­te war ver­pflich­tet, die Klä­ge­rin dar­über auf­zu­klä­ren, dass die Beklag­te an dem Geschäft ver­die­nen wür­de. Der Bera­tungs­ver­trag zwi­schen einem Bank­kun­den und einer Bank hat zum Inhalt, dass die Bank eine an den Inter­es­sen des Kun­den aus­ge­rich­te­te Bera­tung leis­tet. Inhalt die­ser Bera­tungs­pflicht ist nicht allein die anle­ger- und objekt­ge­rech­te Auf­klä­rung über die Eigen­schaf­ten bestimm­ter Anla­ge­mög­lich­kei­ten.


 „Ihrer Pflicht anle­ger­ge­rech­ten Auf­klä­rung über die Han­dels­span­ne hin­sicht­lich ihrer Exis­tenz und ihrer Höhe ist die Beklag­te im vor­lie­gen­den Fall nicht im aus­rei­chen­den Maße gerecht gewor­den.
Sucht der Kun­de aber das per­sön­li­che Bera­tungs­ge­spräch, muss die Bank die wesent­li­chen Aspek­te, über die auf­zu­klä­ren ist, zum Gegen¬stand des Gesprächs machen, wenn nicht ersicht­lich ist, dass der Kun­de sich bereits über die­se Aspek­te infor­miert hat oder das erfor­der­li­che Fach­wis­sen hat. Die Bank muss berück­sich­ti­gen, dass der Kun­de sich im Ver­trau­en auf eine an sei­nen Inter­es­sen ori­en­tier­te Bera­tung an die Bank wen­det. Daher muss die Bank, wenn sie ein Bera­tungs­ge­spräch durch­führt, von sich aus auf Tat­sa­chen hin­wei­sen, die Inter­es­sen­kon­flik­te begrün­den kön­nen, also vor­lie­gend über die Han­dels­span­ne oder ande­re Anrei­ze.“
Dass am Ende die Beklag­te zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist, hat sich im vor­lie­gen­den Fall dar­aus erge­ben, dass der Beklag­ten nicht gelun­gen ist zu bewei­sen, dass die Klä­ge­rin im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall auch in Kennt­nis der Han­dels­span­ne das Zer­ti­fi­kat der Leh­man Bro­thers erwor­ben hät­te.
Damit hat auch die Zivil­kam­mer 25 nach der Zivil­kam­mer 10 die Pflicht zur Auf­klä­rung über das Bestehen einer Han­dels­span­ne und deren Höhe bejaht. Die Zivil­kam­mer 10 hat­te am 23. Juni 2009 die Ham­bur­ger Spar­kas­se unter ande­rem eben­falls aus dem Grund zum Scha­dens­er­satz ver­ur­teilt, dass die Bank den dort kla­gen­den Kun­den nicht über die Han­dels­span­ne auf­ge­klärt hat­te. Auch dort war es der Bank nicht gelun­gen zu bewei­sen, dass der Kun­de sich bei rich­ti­ger Bera­tung für das Leh­man Bro­thers-Zer­ti­fi­kat ent­schie­den hät­te.


Gegen das Urteil kann das Rechts­mit­tel der Beru­fung ein­ge­legt wer­den.


Kroll mahn­te, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er  dazu u. a. auch auf Bank- und Kapi­tal­markt­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Anwäl­tin­nen in der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de – ver­wies.



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Mat­thi­as W. Kroll, LL.M.
Rechtsanwalt/Master of Insuran­ce Law
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