(Kiel) I Wesent­li­che Merk­ma­le für die Gewähr einer Prä­mie bei der Wer­bung eines Öko­strom­an­bie­ters dür­fen  nicht in „Fuß­no­ten“ ver­steckt wer­den.

Dar­auf ver­weist die Ham­bur­ger Fach­an­wäl­tin für Urhe­ber- und Medi­en­recht Karin Scheel-Pötzl von der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf ein soeben ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt (OLG), AZ.: 11 U 2/09 (Kart).
In dem Fall hat­te ein Strom­an­bie­ter Neu­kun­den bei sei­ner Wer­bung <blick­fang­mä­ßig her­aus­ge­stellt> eine Prä­mie von 50,– € ver­spro­chen, wäh­rend die damit ver­knüpf­ten Bedin­gun­gen (nur ein bestimm­ter Öko­strom-Tarif und eine Min­dest­ab­nah­me­men­ge) klein in Fuß­no­ten ver­steckt waren. Dage­gen hat­te sich ein Mit­be­wer­ber gewandt und den Strom­an­bie­ter auf Unter­las­sung in Anspruch genom­men.


Zu Recht, wie das OLG Frank­furt nun in sei­nem Urteil vom 31.03.2009 fest­stel­le, so Scheel-Pötzl.


Die ange­grif­fe­ne Wer­bung sei zu unter­sa­gen, weil sie gegen das Ver­bot der irre­füh­ren­den Wer­bung ver­sto­ße. . Die Neu­kun­den­prä­mie von 50,00 € erhal­te der Kun­de nur bei Abschluss eines bestimm­ten Tarifs und einer Min­dest­ab­nah­me­men­ge von 1000 KwH Strom im Jahr. Die Preis­ga­ran­tie gel­te eben­falls nur für den ent­spre­chen­den Tarif, eine Erst­lauf­zeit bis 31.12.2009 und bezie­he sich nicht auf die Ände­rung oder Neu­ein­füh­rung gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ner Abga­ben.


Auf die­se gegen­über den blick­fang­mä­ßig her­aus­ge­stell­ten Vor­tei­len bestehen­den Ein­schrän­kun­gen des Tarifs wer­de in einer Fuß­no­te in der Wer­be­an­zei­ge zwar hin­ge­wie­sen. Ange­sichts der Aus­ge­stal­tung der Anzei­ge könn­te indes schon zwei­fel­haft erschei­nen, ob vor­lie­gend durch die Fuß­no­ten 1 und 2 noch eine aus­rei­chen­de Zuord­nung zu den her­aus­ge­stell­ten Anga­ben gewahrt blei­be, weil bereits die Fuß­no­ten gegen­über dem sons­ti­gen Fließ­text zurück­tre­ten und kei­nes­wegs deut­lich und in glei­cher Schär­fe erkenn­bar sei­en.


Das gel­te erst recht von der Posi­tio­nie­rung der Fuß­no­ten unter dem fett her­vor­ge­ho­be­nen Satz „jetzt zu X Öko­strom wech­seln“ und der nach­fol­gen­den Tele­fon­num­mer bzw. Inter­net­adres­se. Der dar­un­ter fol­gen­de „auf­klä­ren­de Text“ las­se die Fuß­no­ten 1 und 2 kaum noch erken­nen, so dass durch­aus davon aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, dass ein flüch­ti­ger Ver­brau­cher den auf­klä­rend-ergän­zen­den Teil der Blick­fang­wer­bung über­se­hen wer­de.


Selbst wenn er ihn im Rah­men der Wer­bung aus­fin­dig mache, erfor­de­re – wie das Land­ge­richt bereits zutref­fend fest­ge­stellt habe -, das Lesen die gestei­ger­te Auf­merk­sam­keit und wer­de hier „zur anstren­gen­den Arbeit“, so dass nicht weni­ge Leser nicht in der Lage sein oder sich scheu­en wür­den, sich die­ser Anstren­gung zu unter­zie­hen.


Auch gemäß § 1 Abs. 6 Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung müs­sen die dort vor­ge­se­he­nen Pflicht­an­ga­ben „leicht erkenn­bar und deut­lich les­bar oder sonst gut wahr­nehm­bar“ sein. Davon kön­ne bei dem streit­be­fan­ge­nen Anzei­gen­text nicht die Rede sein. Der die Auf­klä­rung ent­hal­te­ne Text­teil sei wegen der gerin­gen Schrift­grö­ße und der schwa­chen Kon­tu­ren der wei­ßen Schrift auf dem oran­ge­far­be­nen Hin­ter­grund prak­tisch kaum les­bar. Der Senat, des­sen Mit­glie­der zu den ange­spro­che­nen Ver­brau­chern gehö­ren, konn­te die­se Fra­ge selbst beur­tei­len. Er teil­te inso­weit die zutref­fen­de und über­zeu­gen­de Wür­di­gung des Land­ge­richts.


Scheel-Pötzl emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und bei ähn­li­chen Fäl­len auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len und ver­wies in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de  -


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