(Kiel) Nach § 5 TMG muss eine „geschäfts­mä­ßig” genutz­te Inter­net­sei­te über ein Impres­sum ver­fü­gen, in denen der Betrei­ber unter ande­rem Anga­ben zum Namen, zur Anschrift und zur Rechts­form usw. infor­mie­ren muss. Wird die­se Pflicht nicht erfüllt, kön­nen etwa Wett­be­wer­ber den Betrei­ber abmah­nen und auf Unter­las­sung in Anspruch neh­men.

In den letz­ten Jah­ren sind eine Rei­he von Gerichts­ent­schei­dun­gen zum Inhalt und Umfang der Impres­sumpflicht ergan­gen. Die Gerich­te hat­ten etwa zu klä­ren, ob der Vor­na­me des Geschäfts­füh­rers (KG Ber­lin vom 11. April 2008, Az.:5 W 41/08 und OLG Düs­sel­dorf vom 4. Novem­ber 2008, Az.: I‑20 U 125/08), die Fax­num­mer (OLG Ham­burg vom 5. Juli 2007, Az.: 5 W 77/07) die Tele­fon­num­mer (Euro­päi­scher Gerichts­hof vom 16. Okto­ber 2008, Az.: C 298/07) anzu­ge­ben sind, ob ein Kon­takt­for­mu­lar statt Anga­be der E‑Mail-Adres­se (LG Essen vom 19. Sep­tem­ber 2007, Az.: 44 O 79/07) den Anfor­de­run­gen genügt, wel­che Ver­tre­ter zum Bei­spiel einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts genannt wer­den müs­sen (OLG Hamm, Urteil vom 4.8.2009 — 4 U 11/09 ) und ob die­se Anga­ben auch im sozia­len Netz­werk face­book gemacht wer­den müs­sen (LG Aschaf­fen­burg v. 19. August 2011 (Az.: 2 HK O 54/11).

Die Fra­ge, wann denn eine Inter­net­sei­te „geschäfts­mä­ßi­ge Ange­bo­te” ent­hält, war bis­lang sel­ten Gegen­stand von gericht­li­chen Ver­fah­ren. So nahm das Land­ge­richt Düs­sel­dorf (Urteil vom 15. Dezem­ber 2010, Az.: 12 O 312/10) in sei­ner Ent­schei­dung Inter­net­sei­ten von Unter­neh­men jeden­falls dann von der Impres­sumpflicht aus, wenn sie den Hin­weis ent­hiel­ten, dass sie in Bear­bei­tung („under con­struc­tion”) sind.

Das die­ser Grund­satz nicht immer gilt, zeigt eine jetzt ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Land­ge­richts Aschaf­fen­burg (Urteil vom 03. April 2012, Az.: 2 HK O 14/12), so der Bre­mer Fach­an­walt für Gewerb­li­chen Rechts­schutz Klaus-Die­ter Fran­zen, Lan­des­re­gio­nal­lei­ter Bre­men der DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. mit Sitz in Kiel.

Im Streit stan­den zwei Unter­neh­men, die jeweils Anzei­gen­blät­ter her­aus­ga­ben. Die Beklag­te unter­hielt eine Inter­net­sei­te, die mit dem sicht­ba­ren Hin­weis „Hier ent­steht in Kür­ze unse­re Inter­net­prä­senz”, deren Logo, den Kon­takt­da­ten eines Ver­triebs­mit­ar­bei­ters, E‑Mail-Anschrift und einer her­un­ter­lad­ba­ren Aus­ga­be ihres Anzei­gen­blat­tes ver­se­hen war. Ein mit den gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Daten ver­se­he­nes Impres­sum ent­hielt die Sei­te nicht. Die Klä­ge­rin sah dar­in einen Ver­stoß gegen die gel­ten­de Impres­sumpflicht und mahn­te die Beklag­te ab. Da die­se die gewünsch­te Unter­las­sungs­er­klä­rung nicht abgab, bean­trag­te die Klä­ge­rin den Erlass einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung.

Das Land­ge­richt gab dem Antrag statt. Nach Auf­fas­sung der Aschaf­fen­bur­ger Rich­ter sei ent­schei­dend, dass der Inter­net­auf­tritt der Beklag­ten den Zweck hat­te, wirt­schaft­li­che Inter­es­sen zu ver­fol­gen. Denn da das aktu­el­le Print­me­di­um abruf­bar gewe­sen sei, habe die Beklag­te bereits kon­kre­te Leis­tun­gen bewor­ben. Poten­ti­el­le Wer­be­in­ter­es­sen­ten für das Anzei­gen­blatt hät­ten über die ange­ge­be­ne Tele­fon­num­mer bzw. E‑Mail Adres­se den Kon­takt zum Ver­trags­schluss her­stel­len kön­nen.

Danach, so Fran­zen, kön­nen Unter­neh­men die gesetz­li­che Infor­ma­ti­ons­pflicht nicht durch die Ver­wen­dung eines Bau­stel­len­hin­wei­ses unter­lau­fen. Viel­mehr kommt es dar­auf an, ob auf der Inter­net­sei­te Leis­tun­gen ange­bo­ten und auch kon­kret bewor­ben wer­den. Ent­hält die Sei­te Anga­ben die­ser Art, steigt das Risi­ko, dass der Betrei­ber die gesetz­li­che Infor­ma­ti­ons­pflicht wird erfül­len müs­sen. Die Gerich­te neh­men erkenn­bar eine Ein­zel­fall­prü­fung vor. Des­halb kann nicht abs­trakt für alle Fäl­le geklärt wer­den, ab wann eine Bau­stel­len­sei­te mit Inhalt der Impres­sumpflicht unter­liegt und wann nicht. Ent­hält die Sei­te wei­te­re Anga­ben, wird der Betrei­ber jeden­falls dann auf der siche­ren Sei­te sein, wenn auch die Bau­stel­len­sei­te über ein voll­stän­di­ges Impres­sum ver­fügt. Ledig­lich eine rei­ne Bau­stel­len­sei­te oder eine lee­re Sei­te ohne Inhalt wird auch in Zukunft nicht der Impres­sumpflicht unter­lie­gen.

Fran­zen emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen auf jeden Fall Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er in die­sem Zusam­men­hang u. a. auch auf die DASV Deut­sche Anwalts- und Steu­er­be­ra­ter­ver­ei­ni­gung für die mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft e. V. – www.mittelstands-anwaelte.de — ver­wies.

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