(Kiel) Die Ver­mitt­lung von Flug­ti­ckets durch ein ande­res Unter­neh­men im Wege des so genann­ten “screen-scra­pings” ist grund­sätz­lich recht­lich nicht zu bean­stan­den, und zwar auch dann nicht, wenn das betrof­fe­ne Flug­un­ter­neh­men dies nicht wünscht.

Dies, so die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel, hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt (OLG) in einem Urteil vom 5.3.2009 (AZ.: 6 U 221/08) ent­schie­den und damit die vor­aus­ge­gan­ge­ne Ent­schei­dung des Land­ge­richts Frank­furt am Main bestä­tigt.


Die Antrag­stel­le­rin durch­sucht die Inter­net­sei­te des Flug­un­ter­neh­mens auf das von ihren Kun­den gewünsch­te Flug­ziel und die gewünsch­te Rei­se­zeit und zeigt die gefun­de­ne Ver­bin­dung nebst dem ver­lang­ten Preis auf sei­ner eige­nen Web­sei­te an. Zugleich ermög­licht sie ihren Kun­den die unmit­tel­ba­re Absen­dung eines Buchungs­auf­tra­ges. In die­sem Ver­hal­ten sieht das Flug­un­ter­neh­men eine Ver­let­zung sei­nes “vir­tu­el­len Haus­rechts” und einen Ver­stoß gegen die für ihre Inter­net­sei­te auf­ge­stell­ten Nut­zungs­be­din­gun­gen.
Gegen die von dem Flug­un­ter­neh­men auf­ge­stell­te Behaup­tung, das bean­stan­de­te “screen-scra­ping” sei rechts­wid­rig, sowie gegen die Ankün­di­gung, auf die­se Wei­se erwor­be­ne Flug­ti­ckets zu stor­nie­ren, wehr­te sich die Antrag­stel­le­rin nun erfolg­reich mit einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung, betont Scheel-Pötzl.


Sowohl das Land­ge­richt als auch das nun­mehr abschlie­ßend ent­schei­den­de OLG Frank­furt sahen die Behaup­tung und die Ankün­di­gung des Flug­un­ter­neh­mens als wett­be­werbs­wid­ri­ge Behin­de­rung an. Das “screen-scra­ping” ver­let­ze weder ein “vir­tu­el­les Haus­recht” des Flug­un­ter­neh­mens noch wür­den urhe­ber­recht­li­che Daten­bank­rech­te ver­letzt. Das Wesen einer Inter­net­sei­te lie­ge gera­de dar­in, von Drit­ten besucht und damit zur Kennt­nis genom­men zu wer­den. Es ste­he dem Betrei­ber offen, den Zugang zu sei­ner Sei­te tat­säch­lich durch ent­spre­chen­de tech­ni­sche Maß­nah­men zu begren­zen und den Zugriff auf deren Inhalt etwa von dem vor­he­ri­gen Abschluss eines Nut­zungs­ver­tra­ges abhän­gig zu machen. Solan­ge das Flug­un­ter­neh­men von die­ser Mög­lich­keit kei­nen Gebrauch mache, kom­me ihren Nut­zungs­be­din­gun­gen eben­so wie allen wei­te­ren ein­sei­ti­gen Erklä­run­gen über gewoll­te Nut­zungs­be­schrän­kun­gen kei­ne Rechts­wir­kung zu.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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